Der von mir sehr geschätzte Stefan Glänzer vertritt in der FAZ den Standpunkt Europa hat in der digitalen Medienwelt den Anschluss verpasst. Stefans Artikel kann ich vollumfänglich unterschreiben, dennoch will ich den Kern seiner Aussage hier noch einmal anführen, um dann noch einige ergänzende Punkte hinzuzfügen:
Um in der digitalen Welt Erfolg zu haben, sind fünf Dinge nötig: Gründer, Universitäten, Investoren, große Webfirmen und die Möglichkeit, erfolgreiche Firmen zu verkaufen. Alle diese Faktoren liegen im Silicon Valley auf wenigen Quadratkilometern dicht beieinander. Diese Nähe werden wir niemals herstellen können in Europa.
Sicherlich werden wir nicht das Silicon Valley nachbauen können, aber ich glaube auch nicht, daß es so sehr darauf ankommt. Viel mehr brauchen wir an aller erster Stelle einen Gründer-Spirit, der dafür sorgt, daß junge Menschen sich nicht überlegen, bei welcher großen Firma sie nach dem Studium unterkommen, sondern wie sie selber ihre Ideen verwirklichen können. Aus Ideen entstehen die großen Dinge, nicht weil man mit einem tollen Multiple die Firma nach wenigen Jahren “flippen” will. Die große Zurückhaltung der Investoren, auch in Deutschland wirklich neue Ideen zu finanzieren, führt ja letztendlich dazu, daß der Proof-of-Concept bei Startups gleich mitgeliefert wird, indem eine Kopie eines amerikanischen Startups entwickelt wird. Diese Kopien haben nahezu immer das Problem, daß sie im Vergleich zum Original wenig attraktiv sind und die Innovationsgeschwindigkeit des Originals nur schwer mitgehen können. Wenn man das dann noch mit dem Fehlen eines M&A-Marktes paart, der eigentlich die Exits ermöglichen soll, die VC-getriebene Unternehmen verlangen, dann sieht man einen deutlich dünneren Markt als in den USA, der kaum Firmen von internationalem Kaliber hervorbringen wird.
Das Internet tickt global, es werden global die Maßstäbe gesetzt und diese werden durch die über Startups erfolgende Disruption auch immer wieder neu definiert. Ein europäischer Fokus wäre in der Tat spannend, aber den sehe ich aktuell abgesehen von ein paar Ausnahmen überhaupt nicht. Der deutsche Markt entwickelt sich zu einem Markt, bei dem einige wenige Akteure mit wenig Kapital ausgestattet auf globale Entwicklungen reagieren und somit dem Markt hinterherlaufen.
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