Von einem der auszog, sein Amt abzugeben

Nico —  7.02.2009

So langsam tut mir der Michael Glos wirklich leid, aber die Parteistrategen wollen sich partout nicht nach ihm richten. Schon 2005, als der treue Parteisoldat Michael Glos aufgrund des Rückzug von Edmund Stoiber dann auf den freiwerdenden Posten des Wirtschaftsministers rotiert wurde, war schnell klar, daß er sich eigentlich nie nach dieser Rolle gesehnt hatte. Nun hat Michael Glos ein Rücktrittgesuch an seinen obersten Chef gerichtet, und dann auch Frau Merkel informiert. In diesem Schreiben ist zu lesen, daß Michael Glos bereits im Zuge der Neufindung der CSU-Spitze sein Amt zur Verfügung stellen wollte, aber Seehofer dies zu der Zeit eher ignoriert hat. Nun also der erneute Hilferuf des Michael Glos, mit der seltsamen Begründung, daß er nach der Wahl nicht mehr als Minister zur Verfügung stünde und daher jetzt Klarheit schaffen wollen würde. Warum er nicht einfach das halbe Jahr noch durchministert, ist mir völlig unklar, aber wahrscheinlich hat er einfach keinen Nervt mehr auf Engagement im Wahlkampf und will lieber Sommerurlaub machen.

Man sollte meinen, Michael Glos sei amtsmüde. Verwundern wird es kaum jemanden, schliesslich ist Michael Glos als Wirtschaftsminister vor allem dadurch aufgefallen, daß er bei eigentlich allen Themen gleich wenig beitragen konnte, bzw. einfach untergetaucht ist, wie in den ersten Wochen der Finanzkrise.

Horst Seehofer allerdings lässt den getreuen Parteisoldaten Michael Glos hängen und gewährt ihm das Rücktrittsgesuch nicht. Viel ändern wird das für die Arbeit der Koalition nicht, aber seltsam ist es schon, wie mit Herrn Glos umgesprungen wird.

Allerdings, eine Frage treibt mich noch viel mehr um als die nach dem persönlichen Schicksal von Michael Glos.

Was wird aus seinen Internet-Bedienern? Werden innerhalb der Ministerien jetzt neue Posten für diese Personen gefunden? Bedarf besteht ja durchaus in der Großen Koalition, vor allem aber wären Internet-Versteher im Verbund mit Internet-Bedienern mal eine großartige Idee. Es täte mir sehr leid um die Internet-Bediener, würden sie zum Ende der Amtszeit von Herrn Glos einfach so brutal wegrationalisiert werden.

Mal sehen, wann Michael Glos es schafft, das Amt, daß er so ausgefüllt hat wie kein Zweiter, also so schlecht vor allem, endlich abgegeben bekommt. Vielleicht erscheint er ja einfach nicht mehr zum Dienst und riskiert ein paar Abmahnungen, irgendwie muß es ja zu schaffen sein.

6 responses to Von einem der auszog, sein Amt abzugeben

  1. Schöner Artikel soweit…

    Danke auch für das Wort „Durchministern“ – wird einzug in meinen Wortschatz halten.

    Grüße

  2. „Zurücktreten? Nur seine überteuerte Pension wird uns beweisen, daß er je Minister war!“

  3. Dein Mitleid für Glos in allen Ehren, aber wir müssen jetzt weiterhin Glos in der Tagesschau sehen. Mehr dazu in meinem Blog: http://soziolot.de/2009/02/glos-in-guantanamo/

  4. Ein Rücktrittsgesuch zu verwehren ist nicht ritterlich, sollte man doch bedenken, dass dem viele Prozesse vorausgehen und sicherlich eine große Vorüberlegung da war.
    Die Arbeitsmoral hinterher kann dadurch auch nicht bestärkt werden – das Wort „Durchministern“ trifft es da schon ziemlich exakt.

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  1. Glos in Guantanamo : soziolot - 8.02.2009

    […] Situation. Die Aufregung ist groß, dass die Parteigranden Glos den Abschied verwehren. Und bei anderen löst der Wirtschaftsminister nur noch Mitleid aus, wobei man sich fragen muss, ob das Leid bei Regierenden oder doch eher den Regierten größer ist. […]