Obwohl mir in einem W&V-Artikel eher fälschlich zugeschrieben wurde, daß ich mehr Streit für Social Media Veranstaltungen wünschen würde (dies war das Motto der Social Media Week, nicht meine Idee), finde ich so langsam wirklich, daß sich das Camp-Format überlebt hat.
Versteht mich nicht falsch, ich finde die Camps toll und man trifft nette Leute, die man aus dem Internet kennt und kann sich prima mit diesen unterhalten. Aber gerade das Politcamp10 hat durch das Involvieren von Politikern, die nicht primär Netzpolitik machen wollen, gezeigt, daß auch andere Leute zu den Veranstaltungen kommen müssen, damit diese für alle einen Erkenntnisgewinn haben können. Anders ausgedrückt: nur wenn nicht nur die üblichen Verdächtigen auf den Panels sitzen, haben alle Beteiligten die berechtigte Chance auf eine gute Diskussion, in der auch mal Widersprüche aufkommen.
Die selbst-organisierten Konferenzen manifestieren das, was man aus der Blogosphäre seit Jahren kennt: der Funke springt nicht über, man bleibt unter sich. Ich finde das erschreckend. Ich weiss nicht, ob das eine gewollte Selbst-Marginalisierung ist, weil man sich dann einfach sicher ist, daß man recht hat mit seinen Ideen, weil alle ähnlich denken, oder ob man es einfach nicht schafft, die eigenen Themen für das Gros der Menschen interessant zu machen. Auch eine twitternde Bundesministerin bedeutet noch lange nicht, daß wir jenseits der Nische angekommen sind. Soll aber in Deutschland endlich etwas bewegt werden und das Internet mehr und anders genutzt werden, völlig egal ob im politischen, gesellschaftlichen oder wirtschaftlichen Kontext, dann müssen wir dafür sorgen, daß wir Debatten führen, die mehr als nur die üblichen Verdächtigen ansprechen.
Ehrlich gesagt haben wir da kollektiv versagt. Seit dem Niedergang der New Economy haben wir es versäumt, die Relevanz des Internets durch Debatten zu manifestieren. Vielmehr sehen wir uns massiv einem Backlash ausgesetzt, der darin resultiert, daß das Internet für alte Denkmuster passend gemacht werden soll und damit ad absurdum geführt wird. Nach 2009 ist das Internet jetzt “Thema”, aber immer noch nicht so, daß wir eine Debatte führen, die nach Vorne zeigt.
Das Führen einer derartigen Debatte ist zwingend notwendig, aber das passiert nicht, indem wir fröhlich vor uns her twittern und bloggen, auf einige Camps gehen und uns dort immer wieder bestätigen, daß wir alle Recht haben und die anderen nicht. Es geht hier um nichts anderes als die Zukunftsfähigkeit unserer Gesellschaft und da darf es bei Diskussionen schon mal inhaltlich zur Sache gehen! Man muß den Laden in Unordnung bringen und die Diskussion verbreitern! Das wird nicht ohne Gegenwind ausbleiben, aber das macht die Diskussion doch für alle Beteiligten viel spannender. Es wird Zeit für einen langen Marsch durch die Institutionen 2.0, damit wir in Deutschland uns die Zukunft nicht verbauen lassen!
















