Was erlauben ARD?

Das Jahr 2009 klingt aus mit dem Backlash der Printfetischisten, erst das Leistungsschutzrecht für Verlage und jetzt: iPhone-Anwendung: Staatsminister lehnt gratis “Tagesschau”-App ab . Weil angeblich neue Geschäftsmodelle privater Anbieter gefährdet seien, lehnt Kulturstaatsminister Bernd Neumann (CDU) die von der ARD geplante iPhone-App ab. Überraschen tut mich das nicht, aber glauben mag ich es dennoch nicht.

Ich habe sicherlich in diesem Jahr die Tagesschau keine fünf Mal um 20 Uhr gesehen, auch die Tagesthemen nicht, von der heute-Sendung um 19 Uhr oder dem heute-journal will ich gar nicht erst reden. Aber online gucke ich die Nachrichtensendungen, oder die für mich relevanten Teile, durchaus häufig, natürlich insbesondere dann, wenn mein soziales Umfeld Beiträge verlinkt. Eine iPhone-App würde durchaus dazu führen, daß ich meine Sehgewohnheiten in Richtung iPhone und damit einer mobilen Nutzung verlagern würde. Man könnte meinen, daß damit dem öffentlich-rechtlichen Anspruch einer Grundversorgung Rechnung getragen werden würde. Die Medienlandschaft hat sich verändert und die ARD tut gut daran, sich an die veränderten Rezeptionsgewohnheiten zu gewöhnen. Sicher, Verlage, die sich mittlerweile Medienhäuser nennen und ebenfalls im Bewegtbildsegment im Internet einen Teil ihrer Zukunft sehen, finden dies nicht so prickelnd, aber das sind nunmal die Marktbedingungen. Aus Sicht eines Gebührenzahlers finde ich, daß die ARD ihrem Auftrag nachkommen sollte, und dazu gehören mittlerweile sicherlich auch Apps, facebook-Präsenzen oder ähnliches.

Ich halte es allerdings für generell sinnvoll, über das Thema GEZ und öffentlich-rechtliche Grundversorgungen einmal ausführlicher zu diskutieren, denn die ständigen Versuche, die öffentlich-rechtlichen Sender bei der Verbreitung ihres Angebots über das Internet beschränken zu wollen, lassen darauf schließen, daß hier Klärungsbedarf besteht. Fernsehen wird sich noch mehr ins Internet bewegen, hier gesondert über mobile Anwendungen zu diskutieren, finde ich wenig zielführend. Die Lobby-Kanonen der Printbranche sind in Position gebracht für 2010 und die Union lässt sich mühelos von den ersten Salven beeindrucken.

10 Antworten auf „Was erlauben ARD?“

  1. Mit dem letzten Absatz hast Du einen wichtigen bzw den wichtigsten Punkt genannt. Es sollte weniger darum gehen, der ARD eine Tagesschau-App pauschal anzukreiden, sondern mehr darum, diesen GEZ-Dinosaurier abzuschaffen. Das Gebührenmodell wird der heutigen Zeit und den Sehgewohnheiten nicht mal mehr im Ansatz gerecht und gehört abgeschafft bzw reformiert. Dann würden auch automatisch die Kritiken aus den “Medienhäusern” verstummen, denke ich…

  2. @Nico: Der Auftrag beschränkt sich schon seit Jahren nicht mehr allein auf Grundversorgung, sondern auf Vollprogramm inkl. Brot und Spielen. Das Argument “Grundversorgung” ist eine beliebte Nebelkerze einschlägig interessierter Lobbyisten ;)

    @Casi: Wo genau wird das Gebührenmodell deiner Meinung nach wem nicht gerecht? Findest du, dass alle zahlen sollen? Auch die Internetzler? Oder nur die, die tatsächlich nocht öffentlich-rechtlichen Rundfunk schauen? Welche Reform schwebt dir vor? Eine allgemeine Medienabgaben? PayTV auf PPV-Basis?

  3. Sich ausgerechnet auf die App der “Tagesschau” einzuschießen, halte ich auch für völlig verfehlt.

    Ganz richtig: Das Fernsehen wird immer mehr im Internet stattfinden. Jeder Anbieter von Medieninhalten sollte das volle Spektrum (soweit aus seiner Sicht sinnvoll) anbieten können, von diesen Beschränkungen halte ich nichts.

    Richtig wäre – aber welcher Politiker würde sich das trauen? – das Modell des öffentlich-rechtlichen Rundfunks generell infrage zu stellen. Das muss nicht gleich auf eine Abschaffung hinauslaufen, obwohl ich der Meinung bin, dass diese Diskussion ohne Tabus geführt werden sollte.

    Je mehr die Grenzen der Mediengattungen verschwinden, werden die über zwangsweise (ich bitte das nicht negativ wertend zu verstehen) erhobenen Gebühren finanzierten Anbieter zum Problem für die privat finanzierten Anbieter.

    Gäbe es das (von mir durchaus geschätzte) große Informationsangebot von ARD und ZDF nicht, könnte ein Sender wie N24 Marktanteile erreichen, die den Betrieb eines Nachrichtensenders profitabel machen würden.

    Schlimm genug, wie schwer es qualitativ hochwertiges Privatfernsehen (und Radio) dadurch immer hatte. Doch nun werden die öffentlich-rechtlichen Anbieter mehr und mehr zum Problem für die Zeitungsverlage.

  4. Die App heute wird morgen den Grund dafür liefern, daß man sein Mobiltelefon bei der GEZ anmelden muß.

    Und weil das zu einer weiter sinkenden Akzeptanz der GEZ Gebühren führen wird, wird sie ein Wegbereiter der Haushaltsabgabe werden.

    Genau die scheinst Du auch zu meinen wenn Du schreibst es wäre ‘über das Thema GEZ und öffentlich-rechtliche Grundversorgungen einmal ausführlicher zu diskutieren’.

    Ich bin davon nicht begeistert. Mir ist das alles jetzt schon zu viel. Jeder Sender einen eigenen Internetauftritt. Jedes Radioprogramm noch einmal als Stream; vielleicht – wie bei MDR-Sputnik – auch gleich vier Radiostreams! Jeder Beitrag noch mal als Podcast. Von Rote Rosen und zdf_neo gar nicht zu reden!

    Aber die Gebühren werden unter der Führung von Kurt Beck steigen und bleiben so beliebt wie die SPD.

    Und, das gebe ich gerne zu, mich nervt der iPhone Hype.Es gibt wirklich keinen Grund, daß die ARD auf diesen Zug nun auch noch aufspringen muß.

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