Avatar: viel 3D, wenig Story

Nico —  30.12.2009

Irgendwie habe ich es geschafft, den ganzen Rummel um Avatar ignoriert zu bekommen, war dann aber dennoch gestern abend im Kino, um mir den Streifen anzugucken. 3D-Kino klingt immer so nach Freizeitpark der 80er Jahre, wo man dann irgendeinen Film mit einer Achterbahnfahrt gesehen hat, für den man 30 Minuten anstehen musste und der dann 5 Minuten dauerte, aber alle waren begeistert. So auch gestern abend, als der Hinweis auf der Leinwand kam, dass man nun die 3D-Brillen aufsetzen müsse. Schon bei den in 3D gezeigten Trailer wurde mir klar, daß 3D-Filme etwas advancedter sein könnten als die zweiteilige Serie Wenn die Fernsehbilder plastisch werden, die 1982 im 3. Programm des NDR ausgestrahlt wurde und bei mir für null 3D-Erlebnis gesorgt hatte.

Nach den Trailern startete dann Avatar und die Bilder sind schon beeindruckend. Man fühlt sich oftmals hineingezogen und spürt eine viel größere Nähe als bei einem herkömmlichen Film. Aber nach ca. 30 Minuten war dieser Neuheits-Effekt verpufft und es wurde zunehmend klar, daß die extrem dünne Handlung, die Pocahontas komplex erscheinen lässt, nur der Rahmen ist für eine wilde 3D-Effekthascherei und eine ordentliche Baller-Orgie. Technisch gesehen ist Avatar sicherlich ein Meilenstein, aber das extrem plumpe Storytelling lässt dann doch einen faden Beigeschmack zurück. Mein Fazit direkt nach dem Film war daher auch: Avatar ist auch nur „der mit dem Wolf tanzt“ mit anderen Mitteln.

3 responses to Avatar: viel 3D, wenig Story

  1. Buhh!!!

    Schade, dass Du verlernt hast, „mit Kinderaugen“ zu schauen :-)

    Was spielt es denn für eine Rolle, dass der Plot „nicht neu“ ist? Die großartigsten Geschichten sind immer wieder die gleichen – weil auch die wirklichen Probleme und die tiefen Fragen der Menschen universal sind.

    Und dabei gibt es eine ganze Reihe interessanter und neuer Ideen.
    – Die Analogie der Vernetzung z.B. ist schön umgesetzt. Esoterik meets Biotech!
    – Die Liebe zum Detail ist extraordinär. So etwas gab es noch nie!
    – Die Gestaltung der Lebewesen ist super kreativ, neu und einfach nur schön!

    In einem hast Du recht: Avatar ist sicherlich kein Meilenstein der Erzählkunst. Das würde ich auch für verschenkt halten. Diese Kunst gibt es ja seit tausenden Jahren und die braucht nur Worte – gesprochene oder geschreibene. Aber ich finde es unter Wert zu sagen, der Film sei „nur“ technisch ein Meilenstein. Die Technik ist ja nur die Grundlage, um eine durchaus gute Story visuell, emotional und „sensitiv“ in eine ganze neue Dimension zu heben. Reicht das nicht für einen schlichtweg „sensationellen Film“?

  2. Stimme Mirko zu: Man muss diesen Film mit den Augen eines Kindes sehen. Auch und gerade die Handlung betreffend.

    Auf der anderen Seite hat sich niemand über die Handlung bei „Der mit dem Wolf tanzt“ beschwert.

    Mir persönlich hat dieser Film noch einmal deutlich gemacht, dass dieses sorglose Leben, in dem wir uns nur auf uns selbst fokussieren, uns irgendwann einholen wird.

  3. ich finde es schade, wenn ein mega-budget verballert wird, aber dann die story extrem platt ist. da hätten die figuren durchaus mehr tiefgang haben können, schliesslich hat der schinken eh schon lange gedauert und man hätte sich einige der ewig langen, aber sicherlich sehr eindrucksvollen im-wald-rumlatsch-szenen sparen können, denn sie haben die story kaum weiterentwickelt, sondern „nur“ eindrucksvolle bilder geliefert.