ZEIT: Online-Kärcher gegen Netz-Geschmiere

Nico —  3.06.2009

Auch bei ZEIT Wissen darf man derzeit ordentlich Stuß schreiben, wie Jens Uehlecke mit seinem Kommentar Schluß mit dem Geschnatter eindrucksvoll zur Schau stellt.

Dort heisst es u.a.:

Über die Webseite Twitter versenden Millionen Menschen Belanglosigkeiten. Das nervt.

Da frage ich mich allerdings: wenn es so nervend ist, warum tut sich Jens Uehlecke das an? Es gibt Stand Heute keinerlei Lesezwan für Twitter, und das wird sicherlich auch so bleiben. Hinzu kommt, daß man sich grundsätzlich selber aussuchen kann, wem man folgen mag, insofern ist man selber in der Lage, die Dosierung des Twitterstreams zu bestimmen.

Würde sich der Autor anmassen, zu schreiben:

Über das gesprochene Wort reden Millionen Menschen Belanglosigkeiten. Das nervt.

und dann fordern, daß Menschen nicht mehr mit einander reden sollten?

Ich glaube kaum. Man sieht hier mal wieder eindrucksvoll, wie aus der Print-Denke kommend, das geschriebene Wort mit einer Bedeutung aufgeladen wird, die im Rahmen der massiven Nutzung von User Generated Content schon längst nicht mehr angebracht ist. Hinzu kommt das Unverständnis von Jens Uehlecke, was Sinn und Zweck, bzw. den möglichen Nutzwert von Twitter angeht. Dies kann nämlich jeder selber definieren, was ehrlich gesagt eines der wunderbaren Begleiterscheinungen von Twitter ist. Naja, das kann man bei ZEIT Wissen sicherlich nicht wissen, da ist ein Standpunkt von oben herab sicherlich nützlicher, um die eigene Erhabenheit zu untermauern.

Schliessen möchte ich mit einem weiteren Zitat:

Spätestens in Momenten wie diesem hofft man, dass endlich jemand ein Online-Pendant zu Scheuermilch erfindet, um das Netz von dem Geschmiere zu befreien.

Da ist aber jemand ziemlich von sich und seiner Allwissenheit überzeugt, so sehr sogar, daß er sich anmaßt, die Kommunikation anderer Leute bewerten und auslöschen zu wollen. Interessant, daß jemand bei ZEIT Wissen einen Online-Kärcher fordert, ich dachte immer, daß die ZEIT einen Anspruch hat, als liberales Wochenblatt in Deutschland für Qualitätsjournalismus zu stehen. Wie man sich doch irren kann.

9 responses to ZEIT: Online-Kärcher gegen Netz-Geschmiere

  1. naja, mit der ZEIT wird es ja fast schon ein bisschen anstrengend, sich über solches gedöns überhaupt noch aufzuregen…

  2. … und unter dem ZEIT Artikel ist ein TWITTER Button – wie bizarr :-) wie wirr :-) wie ZEIT

  3. Ich persönliche vermute, dass der Schreiber Paraktikant oder Hausmeister ist….

  4. Na ich finde so unrecht hat er gar nicht. auf twitter wird wirklich viel müll gepostet, wer das gegenteil behauptet scheint da wohl die augen vor tatsachen zu verschließen. und twitter als „das heiße ding“ im netzt zu hypen… ich habe den eindruck dass das ding inzwischen durch ist, seit nun jedes „alte“ medium den zug endlich entdeckt hat.

    Im grunde genommen ist es eine alte debatte: Nur weil eine angebliche „demokratisierung“ durch die möglichkeit im internet gegeben ist, dass jeder nun seine weisheiten veröffentlichen kann hat m.E. nicht automatisch zu einer besseren qualität geführt. viel hilft halt nicht immer viel. und nicht alle haben das zeug zum superstar…

  5. Alles richtig (was Du schreibst), aber bitte keep in mind, über dem Artikel steht “ eine Glosse“ …

  6. glosse hin oder her, das war totaler stuss.

  7. Ich „twittere“ selber und folge knapp 100 anderen Twitteren. Spätestens bei dieser Zahl ist die Grenze erreicht.
    Wenn ich aber andere sehe, die teilweise mehreren hundert oder tausend anderen folgen, kann ich nur mit dem Kopf schütteln.
    Denen geht es nur um eine neue Art des „Schwanzvergleiches“: Ausnahmen sind vielleicht Politiker oder Promis. Die nutzen Twitter als Marketing.

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