22. Februar 2010

Gedanken zum Gesprächskreis Netzpolitik der SPD

In der SPD gibt es unzählige Gesprächs- und Arbeitskreise, aber die meisten davon bekommen weit weniger Aufmerksamkeit als der Gesprächskreis Netzpolitik der SPD, hervorgegangen aus dem sagenumwobenen Online-Beirat der SPD. Letzte Woche nun hat es nicht nur eine Einladung zum ersten Treffen des Gesprächskreise gegeben, dem ich auch angehören werde, sondern auch die Veröffentlichung der Liste aller Teilnehmer mit einer anschliessenden Aufforderung, weitere 3 Teilnehmer zu nominieren. Jörg-Olaf Schäfer hat dieses Verfahren im Beitrag AK Netzpolitik der SPD: Basisdemokratie nach Art des Hauses scharf kritisiert, nicht nur wegen der kürze der Nominierungsphase und weil auch schon die meisten Teilnehmer feststanden, sondern auch, weil er es nicht gut findet, wenn “Vertreter unabhängiger zivilgesellschaftliche Initiativen” sich an derartigen Gesprächskreisen beteiligen.

Tja. Da redet Sigmar Gabriel davon, daß die Partei wieder mehr zur Werkstatt werden solle und sich öffnen müsse, und wir lesen überall im Internetz, daß Parteien transparenter werden sollen, aber wenn es dann die SPD mit zaghaften Schritten tut, ist es auch wieder falsch.

Ich habe ein ganz anderes Problem mit der Zusammensetzung des Gesprächskreises. Weniger ist oftmals mehr. Ich finde die Runde viel zu groß. Die Mischung aus Politikern, Fachleuten und Netizens finde ich gut, aber mit 20 Leuten kann die Runde viel zu schnell zu einer Laberbude verkommen – zumal ich den Automatismus “Du warst im Online-Beirat – daher bist Du jetzt im GK Netzpolitik” auch nicht wirklich nachvollziehen kann. Ein Gesprächskreis beim Parteivorstand der SPD sollte sich auf ein paar Personen beschränken und nicht durch Masse beeindrucken. Idealerweise gibt es durch ein paar Personen Schnittstellen in die Partei herein, wie beispielsweise zur SPD Netzpolitik Gruppe. Die Forderung, der GK Netzpolitik müsse komplett basisdemokratisch bestimmt werden, halte ich allerdings auch für absurd und wenig zielführend, denn es geht doch primär beim Gesprächskreis Netzpolitik darum, wichtige Aspekte der Netzpolitik zu diskutieren und damit dem Parteivorstand der SPD Impulse für die politische Arbeit zu geben.

Mal sehen, wie die erste Sitzung nächste Woche wird und ob dann auch mal Impulse für eine inhaltliche Debatte entstehen und nicht nur über den Gesprächskreis selber diskutiert wird.

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Ich denke, der GK ist ein Anfang. Was dann draus wird, sieht man dann. Und der GK soll niemanden davon abhalten selbst zu diskutieren und u00c3u00bcber seinen OV, KV, LV Antru00c3u00a4ge einzubringen...

Den Gespru00c3u00a4chskreis vu00c3u00b6llig kaputt zu reden macht wenig Sinn. Aber die Kritik an dem Verfahren ist nachvollziehbar (Ku00c3u00bcrze, 3 von 20). Man hu00c3u00a4tte auch ohne grou00c3u009fe Probleme den 19. Mu00c3u00a4rz abwarten ku00c3u00b6nnen. Dort du00c3u00bcrfte ein grou00c3u009fer Teil der Aktiven auf dem Gebiet anwesend sein.

Dass der Eindruck entsteht, mit dem GK soll dem Parteitagsantrag genu00c3u00bcge getan werden, ist auch nicht von der Hand zu weisen. Ein GK, der sich aus ein breiteren Forum heraus gebildet hu00c3u00a4tte, wu00c3u00a4re meiner Meinung nach ein sinnvollerer Aufbau.

man kann durchaus unabhu00c3u00a4ngiges mitglied in einem gespru00c3u00a4chskreis sein.

Ich denke die Tatsache, dass A. Freude Mitglied ist, war weniger als Kritik an der SPD gemeint, als mehr an ihm, dass er angenommen hat anstatt sich unabhu00c3u00a4ngig zu halten. Zumindest habe ich den Beitrag so verstanden.

naja, Feigenblatt sieht eher nach Kritik an der SPD aus.

@Nico: Auch, ja. Ich war so frei und habe drei Punkte kritisiert:

1) Das Verfahren

18 feste Mitglieder sind von Bu00c3u00b6hning/Klingbeil gesetzt. 3 weitere du00c3u00bcrfen von der Netzbasis frei gewu00c3u00a4hlt werden. Zeitfenster fu00c3u00bcr Kandidatenvorschlu00c3u00a4ge: 3 Tage. Zeitfenster fu00c3u00bcr's anschlieu00c3u009fende "Voting": 2 1/2 Tage (1 1/2 gingen bereits verloren).

Das ist eine recht sportliche Vorgabe. Aber gut, die SPD ist ja auch eine dynamische Partei ,) Basisdemokratie stelle ich mir gleichwohl anders vor. Aber gut, ich bin auch kein Parteimitglied.

2) Das Feigenblatt

Im Vorfeld hieu00c3u009f es, dass man sich fu00c3u00bcr den Kreis auch externe Kritiker wu00c3u00bcnsche. Auch Alvar hat das am Telefon wohl so verstanden (Ich habe nachgefragt).

Ich stelle fest, dass bis auf Alvar Freude und Sascha Lobo (der der SPD bekanntlich durchaus nahesteht) alle zur Diskussion stehenden Kandidaten SPD-Mitglieder sind (bei 2 oder 3 der 45 derzeit bekannten Kandidaten bin ich nicht ganz sicher. Das mu00c3u00b6ge man mir nachsehen).

Das betrifft die 18 "festen Mitglieder", die weitgehend deckungsgleich mit dem alten Beirat sind, ebenso wie die 3 aus 27 frei wu00c3u00a4hlbaren Mitglieder.

Ich finde, man kann da angesichts von Alvars Berufung durchaus von einem Feigenblatt sprechen kann. Du nicht?

Punkt 3) ist Alvars Zusage

Ich bin der Meinung, dass eine Beratertu00c3u00a4tigkeit in einem parteinahe Gremium nicht mit der Unabhu00c3u00a4ngigkeit einer zivilgesellschaftlichen Initiative unvereinbar ist. Man kann anderer Meinung sein.

Und nein, ich bin nicht enttu00c3u00a4uscht. Ich hab's nur aufgeschrieben.

Ich bin ebenfalls kein SPD-Mitglied. Just for the Record.

Gruu00c3u009f,

Andreas

Hi Nico,

es ist ein seltsames Paradox: dass der Online-Beirat automatisch in den Gespru00c3u00a4chskreis Netzpolitik u00c3u00bcberfuhrt wurde, hat viele an der SPD-Basis und in den Blogs auch gestu00c3u00b6rt. Gerade Sascha Lobo wurde da viel kritisiert.

Aber natu00c3u00bcrlich gab es (fast) niemanden im Online-Beirat, der gesagt hat: "Nein, ich nehme nicht teil - da gibt es kompetentere als mich" ;-)

Die SPD-Leute vor Ort haben sich natu00c3u00bcrlich zu Recht beschwert, dass bei 3 von 20+ Leuten ihr Anteil ziemlich gering ist. Und ich persu00c3u00b6nlich finde, dass sich ziemlich gute Leute beworben haben!

Das Problem ist also, dass die Schnittstellen bisher noch nicht ganz funktionieren und viele das Gefu00c3u00bchl haben (zumindest schildern dass die Emails an mich), dass hier etwas etabliert wird, was mit ihrer Arbeit vor Ort wenig zu tun hat. Da wird auf den Gespru00c3u00a4chskreis Netzpolitik eine Menge Arbeit zukommen, diese Bru00c3u00bccken zu bauen.

Was hu00c3u00a4ltst Du denn von diesen Fragen?
http://netzpolitik.vorwaerts.de/blogs/netzpolitik/2010/02/treffen-des-gesprachskreises-netzpolitik-des-spd-parteivorstands/comment-page-1/#comment-228

diese Fragen finde ich teilweise echt absurd. livestreaming und so ist unpassend fu00c3u00bcr eine derartige sitzung. zumal die runde eben nicht u00c3u00b6ffentlich ist, was auch seine vorteile haben kann.

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