06. Oktober 2009

Seit wann sind 78% mager?

Als ich heute morgen SpOn aufgeschlagen hatte, las ich Dämpfer für Gabriel und Nahles: SPD verpatzt den Neustart – die These wurde wie folgt erläutert:

So hatte sich die SPD-Führung den Neustart in der Opposition nicht vorgestellt. Magere 78 Prozent für den designierten Parteichef Gabriel, blamable Ergebnisse für Nahles und Wowereit – die Nominierung der neuen Spitze wurde zur Strafaktion. Im Vorstand kam es zu minutenlangen Wortgefechten.

Das ist doch blanker Unsinn. Was ist denn an 78 Prozent mager?

Ich finde es völlig ok, wenn nach einer derartigen Wahlpleite eine Diskussion im SPD-Vorstand und -Präsidium geführt wird und man sich auf einige Personen verständigen kann. Da darf und muß es auch abweichende Meinungen geben können. Hätte es um die 100% Zustimmung gegeben, wäre die Kritik gewesen: “SED-ähnliche Zustände” – also was bitte erwartet der SpOn-Autor?

Ich erwarte von der Parteiführung, daß sie sich die Neubesetzung der Spitze nicht einfach macht und daß sie durchaus eine Diskussion über die zukünftige Ausrichtung führt. Diese Diskussion fängt gerade erst an und sie wird auch mit der Wahl des Bundesvorsitzenden beim nächsten Parteitag nicht beendet sein. Aber diese Diskussion ist bitter nötig und da darf es auch gerne mal andere Meinungen geben. Schlimm wäre es gewesen, wenn die Zustimmung bei 22% gelegen hätte, aber 78% sind doch sehr ehrlich und spiegeln sicherlich auch die Stimmung innerhalb der Partei wider, denn Euphorie herrscht noch nicht, aber das kann ja noch kommen.

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Du hast zwar objektiv betrachtet recht, aber als Partei kann ich mich u00c3u00bcber eine solche Berichterstattung nicht beschweren. Wer mit einem Werkzeug wie dem "Fraktionszwang" arbeitet und generell der Meinung ist, dass abweichende Stimmen innerhalb einer Partei schu00c3u00a4dlich sind und wer auf Parteitagen immer SED-Ergebnisse anstrebt, der darf sich nicht wundern, wenn ihm ein Ergebnis wie 78% um die Ohren gehauen wird.

Den Mau00c3u009fstab 90+ haben sich Parteien wie die SPD selbst gewu00c3u00a4hlt, also werden sie auch an ihm gemessen. Wenn du 78% genauso wie ich fu00c3u00bcr ein normales, sogar gutes Ergebnis hu00c3u00a4ltst, dann ku00c3u00a4mpfe bitte auch gegen den Einheitlichkeitsdruck an anderen Stellen, insbesondere gegen den grundgesetzwidrigen Fraktionszwang.

Ach Leute,
Nico hat vu00c3u00b6llig recht. Angesichts der tatsu00c3u00a4chlichen parteiinternen heftigen Diskussionen u00c3u00bcber den oder die Kandidaten/innen, sind annu00c3u00a4hernd 80% super. Sie sind auch ein Signal fu00c3u00bcr das Bemu00c3u00bchen um Geschlossenheit trotz erheblicher Vorbehalte.
Im u00c3u009cbrigen: Die eigentlichen Wahlen mu00c3u00bcssen alle noch bestehen.
In der SPD gehen komplexe zirkulu00c3u00a4re Prozesse ab, auch deshalb greift die altbackene linear-kausale SpOn Kritik nicht.
Der Prozess der Erneuerung hat noch nicht richtig angefangen, die Partei ist noch nicht mal mittendrin, sie muss den "dritten Weg" erst lostreten und der lautet weder Links noch Rechts, sondern GERADEAUS.
Dann wird sie auch wieder gewu00c3u00a4hlt.

Also fu00c3u00bcr ein Vorstandsergebnis ist es vielleicht nicht mager (das beginnt in meinen Augen dann jenseits von 70 %), aber es ist durchwachsen und ein Zeichen dafu00c3u00bcr, dass der nu00c3u00a4here Vorstand, der ja schon ein sehr eingedampftes Fu00c3u00bchrungsteam ist und mit u00c3u00bcblichen Meinungsverschnitten, wie sie an der Basis vielleicht u00c3u00bcblich sind, nichts zu tun hat, so seine Probleme mit der Personalie hat. u00c3u009cblicherweise sind Vorstandsbeschlu00c3u00bcsse Alles-oder-nichts-Entscheidungen, alles andere wu00c3u00bcrde ein Bild darstellen, dass die Richtungskompetenz eines Vorstandes eher konterkariert. Man geht daher als Vorstand eher den Weg, das Pferd von hinten aufzusatteln, damit ein Vorstandsbeschluss mu00c3u00b6glichst mit einem hochprozentigen Ergebnis abgesegnet werden kann.

Erheblich plastischer wird das, wenn man das Vorstandsergebnis nicht nach Prozent, sondern nach Stimmenzahl auswertet und da wollten eben nur 28 Vorstu00c3u00a4ndler Gabriel als Parteivorsitzender. Vier wollten ihn nicht und vier haben sich ihrer Stimme enthalten.

Im u00c3u00bcbrigen halte ich relativ wenig davon, wenn die Basis solche eher launischen Wahlergebnisse ihres Bundesvorstandes so entschuldigt, wie du es tust. Was keinem neuen Parteivorstand gut tut, ist Vertrauensvorschuss durch Relativierung des ersten Wahlergebnisses, das noch nicht mal eine entscheidende Wahl darstellt. Gabriels wirkliche Wahl ist erst auf dem kommenden Bundesparteitag und da wu00c3u00a4re so ein Ergebnis wie die 78 % schon eher zu erwarten und auch eher zu entschuldigen, zumindest fu00c3u00bcr seine erste Wahl zum Parteivorsitzenden.

Was weiu00c3u009f ich. Tradition? Wunsch nach Geschlossenheit?

aber warum muss eine deutliche mehrheit einen schlechten eindruck machen?

Ach komm. Bei solchen Wahlen erreicht "man" 85%, besser u00c3u00bcber 90. Alles andere macht in der u00c3u0096ffentlichkeit einen schlechten Eindruck. Die Interpretation "mager" kannst Du SpOn nicht vorwerfen. Das kann die SPD von innen ja anders sehen.

ich wu00c3u00bcrde sagen, mager ist das nicht... es ist zwar kein wirklich gutes ergebnis, aber doch im oberen bereich von befriedigend....

und was soll schon mehr zu erwarten sein... wu00c3u00a4re ja auch etwas seltsam wenn jetzt alle hell vor begeisterung durch den saal hu00c3u00bcpfen....

was ist daran mager? du musst nicht einfach reflexartig dagegen sein.

78 % sind objektiv gesehen mager. Daru00c3u00bcber kann auch Sigmars Leibesfu00c3u00bclle nicht hinwegtu00c3u00a4uschen. Mag sein, dass man das in der SPD angesichts der desolaten Lage subjektiv anders sieht. Aber diesen Mau00c3u009fstab muss sich SpOn ja nicht zu eigen machen.

Ich stimme dir zu. 78% sind nicht mager. Mager hingegen ist, die Besetzung u00c3u00bcber die abgestimmt wurde. So wird das nichts mit der Erneuerung liebe SPD.

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  1. [...] Ergebnis ein gutes Zeichen für das Löcken wider die Spitze. (Wenn Nico Lumma fragt, warum 78 % schlecht seien, ist das auch ein gutes Zeichen: Der Spin von der Notwendigkeit der sozialistischen [...]