Mensch vs. Maschine vs. Nutzungsoptionen

Nico —  11.03.2009

In seinem Beitrag Mensch vs. Maschine und die Unfollower-Party schreibt Sascha Lobo über die stetig zunehmende Zahl von Followern beim Twitter-Account @Spiegel_EIL :

Natürlich sagt die Anzahl der Follower über nichts etwas aus außer über die Anzahl der Follower. Und vielleicht noch über die Frisur. Bemerkenswert aber, dass eine Maschine in einem so persönlichen Medium wie Twitter derart reüssiert (das gilt auch für @cnnbrk, den seit einigen Tagen meistverfolgten Account der Welt). Wenn es eine gut gemachte Twitterredaktion wie @hazde oder @derwesten wäre – aber gegen einen unpersönlichen, ungepflegten RSS-Feed? Ohne die Überzeugung redaktioneller Notwendigkeit aus bloßer Mitmachability ins Netz geblasen?

Als Konsequenz ruft Sascha zum Unfollowen von @Spiegel_EIL auf. Das kann er gerne machen, aber ehrlich gesagt ist es gewohnt anmassend, anderen Leuten vorschreiben zu wollen, wie sie Twitter nutzen sollten.

Twitter ist Kommunikation auf 140 Zeichen, wie man diese 140 Zeichen nutzt, kann sich jeder selber überlegen. Eben so kann man sich überlegen, ob man jemandem folgen will oder nicht.

Es liegt natürlich auf der Hand, daß ein automatisch generierter Tweet, der einfach aus einem RSS-Feed besteht, nicht ansatzweise so toll ist wie ein händisch erstellter Tweet. Lobo hat recht, der Spiegel ist böse. Oder?

Wer viele RSS-Feeds abonniert, der kennt das Problem, daß man irgendwann nicht mehr hinterherkommt mit dem Lesen der Feeds und daß man oftmals feststellt, dass nicht alle Inhalte wirklich relevant sind. Dennoch füllen sie die Leseliste. Ein getwitterter RSS-Feed hat einen entscheidenen Vorteil für den Follower: die Tweets versenden sich quasi. Wenn ich den Tweet mitbekomme, habe ich einen Informationsvorsprung, wenn nicht, dann ist es auch egal. Also je länger ich darüber nachdenke, desto sinnvoller finde ich @Spiegel_EIL und desto nerviger finde ich diese ewige Twitterdeutungsmafia, die meint vorschreiben zu müssen, wie was wann und wo man zu twittern hat.

Es gibt immer mindestens zwei Leute bei Twitter, den Follower und denjenigen, der die 140 Zeichen twittert. Einen Followerzwang gibt es nicht und insofern sollte man es doch den Leuten selbst überlassen, wie sie Twitter nutzen.

12 responses to Mensch vs. Maschine vs. Nutzungsoptionen

  1. genau. Verlange Ergänzung im Artikel 4, GG:
    (3) Niemand darf gegen sein Gewissen zum Followen gezwungen werden. Das Nähere regelt Sascha Lobo.

  2. Endlich schreibts mal jemand. All dieses: so twittern sie richtig u.ä. erwecken den eindruck, als gäbe es genau die eine, richtige art, mit twitter umzugehen. das gegenteil ist der fall. und das macht twitter so reizvoll.

  3. Ich stimme meinem Vorredner zu.

    Der EIL-Feed ist deswegen so brauchbar, weil er eben eine Auswahl ist und nicht die Timeline mit 5 Tweets alle 30 Minuten verstopft.

    Das ist genauso wertvoll und vielleicht wertvoller, wie die Menschenkommentare von, sagen wir, @abendzeitung, die oft nett zu lesen sind, sich zuweilen aber auch nur im Kalauern erschöpfen.

  4. Ach, der Lobo und all diese anderen Online-Selbstdarsteller, selbsternannten ‚Pro-Blogger‘ und ‚Social Media Gurus‘ gehen mir so dermaßen auf die Nüsse…

  5. Lumma, einer deiner besten Beiträge seit langem und genau meine Meinung. Lobo hängt sich wie so oft einfach dermaßen weit aus dem Fenster, das es er selbst auf meiner Unfollow-Liste gelandet ist.

    Jetzt überlege ich gerade, ob ich lieber wir dir followen sollte? Wenn da nur nicht immer deine Fahre-gerade-Tweets wären ;-D

  6. die ubahn-tweets gehen doch im gesamtrauschen total unter :)

  7. Kommt wohl auf die Menge des Gesamtrauschens an. Irgendwie schau ich immer dann in das Gezwitscher, wenn du irgendwo unterwegs bist ;-)

  8. Solange es Katzen wie http://twitter.com/sockington mit 160.000 Followern gibt kann man über diese ganze Sache nur lachen.

    Ausserhalb BRD sind 6000 Follower ein Witz.

  9. Erstes Gebot. Es darf nur einen Twitter-Gott geben.
    Zweites Gebot: Es muss Sascha Lobo sein.
    Drittes Gebot: Wenn nicht, siehe zweites Gebot.

    Das ist alles so erbärmlich.

  10. blöde frage.. aber einen rss-feed to twitter oder noch besser google-reader to twitter gibt es aber noch nicht, oder?

    was ich auch noch nicht verstehe: wieso kann der google reader nicht unwichtige beiträge wie so ne art spamfilter wegsortieren.. am anfang helf ich ein bischen, dann kann er es irgendwann alleine.. bayes lässt grüßen

  11. @Michael: Gleich der erste Treffer bei der Suche nach „rss + twitter“: http://twitterfeed.com/