04. Oktober 2009

Die überflüssige Tabubruch-Diskussion

Die SPD hat sicherliche viele Diskussionen, die dringend zu führen sind. Aber eine Diskussion ist so überflüssig wie eine schwarz-gelbe Koalition: die Diskussion über den Umgang mit der Linkspartei.

Die SPD macht beim Umgang mit der Linkspartei einige grundsätzliche Fehler:
1. Die SPD geht, ähnlich wie bei den Grünen in den 80ern, davon aus, daß die Wähler der Linkspartei eigentlich der SPD gehören, man diese aber wiederholen könne, wenn man zeige, daß die Linkspartei nicht regierungsfähig ist. Die SPD sieht die Linkspartei und ihre Wähler immer noch als Abtrünnige, mit denen man nichts zu tun haben darf.

2. Weiterhin will man mit einigen handelnden Personen nichts zu tun haben, entweder wegen Stasi-, SED- oder SPD-Vergangenheit, oder wegen persönlicher Animositäten. Hier wird völlig negiert, daß Teile der Bevölkerung keinerlei Animositäten gegenüber dieser Partei und diesen Personen hegt und diese auch noch gewählt hat. Das sollte man respektieren.

3. Die SPD lässt sich die Diskussion um den Umgang mit der Linkspartei seit Jahren von extern aufdrücken und glaubt irgendwann selber, daß dieses ein Thema sei. Als Partei sollte man die Themen selber setzen und sich nicht eine Diskussion von außen aufdrücken lassen.

Die Linkspartei ist nichts weiter als eine weitere Partei im deutschen Parteiensystem, mit der die SPD um die Wähler konkurriert. Wir haben keinen Anspruch auf diese Wähler, wir sollten uns aber natürlich versuchen, eine wählbare Alternative bei der nächsten Wahl darzustellen. Wir müssen aber vor allem darauf achten, daß wir unser Profil schärfen und möglichst viel von unserem Programm bei Koalitionsverhandlungen durchgesetzt bekommen. Es ist völlig absurd, daß jedes Mal vor den Wahlkampf die Debatte um die möglichen Koalitionen einsetzt und Protagonisten der Partei damit anfangen, mögliche Optionen zu verbauen. Es geht um die eigene Partei und die Inhalte, die bei einer möglichen Regierungsbeteiligung durchgesetzt werden können. Es gibt sowohl mit der Union, der FDP, den Grünen als auch der Linkspartei Übereinstimmungen bei Themen und sicherlich auch Personen, mit denen man sich die Zusammenarbeit vorstellen kann. Dieser Prozess sollte erst nach der Wahl einsetzen und dann für das bestmöglichste Koalitionsergebnis sorgen. In Thüringen sieht es so aus, als ob dieser Prozeß nun nicht dafür sorgt, daß keine Koalition mit der Linkspartei erfolgen wird.

Gut, das Thema Koalition ist auf Bundeseben derzeit eh nicht drängend, aber wenn ich Schlagzeilen vom Tabubruch lese, dann frage ich mich echt, ob es keine drängenderen Themen gibt als die knapp 20 Jahre andauernde Diskussion um den Umgang mit der SED-Nachfolgepartei. Diese Diskussion lenkt nur ab von den Inhalten und Inhalte müssen im Vordergrund stehen, insbesondere beim Thema Koalition. Die Diskussion über den Tabubruch ist aber natürlich deswegen so spannend, weil die SPD seit 20 Jahren keine klare Position hinbekommt und immer wieder schön von Union und FDP vorgeführt wird. Pragmatismus ist eine feine Sache, sie stünde der SPD bei der Diskussion um die Linkspartei echt gut. Die BILD sollte allerdings nicht als Taktgeber für den Umgang mit anderen Parteien gelten, da muß die SPD eine eigene Position definieren und diese offensiv umsetzen.

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Deinen Ansatz halte ich fu00c3u00bcr zielfu00c3u00bchrend. Doch glaube ich nicht, dass die Annahme, die Diskussion ku00c3u00a4me von auu00c3u009fen hereingedru00c3u00bcckt, zutrifft. Eher stimmt, dass es einflussreiche Seeheimer-"Kreise" und Strategen innerparteilich gibt, die diese ku00c3u00bcnstliche Abgrenzung zum Glaubensinhalt zu00c3u00a4hlen. Auf Biegen und Brechen wird das verteidigt, siehe Hessen.

Empfehlenswert ist auch die aktuelle Presse einzubeziehen:
1. http://www.sueddeutsche.de/politik/769/490149/text/ Kommentar SZ
2. http://www.sueddeutsche.de/politik/603/489984/text/ Der Traum vom Putsch (Thu00c3u00bcringen)
3. http://www.taz.de/1/debatte/kommentar/artikel/1/verachtung-fuer-die-eigene-basis/

"die knapp 20 Jahre andauernde Diskussion um den Umgang mit der SED-Nachfolgepartei"

"Die Linke" ist rechtlich gesehen gar keine Nachfolgepartei. Die SED wurde 1989 in "SED-PDS" umbenannt, die SED-PDS 1990 in "PDS", die PDS 2005 in "Die Linkspartei.PDS", 2007 trat die WASG dann dieser Partei bei und selbige wurde in "Die Linke" umbenannt. Die haben immer nur das Klingelschild ausgetauscht.

Gestern war der Tag der deutschen Einheit. 20 Jahre...Bis vor 20 Jahren waren wir Sozialdemokraten die, die sich am weitesten links bewegt haben. Bis vor 20 Jahren war der Schritt zum Sozialismus, zum Kommunismus und zur sozialistischen Gleichmacherei und Planwirtschaft durch eine Mauer mit Todesstreifen und Nachrichtensperren von uns getrennt. Mit dem Fall der Mauer ist auch die Grenze in den Ku00c3u00b6pfen gefallen, die Sozialismus und Kommunismus verdammt haben. In ganz Europa ist inzwischen immer wieder zu hu00c3u00b6ren und in Wahlergebnissen zu sehen, dass der Zusammenbruch des Kommunismus bei den Menschen ein Umdenken ausgelu00c3u00b6st hat. Der Kapitalismus hat u00c3u00bcberlebt und auch die gru00c3u00b6u00c3u009fte Wirtschaftskrise der Nachkriegszeit scheint daran nicht wirklich etwas zu u00c3u00a4ndern. Auf der Strecke bleiben dabei die, die immer daran geglaubt haben, dass Sozialismus funktioniert.
Das heute links neben der SPD eine Partei angesiedelt und inzwischen wohl auch weitgehend etabliert ist, liegt nicht daran, dass die SPD nicht weit genug links ist, sondern daran, dass mit dem Zusammenbruch von Kommunismus und DDR eine grou00c3u009fe Masse Menschen in unser System gekommen ist, fu00c3u00bcr die Sozialismus eine Selbstverstu00c3u00a4ndlichkeit war. Menschen die in unserem System nicht klar kommen und die gar nicht verstehen wollen, warum wir das verteufeln was fu00c3u00bcr sie doch 40 Jahre lang weit gehen gut war.
Mir scheint, unsere SPD Fu00c3u00bchrungsriege muss endlich anfangen auch die anderen Blickwinkel einzunehmen, denn nur was man versteht kann man beantworten. Die wahlberechtigten Bu00c3u00bcrger dieser Republik sind eben seit 20 Jahren auch ehemalige DDR Bu00c3u00bcrger und fu00c3u00bcr die ist soziale Demokratie eben nicht sozial genug.
Ich selber will nicht mit der Linkspartei konkurrieren mu00c3u00bcssen. Ich wu00c3u00bcnsche mir, dass wir uns als Sozialdemokraten das Vertrauen derer zuru00c3u00bcck gewinnen, die gar nicht mehr wu00c3u00a4hlen gehen, weil sie sich durch gar keine Partei mehr vertreten sehen und das sind keine Linken.

Die SPD wird bis zur nu00c3u00a4chsten BTW nicht umhin kommen, sich sachlich mit den "Linken" auseinanderzusetzen. Dennoch darf man die Erinnerung daran, dass sich die Linken zu einem nicht zu unterschu00c3u00a4tzenden Teil aus ehemaligen SEDlern und gestrauchelten Kommunisten zusammensetzen, mahnend aufrecht erhalten.

Die SPD sollte Bru00c3u00bccken schlagen zu ihren Nachbarn auf der Oppositionsbank. Sie sollte aber ihre eigene Position und ihr Profil eindeutig herausarbeiten und offensiv vorantreiben.

Sie sollte jetzt nicht wieder ins taktische Geplu00c3u00a4nkel verfallen wie in den vergangenen Jahren, sondern sie braucht eine klare und selbstbewusste Strategie fu00c3u00bcr die nu00c3u00a4chste Zeit. Das schu00c3u00b6ne ist, sie kann das vu00c3u00b6llig befreit tun.

Die Basis hat am 27. September 2009 gesprochen. jetzt sollte der Apparat auch zuhu00c3u00b6ren. Sonst fliegt er denen um die Ohren.

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