Beim Lesen dieser Zeilen sollte man sich im Hintergrund immer dieses mega-schwülste “Time to say good-bye” von Sarah Brightman & Andrea Bocelli vorstellen, damit auch die richtige Stimmung gesetzt wird.
Ende der 90er Jahre war die CeBIT für mich und meine Freunde ein immens wichtiges Ereignis. Wir sind fast täglich von Göttingen nach Hannover gependelt, was ziemlich gut in ein Studenten-Budget passte, da die Züge so voll waren, daß die Schaffner überhaupt nicht durchkamen, so daß man locker mit einem Rückfahrticket die ganze Woche pendeln konnte. Aber nicht nur die Züge waren voll, sondern auch die Hallen und die Messestände. Es gab wirklich etwas zu sehen und überall waren Neuigkeiten, es lag eine Atmosphäre in der Luft, die Innovationen suggerierte und man hatte das Gefühl, daß für eine gute Woche der Fokus der Technikwelt komplett auf Hannover lag. Wir sind von Stand zu Stand gepilgert, immer mit dem arroganten Anspruch, daß wir Bescheid wissen, was gerade abgeht (“wir hätten gerne jemand aus der Technik gesprochen, nicht nur irgendjemanden aus dem Marketing, der keine Ahnung vom Produkt hat!”), abends dann wurden Standparties mitgenommen und mit dem letzten Zug sind wir nach Göttingen zurückgefahren. Those where the days, aber für uns war die CeBIT damals wirklich ein Großereignis, das wir nicht verpassen wollten. Ich könnte jetzt unzählige Sätze mit “ich weiß noch, damals…” anfangen und von Jon “Maddog” Hall und den OpenSource-Ständen erzählen, von Standparties bei Tobit, vom ersten Besuch amerikanischer Google-Mitarbeiter auf der CeBIT, und so weiter und so fort.
Mittlerweile ist es anders. Es gibt nichts Neues zu sehen. Nirgends. Hallen mit Schaltschränken, USV-Anlagen, Bankautomaten, eGovernment-Initiativen oder ähnlichem wirken nur noch wie ein lose zusammengewürfeltes Sammelsurium von Technik-Themen, die kein verbindenes Element mehr haben. Die Hallen sind leer, noch nicht einmal Beutelratten sind unterwegs, um die letzten aufblasbaren Gadgets abzugreifen.
Die vielfachst gepriesene Webciety ist ehrlich gesagt auch nicht mehr als eine weitere reingewürfelte Themenwelt, die überhaupt nicht zum Rest der Veranstaltung passt. Das Konferenzprogramm mag recht nett sein, aber ich glaube nicht, daß das wirklich Leute aus den anderen Hallen anzieht. Die schwarzen Waben waren auch nicht so der Brüller (sorry, Cedric) und die vorhandenen Stände waren abgesehen vom Highlight Yeebase (free Wlan und Timo Heuer live und in Farbe, die ungekrönte Nr. 1 eines jeden Web2.0-Gettogether-Wikis) auch eher unspektakulär. Die pre:publica war eine nette Idee, aber wenn ich die Hälfte der Leute im Publikum bereits kenne, dann ist es auch eher Preaching to the Choir denn das Vermitteln neuer Ideen an interessiertes CeBIT-Publikum. Überhaupt, 20% weniger Besucher dieses Jahr waren durchaus deutlich sichtbar, aber ich würde gerne mal wissen, wer überhaupt noch eine Karte gekauft hat dieses Jahr. Ich kenne keine einzige Person.
Die Zeit der großen, universellen CeBIT ist vorbei. Es wird Zeit für andere, speziellere Formate.
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[...] Nico fährt nicht mehr zur CeBIT. Ob ich nochmal hinfahre, weiß ich momentan nicht. Er fragt, wer überhaupt eine Karte gekauft habe – er kenne niemanden. Ich auch nicht – ich habe weder eine Karte gekauft (sondern bin mit einem kostenlosen, selbstgedruckten eTicket auf der Messe gewesen), noch kenne ich jemanden, der eine Karte gekauft hat. [...]
[...] meiner Meinung bin ich übrigens nicht allein. Nico zieht ein ähnliches [...]