Sorrell sieht düstere Zeiten für Media-Agenturen

Nico —  4.03.2010

Laut FT stellt Sir Martin Sorrell, Chef der weltgrößten Kommunikationsgruppe WPP, das Engagement von Werbetreibenden auf Social Media Plattformen in Frage:

But Sir Martin warned on Tuesday that social media sites are ”less commercial phenomena, they are more personal phenomena”, more similar to ”writing letters to our mothers” than watching television.
”Invading these [social] media with commercial messages might not be the right thing,” Sir Martin told delegates at the Financial Times Digital Media and Broadcasting Conference in central London.

Das muß er auch sagen, schließlich bedeutet ein zunehmendes Engagement von Werbetreibenden auf Social Media Plattformen weniger Werbe-Ausgaben für klassische TV- und Print-Formate, womit WPP immer noch mit Abstand das meiste Geld verdient. Aus Sicht von Media-Agenturen, die im Auftrag der Werbetreibenden die Werbung auf den verschiedenen Kanälen platzieren, ist natürlich die Abkehr von Kampagnen hin zu dauerhaften Konversationen auf Social Media Plattformen fatal. Dann wandern die Budgets von klassischen Media-Spendings hin zu Social Media Aktionen, zu Community Management und anderen Maßnahmen, was nicht im Sinne einer Media-Agentur sein kann. Eine Media-Agentur lebt davon, immer wieder punktuell Aufmerksamkeit herzustellen, indem Werbetreibenden Geld für eine Kampagne ausgeben. Eine dauerhafte Konversation zwischen Marke und Konsument kann Herr Sorrell also nicht wollen, sondern tut daher so, als ob Facebook nur ein persönliches Phänomen sei, wo Werbung nicht funktionieren würde. Da allerdings die Aufmerksamkeit der User massiv auf Plattformen wie Facebook liegt, wird sich unser TV-Nutzungsverhalten immer weiter verändern und zu großen Teilen in und über Facebook stattfinden.

Sorrell sieht also düstere Zeiten für Media-Agenturen, weshalb er versucht, die Bedeutung von Social Media Plattformen herunterzuspielen, um möglichst lange an dem tradierten Geschäftsmodell von Werbe- und Media-Agenturen festzuhalten.

5 responses to Sorrell sieht düstere Zeiten für Media-Agenturen

  1. Ein vergleichbares Verhalten und eine ähnliche Unflexibilität kennen wir doch aus dem Verlagsbereich. Warum tun sich klassische (Netzwerk)-Agenturen und Verlage nur so schwer damit sich auf die Zukunft einzulassen und sich dem Wandel anzupassen.

    Wer allerdings den Kunden nur aus Marktforschungsergebnissen „kennt“, der wird auch weiterhin der Meinung sein, dass das Eindringen in diese [sozialen] Medien mit kommerziellen Nachrichten nicht das richtige Ding sein…

  2. more similar to ”writing letters to our mothers” than watching television.

    Und was ist, wenn ich im Brief an meine Mutter ihr einen neuen Urlaubsort empfehle oder ein schickes Handy oder den neuen Friseur bei ihr um die Ecke oder den flotten Kleinwagen, Sir Martin?

  3. Der Unsinn von Sorell lässt sich noch leichter ad absurdum führen. Die Werber würden nämlich nichts lieber tun, als ein Werbeplätzchen auf dem Brief an die Mutter zu platzieren.

  4. Vielleicht steh ich ja auf dem Schlauch – aber ich finde, der Mann hat Recht. Die neue Medienwirklichkeit lässt sich eben nicht mehr einfach so einfach mit Unterbrecher-Werbung melken. Damit macht er doch die Social-Media-Angebote nicht klein, sondern er hat kapiert, dass das klassische Werbemodell dort nicht mehr funktioniert. Ich hätte es viel schlimmer gefunden, wenn er gesagt hätte: Ach das…neue Medien…da buchen wir genauso wie früher.

    • Sehe ich ganz genau so.

      Die Aussage ist schlicht weg von vorne an fehlinterpretiert.

      Das kann passieren.
      Allerdings liest sich der Kommentar darauf dann eher so, als sei es hier eine bewusste Fehlinterpretation, um damit gezielt eine bestimmt Meinung zu untermauern und zu verbreiten. Natürlich mit dem wirksamen „Zugpferd“ Sir Martin Sorrell und einer so nie geäußerten oder gedachten Reißer-Headline “Sorrell sieht düstere Zeiten für Media-Agenturen”.
      Sorry Nico, aber genau so klingt das für mich.

      Kommt mal alle wieder runter auf den Boden Jungs.
      Weder wird Print, TV, Radio oder ein anderes klassisches Medium von SM verdrängt werden oder massiv an Relevanz verlieren, noch wird SM wieder verschwinden.

      Alle Teilnehmer werden sich darauf einstellen.
      Und heutzutage wird für Kino, Plakat, Online und anderes ein Spezialmittler von den Netzwerkagenturen (OK, manchmal der eigene, um das Geld nicht zu verlieren) genutzt.

      Und? Warum sollte das für z.B. SM nicht genau so funktionieren, solange es vernünftig in die Gesamtstrategie integriert wird? SM wird langfristig ein „ganz normaler“ Teil des Ganzen sein. Punkt und Schluß.

      Oder glaubt Ihr ernsthaft, daß SM zukünftig die Gesamtstrategie ist? Ich lach mit tot – Haha. Das könnt Ihr nicht glauben, oder?

      Glaubt Ihr das? Glaubt Ihr das?