27. September 2009

Blick nach vorn im Zorn

Hinterher weiß man immer alles besser und der Frust über das Abschneiden meiner Partei ist groß. Franz Müntefering hat mal gesagt “Opposition ist Mist”, aber ich finde, daß “Juniorpartner ist Mist” mindestens genau so stark zutrifft. Die SPD hat in der Großen Koalition durchaus gute Politik machen, diese aber nur ansatzweise gut verkaufen können. Die Partei ging unter in der Großen Koalition. Der Elan aus 1998, verbunden mit dem Schritt in die Moderne mit rot-grün nach 100 Jahren schwarz-gelbem Mehltau, ist völlig verpufft.

Wie dramatisch die Lage ist, sieht man daran, daß während der grössten anzunehmenden Finanzkrise die konservativ-liberalen Deregulierer gewählt wurden, weil bundesweit so ziemlich 2 Mio SPD-Wähler zuhause geblieben sind. Die Mobilisierung hat nicht geklappt, es wurden nicht die geeigneten Themen gesetzt und die SPD wurde nicht als Korrektiv für schwarz-gelb wahrgenommen. Das ist sehr bitter, aber eben durchaus hausgemacht.

Die SPD muß jetzt einen tiefen personellen Schnitt machen und sich zügig neu aufstellen und vor allem wieder Themen finden, die zeigen, daß die SPD eine moderne Volkspartei ist, das Thema soziale Gerechtigkeit im Kern hat, aber einen eigenen Zukunftsentwurf entwickelt. Es muß wieder ein Aufbruch her!

Die Partei hat so einige Paradigmenwechsel noch nicht verstanden und gibt daher zu oft den Besitzstandswahrer, was insbesondere für junge Wähler wenig attraktiv ist. Die SPD muß das Thema Industriepolitik neu definieren, muß über das Thema Arbeit neu nachdenken, das bedingungslose Grundeinkommen auf die Agenda setzen, Schwerpunkte bei Bildung, Familie und Forschung bilden, das Internet und die Veränderungen auf Wirtschaft und Gesellschaft stärker in den Fokus nehmen, und all das mit Personal, das nicht den Charme eines Verwaltungssachbearbeiters versprüht. Ab jetzt muß Attacke im Vordergrund stehen, damit ein klares Profil wieder entstehen kann.

Im Klartext: Steinmeier sollte seinen Anspruch auf den Fraktionsvorsitz dringend überdenken und Müntefering bis zum Parteitag seine Nachfolge regeln. Für alle anderen gilt: gebt Stulle, es lohnt sich. Den Status Quo kann sich die Partei nicht erlauben, das sollten alle Mandatsträger begriffen haben. Es müssen jetzt dringend neue Köpfe und neue Themen präsentiert werden. Die alten sind verbraucht. Ein “Weiter so!” kann es nicht geben!

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Nico, meld' Dich doch mal, wenn Du in Berlin bist. Es gu00c3u00a4b da Dinge zu besprechen.

Zum Thema:
http://metalust.wordpress.com/2009/09/28/die-rechten-jagen-teil-1/

"Der Elan aus 1998, ..., ist vu00c3u00b6llig verpufft."

Schlimmer noch - die Versprechen aus 1998 sind in 11 Jahren Regierung ad absurdum gefu00c3u00bchrt, die Bewertung von Hartz4 hat man anderen u00c3u00bcberlassen und DIE LINKE schickt sich an die Rolle des rebellischen sozialen Gewissens zu u00c3u00bcbernehmen, so geschickt wildern sie in den Symbolen von Rot und Gru00c3u00bcn.

Auf der liberalen Seite steht schon jemand und der hat gerade die Wahlen gewonnen.

Fu00c3u00bcr mich hu00c3u00b6rt sich das nach einer Zwickmu00c3u00bchle an. Mit neuen Ku00c3u00b6pfen ist da imho nix zu machen, wenn diese auch noch Nahles und Kahrs heiu00c3u009fen, gruselt es mir sogar...

Ein Punkt: In Hamburg oder Berlin mag das anders sein. Aber in einen Flu00c3u00a4chenland kommt zum Engagement noch einiges an Fahrtkosten und -zeit hinzu. Wenn man nicht regelmu00c3u00a4ssig Kontakte bei Partei-Veranstaltungen in der Landeshauptstadt knu00c3u00bcpft, kann man seine Ideeen nie einbringen.

Im Prinzip mu00c3u00bcsste der ganze Parteiapperat sich u00c3u00a4ndern, Internet, Beteiligung von Nicht-Mitgliedern, transparente Gremien und Kommunikation. Wer meint, das wu00c3u00a4re mu00c3u00b6glich?

Anregungen von aussen? Die sind sich dem Ernst der Lage nicht bewusst. Vor Ort war halt die Bundespolitk schuld und nicht man selber. Wenn ich sehe, wie die SPD hier in der Kleinstadt zum Wahlkampf angetreten ist... Behu00c3u00a4big und fast schon arrogant. Wu00c3u00a4hrend andere Parteien durch Stehtische usw. eine kommunikative Atmo im Strassenwahlkampf versuchen, stehen die Sozis hinter langen Tapeziertischen. Umplakatieren? Unnu00c3u00b6tig der Kopf des Kandidaten langt, schu00c3u00b6n wetterfest eingepackt in Folie und an die Laterne gehu00c3u00a4ngt. Ergebnis: der belu00c3u00a4chelte und unerfahrene CDU-Kandidat hat mit einem engagierten Wahlkampf einen sicher geglaubten Wahlkreis geholt.

An der Basis wird erst umgedacht, wenn Bu00c3u00bcrgermeisterposten und Ratsmandate verloren gehen. Selbst die Landespartei redet das Debakel schu00c3u00b6n: Sie hu00c3u00a4tten fast die Hu00c3u00a4lfte der Direktmandate im Bundesland gewonnen... Kein Wort, dass die SPD 15% gegenu00c3u00bcber 2005 verloren hat.

Und das Engagement? Bis zum Delegierten zum Landes- oder gar Bundesparteitag ist ein langer Weg. Arbeitsgemeinschaften und Fachausschu00c3u00bcsse auf Landeseben gibt es weniger als in anderen Parteien. Wie man da rein kommt ist offen... Ich sehe nicht, wie man sich engagieren ku00c3u00b6nnte.

@Tim: umso wichtiger, dass sich die SPD damit beschu00c3u00a4ftigt, wie man sich fu00c3u00bcr neue Anregungen von auu00c3u009fen u00c3u00b6ffnet. Personaldiskussion helfen dagegen nicht weiter.

Ich habe sogar gestern Abend u00c3u00bcberlegt in die SPD einzutreten. Nach dem Motto jetzt erst recht. Aber dann habe ich an die u00c3u009c60-Garde im Ortsverband und Unterbezirk gedacht und die Beamten und u00c3u00b6ffentlich Bediensteten u00c3u009c50, die den Sozi-Laden vor Ort am Laufen halten und u00c3u0084mter und Mandate besetzen.

Dafu00c3u00bcr ist mir meine Zeit bei aller Liebe doch zu schade.

Ich gestehe offen: Ich bin kein SPDler, und kenne daher die Strukturen in der SPD nicht, aber ich bin fasziniert, u00c3u00bcber eine Formulierung in dem Artikel: Mu00c3u00bcnte soll seine Nachfolge regeln --- sollten nicht die Mitglieder der SPD das tun, durch Kandidatur und Abstimmung? Die Formulierung klingt ja eher nach politischer Erbfolge, der Ku00c3u00b6nig entscheidet, wer Ku00c3u00b6nig nach ihm sein soll.

Jetzt wu00c3u00a4re die Chance fu00c3u00bcr einen Neuanfang. Sonst war es das mit der Volkspartei. Dazu passt ja jetzt die Werbung von Conrad prima: "Juhu, endliche Freizeit" fu00c3u00bcr Steinmeier.

Ack!

Wg. Agenda 2010 ausgetreten und WASG mitbegru00c3u00bcndet. Wg. Zusammenschluss mit PDS bei den Linken ausgetreten. Jetzt gibt es eine Chance, wieder mit Freude und Elan in der SPD mitzumachen. Man ist schlieu00c3u009flich Sozialdemokrat.

Matten

Steinmeier, Mu00c3u00bcnte + Nahles wu00c3u00a4ren nur mehr des Selben.

Da muu00c3u009f wohl eine hauseigene Revolte her, denn die die SPD runtergerockt haben, merken das ja nicht. Bin auch nicht sicher, ob sie bei 18% im Jahr 2013 aufwachen oder Mu00c3u00bcnte sich dann gern wieder zur Verfu00c3u00bcgung stellt und Steinmeier weiter "Verantwortung u00c3u00bcbernehmen" will, vielleicht als Junior-Partner der FDP?

Steinmeiers Anspruch auf das Hu00c3u00a4uflein von 140+ ist nicht das letzte Wort, denke ich. Warten wir mal den Dienstag ab, wenn die Fraktion sich das erste Mal trifft. Dann sieht man auch, wer noch dabei ist. Vielleicht auch nicht ganz unwichtig fu00c3u00bcr die Wahl.

ja, in der tat. dienstag wird es eine aussprache geben und mittwoch dann die wahl.

Nehmen wir es als neue Chance uns auf unsere Grundwerte zu besinnen und dann mit voller Kraft voraus ! Glu00c3u00bcck auf ;)

Die alte Tante SPD ist eben vor allem eines: Eine alte Tante. Ihr sind mal eben Mitglieder, Wu00c3u00a4hler und Zielgruppe abhanden gekommen. Industriearbeiter, wo seit ihr geblieben - chinesische Wanderarbeiter wu00c3u00bcrden ja SPD wu00c3u00a4hlen, wenn sie du00c3u00bcrften. Und der moderne Mittelstand? Den vertreten die bu00c3u00bcrgerlichen Parteien FDP, Gru00c3u00bcne und Piratenpartei.
Dumm gelaufen, alte Tante....

du hast bestimmt irgendwo meine handynummer :)

daru00c3u00bcber wu00c3u00bcrde ich mich gerne mit Dir austauschen

Tja, Nico, wu00c3u00a4rest Du bereit Deinen Teil z.B. bezogen auf Netzpolitik aktiv beizutragen?

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