Das Konsens-Duell

Nico —  14.09.2009

Gestern fand das erste und einzige TV-Duell zwischen Angela Merkel und Frank-Walter Steinmeier statt. Hoffentlich war das auch das letzte TV-Duell dieser Art. 90 Minuten lang breitete sich Langeweile aus, denn schon das Setup war so konzipiert, daß ja keine Debatte stattfinden konnte. 4 Moderatoren von 4 Sendern, dazu zwei Diskutanten, die als Kanzlerin und Vizekanzler gemeinsam in der Regierung sitzen – wie sollte da überhaupt eine Debatte entstehen? Die 4 Moderatoren mussten sich profilieren und konnten nicht zulassen, daß kontrovers diskutiert wurde, da ansonsten a) die Antwortzeit der Diskutanten überschritten werden könnte und b) nicht jeder Moderator oft genug zum Zug kommen könnte. Auf der anderen Seite Merkel und Steinmeier, die eher gemeinsam gegenüber den Moderatoren auftraten als daß sie versuchten, in Abgrenzung zum jeweils anderen zu punkten. Steinmeier war zwar ein kleinen Tick angriffslustiger und hat auch einige gute Punkte gemacht, nur für ihn als Herausforderer war das deutlich zu wenig. Das enge Korsett des TV-Duells hat zu 90 Minuten Konsens-Soße geführt, ohne dass auch nur im Ansatz die Unterschiede zwischen Merkel und Steinmeier herausgearbeitet werden konnten.

Was ich nicht verstehe: auch wenn man im Vorfeld so ein TV-Duell gemeinsam bespricht, warum haut dann Steinmeier nicht mal auf den TIsch, um wichtige Punkte zu machen? Mir wäre Redezeit oder Abfolge von Moderatoren-Fragen ziemlich egal, wenn es darum geht, die eigene Politik deutlich und offensiv zu verkaufen. Es ist gut und schön, wenn man staatsmännisch agiert, aber es ist Wahlkampf, da darf man gerne auch mal die Samthandschuhe ausziehen und deutlich machen, wofür man steht und wo die Defizite des Gegners liegen. Da haben dann die Zuschauer auch Spaß dran und im Idealfall werden diese Themen dann die nächsten zwei Wochen noch angeregt diskutiert. Merkel hat mit ihrer Wahlkampfverweigerung mit ihrem Teflon-Umhang dafür gesorgt, daß Themen an ihr abprallen und die Wähler eingelullt werden. Gestern hätte Steinmeier die Gelegenheit gehabt, ihr den Umhang abzunehmen, aber das ist leider nur in Ansätzen geglückt. Die offene Flanke war da, denn Frau Merkel gibt sich gerade mal nicht marktradikal, was sich im Hinblick auf ihre Wunschkoalition schwarz-gelb sicherlich zügig ändern wird.

Mein Fazit zum TV-Duell: leichte Vorteile für Steinmeier, aber jede mögliche Kontroverse wurde duch das Konsens-Setup sofort beendet.

4 responses to Das Konsens-Duell

  1. Ich fand es auch recht langweilig – aber: Steinmeier hätte wohl nicht wesentlich stärker angreifen dürfen, sonst wäre er als zu aggressiv rübergekommen (und ihm verzeiht man das vermutlich nicht so wie Schröder). Gerade in solch einem Duell geht man da vermutlich eher etwas vorsichtiger an die Sache.
    Was mich auch total genervt hat, waren die ModeratorInnen – Illner ließ nicht ausreden und Plasberg hat wieder seine Selbstdarsteller-Show abgezogen … auf die Frage, ob Ulla Schmidt im Dienstwagen angemessen über soziale Unterschiede im Gesundheitssystem urteilen kann, hätte ich ihn gerne man nach seinem Auto und seinem Gehalt gefragt und warum er sich als „Anwalt der kleinen Leute“ aufspielen darf …

  2. also, wenn jemand etwas wirklich will, dann darf er auch aggressiv rüberkommen IMHO.

  3. Mir hat Frank-Walter besser gefallen. Er hat visionen. Sein Problem hat aber drei Buchstaben S P D.

    Ich werden aller voraussicht die FDP wählen, damit die Bürgerrechte gestärkt werden.

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  1. reydt.net - 14.09.2009

    Großkoalitionäre Soße im TV-Duell…

    Eigentlich hatte ich mir für diesen Artikel vorgenommen ein wenig ausufernder zu schreiben um meine Kritik am gestrigen TV Duell darzulegen. Nico Lumma ist mir an dieser Stelle zuvor gekommen, und beschreibt ziemlich gut was auch mir an diesem “…