Moderne Zeiten: Alltagsmeldungen von Freunden

Sebastian Dalkowski schreibt über Moderne Zeiten: Twitter und das Thema „Warum Menschen denken, ihr Leben sei ständig 140 Zeichen wert“:

Es ist nur so: Die wenigsten twittern Bilder von notgelandeten Flugzeugen oder verabreden sich im Iran zu Demonstrationen. Die meisten schreiben bloß, was sie gerade tun, denken und entdeckt haben und halten das für so wichtig, dass andere unbedingt davon erfahren müssen. Weil sie aber zwischen Latte-Macchiato-Trinken und „das nächste Projekt planen“ kaum Zeit haben für durchdachte Äußerungen, kommt ihnen die Beschränkung auf 140 Zeichen gerade Recht. Und sollte ein anderer Nutzer den Beitrag tatsächlich retweeten, also mit Verweis auf den Urheber selbst twittern, fühlen sie sich wie die 17-Jährige aus Emden, die Dieter Bohlen für den Recall zulässt.

Die DDR brauchte wenigstens noch die Stasi, um an belanglose Informationen zu kommen. Heute muss man die Menschen einfach nur lange genug sich selbst überlassen.

Der Autor übersieht allerdings ein wesentliches Merkmal der Kommunikation auf Twitter (und auch in anderen sozialen Netzwerken): es wird Kommunikation verschriftlicht, die traditionell eher verbal funktioniert hat. Also Gespräche zwischen Freunden, Bekannten, Nachbarn, am Stammtisch, etc. werden jetzt verlagert auf soziale Netzwerke und ziehen ihre Kraft vor allem daraus, dass sich die Leute kennen. Was einem neutralen Betrachter als belanglos erscheinen mag, finden die Follower u.U. total spannend, oder ebenso belanglos, aber es dürfte nahezu jedem schon mal passiert sein, dass er etwas erzählt hatte, bei dem die Zuhörer eher nur desinteressiert mit der Schulter zuckten.

Wenn man diesen Artikel liest, hat man den Eindruck, daß der Autor sich und seine Art der Nutzung von Online-Kommunikation für viel besser hält, während Twitter ein See der Belanglosigkeit für ihn darstellt. Damit hat er Twitter im Kern nicht verstanden.

5 Antworten auf „Moderne Zeiten: Alltagsmeldungen von Freunden“

  1. Erst wenn sie aufhören herumzumaulen, haben sie das Prinzip Mikrogequatsche verstanden. Früher war ich diesbezüglich bemüht zu erklären, heute empfehle ich nur noch die Nutzung und wende mich ab. Knallhart, aber fair.

  2. Der Artikel ist der übliche Müll mit dem üblichen Nullargument. Man kann nicht oft genug wiederholen: Das Medium kann nichts für den Inhalt. Auch im Fernsehen gibt es gute Sender, auf auf Blogs gibt es den letzten Dreck und auch in 140 Zeichen entstehen meiner Erfahrung nach Accounts von literarischer Qualität, die alles andere tun als irgendwelche Belanglosigkeiten zu twittern. Die würde auch kein Schwein lesen wollen. Punkt.

  3. Das Stichwort lautet Aufmerksamkeitsökonomie und der saschalobo hat ja schon den Kaffetweet hinreichend gewürdigt. Dalkowski hat das auch verstanden, denn er hat mit einem belanglosen Artikel Aufmerksamkeit auf sich gezogen.

  4. Habe leider die Quelle vergessen, aber bei Stasivergleichen immer wieder gut:
    „Im Klo einschließen und im Klo eingeschlossen werden ist ein gravierender Unterschied“

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