Als noch gemabbert wurde

Matthias Heine führte für die FAS ein Interview mit dem Linguisten Lothar Lemnitzer mit der klingenden Überschrift Ein bisschen mabbern zum Mondscheintarif. Klingend deshalb, weil Mabber mein Startup war, das vor 5 Jahren versuchte, Instant Messaging auf dem Desktop, dem Web und mobil miteinander zu verknüpfen, und dabei u.a. viel zu früh am Markt war, aber technologisch ganz weit vorne. Aber dieser Passus erfreut mich dann schon:

Twittern?
Eine neue Form computerbasierter Kommunikation. Das gehört ins gleiche Fach wie simsen oder voipen. Es gab ja mal einen Dienst, der mabber hieß, da wurde zeitweise von mabbern gesprochen.

Posthum ist es schön zu sehen, daß dennoch etwas von Mabber übrig geblieben ist.

[ via: Malte per DM ]

und jetzt alle: Neustart für die Netzpolitik

“Gefahr! Risiko! Oh Nein! So geht das nicht! Wir müssen regulieren!” – So oder anders hört man es gerade in vielen Gesprächen mit Politikern, sobald es um das Thema Netzpolitik geht. Sicherlich sind etliche Heilsversprechen der 90er Jahre in Bezug auf das Internet nicht eingetreten, dennoch kann man attestieren, daß das Internet eine gewaltige Kraft entfacht hat und dadurch zu immensen Umwälzungen geführt hat. Das Internet hat so viel verändert, und verändert immer noch mehr, daß wir noch nicht absehbar die Folgen absehen können, da wir mitten drin in der Entwicklung sind. Das Internet ist gewaltig und disruptiv.

In der Diskussion um die Netzpolitik in Deutschland wünsche ich mir oftmals den Zustand zurück, als sich die Politik noch nicht um das Netz kümmern wollte. Denn bislang glänzt die Politik durch das Anlegen gelernter Kriterien aus dem Rundfunk-Bereich und dem damit verbundenen Ableiten von Regularien. Die Zähmung des Biestes Internet steht an erster Stelle.

Das ist der absolut falsche Weg! Ich habe keine Lust mehr, immer wieder zu diskutieren, wie man Inhalte nicht verfügbar machen kann, wie die immer noch als Neue Medien bezeichneten Kommunikationsformen passend gemacht werden können für das Rundfunk-Paradigma. Akzeptiert einfach, das das Internet anders ist und andere Lösungen erfordert!

Ich sage nicht, daß man die Risiken negieren sollte, aber es gilt, den Fokus endlich auf die Chancen zu legen und zu definieren, wo in Deutschland die Reise lang gehen soll und nicht zu diskutieren, wie wir den Zug noch aufhalten wollen, der schon längst mit Volldampf den Bahnhof verlassen hat.

Wir haben in den letzten Jahren völlig verdrängt, daß es gilt, die politischen Rahmenbedingungen für das Internet zu diskutieren. In was für einer Gesellschaft wollen wir leben, wie soll der Zugang zum Netz aussehen? Soll es ein Recht auf Breitband geben? Welche Bandbreite ist politisch gewünscht in 5-10 Jahren? Wie gehen wir mit den digitalen Spaltungen der Gesellschaft um? Was hat das für Auswirkungen auf unser politisches System? Wer hat wofür Verantwortung zu übernehmen? Wie können wir durch das Internet mehr wirtschaftliche Kraft und Arbeitsplätze für die Zukunft schaffen? Wie verändert das Internet unsere Arbeitswelt, was hat das für Auswirkungen auf unser Leben und unser Freizeitverhalten?

Ich habe noch nicht einmal ansatzweise alle Fragen zusammen, geschweige denn die Antworten, aber ich finde, wir müssen ganz dringend einen anderen Fokus bei der netzpolitischen Debatte bekommen. Umarmt den Wandel, interpretiert ihn und versucht dann, Rückschlüsse für eine sinnvolle Netzpolitik zu ziehen.

10,000,000,000 Tweets heute Nacht erreicht

GigaTweet zählt die Tweets derzeit hoch und demnach soll heute Nacht die Zahl von 10,000,000,000 Tweets erreicht werden. Davon sind über 23.000 Tweets von mir, natürlich alles Qualitäts-Tweets.

Sorrell sieht düstere Zeiten für Media-Agenturen

Laut FT stellt Sir Martin Sorrell, Chef der weltgrößten Kommunikationsgruppe WPP, das Engagement von Werbetreibenden auf Social Media Plattformen in Frage:

But Sir Martin warned on Tuesday that social media sites are ”less commercial phenomena, they are more personal phenomena”, more similar to ”writing letters to our mothers” than watching television.
”Invading these [social] media with commercial messages might not be the right thing,” Sir Martin told delegates at the Financial Times Digital Media and Broadcasting Conference in central London.

Das muß er auch sagen, schließlich bedeutet ein zunehmendes Engagement von Werbetreibenden auf Social Media Plattformen weniger Werbe-Ausgaben für klassische TV- und Print-Formate, womit WPP immer noch mit Abstand das meiste Geld verdient. Aus Sicht von Media-Agenturen, die im Auftrag der Werbetreibenden die Werbung auf den verschiedenen Kanälen platzieren, ist natürlich die Abkehr von Kampagnen hin zu dauerhaften Konversationen auf Social Media Plattformen fatal. Dann wandern die Budgets von klassischen Media-Spendings hin zu Social Media Aktionen, zu Community Management und anderen Maßnahmen, was nicht im Sinne einer Media-Agentur sein kann. Eine Media-Agentur lebt davon, immer wieder punktuell Aufmerksamkeit herzustellen, indem Werbetreibenden Geld für eine Kampagne ausgeben. Eine dauerhafte Konversation zwischen Marke und Konsument kann Herr Sorrell also nicht wollen, sondern tut daher so, als ob Facebook nur ein persönliches Phänomen sei, wo Werbung nicht funktionieren würde. Da allerdings die Aufmerksamkeit der User massiv auf Plattformen wie Facebook liegt, wird sich unser TV-Nutzungsverhalten immer weiter verändern und zu großen Teilen in und über Facebook stattfinden.

Sorrell sieht also düstere Zeiten für Media-Agenturen, weshalb er versucht, die Bedeutung von Social Media Plattformen herunterzuspielen, um möglichst lange an dem tradierten Geschäftsmodell von Werbe- und Media-Agenturen festzuhalten.

Deutschland läuft digital hinterher

Der von mir sehr geschätzte Stefan Glänzer vertritt in der FAZ den Standpunkt Europa hat in der digitalen Medienwelt den Anschluss verpasst. Stefans Artikel kann ich vollumfänglich unterschreiben, dennoch will ich den Kern seiner Aussage hier noch einmal anführen, um dann noch einige ergänzende Punkte hinzuzfügen:

Um in der digitalen Welt Erfolg zu haben, sind fünf Dinge nötig: Gründer, Universitäten, Investoren, große Webfirmen und die Möglichkeit, erfolgreiche Firmen zu verkaufen. Alle diese Faktoren liegen im Silicon Valley auf wenigen Quadratkilometern dicht beieinander. Diese Nähe werden wir niemals herstellen können in Europa.

Sicherlich werden wir nicht das Silicon Valley nachbauen können, aber ich glaube auch nicht, daß es so sehr darauf ankommt. Viel mehr brauchen wir an aller erster Stelle einen Gründer-Spirit, der dafür sorgt, daß junge Menschen sich nicht überlegen, bei welcher großen Firma sie nach dem Studium unterkommen, sondern wie sie selber ihre Ideen verwirklichen können. Aus Ideen entstehen die großen Dinge, nicht weil man mit einem tollen Multiple die Firma nach wenigen Jahren “flippen” will. Die große Zurückhaltung der Investoren, auch in Deutschland wirklich neue Ideen zu finanzieren, führt ja letztendlich dazu, daß der Proof-of-Concept bei Startups gleich mitgeliefert wird, indem eine Kopie eines amerikanischen Startups entwickelt wird. Diese Kopien haben nahezu immer das Problem, daß sie im Vergleich zum Original wenig attraktiv sind und die Innovationsgeschwindigkeit des Originals nur schwer mitgehen können. Wenn man das dann noch mit dem Fehlen eines M&A-Marktes paart, der eigentlich die Exits ermöglichen soll, die VC-getriebene Unternehmen verlangen, dann sieht man einen deutlich dünneren Markt als in den USA, der kaum Firmen von internationalem Kaliber hervorbringen wird.

Das Internet tickt global, es werden global die Maßstäbe gesetzt und diese werden durch die über Startups erfolgende Disruption auch immer wieder neu definiert. Ein europäischer Fokus wäre in der Tat spannend, aber den sehe ich aktuell abgesehen von ein paar Ausnahmen überhaupt nicht. Der deutsche Markt entwickelt sich zu einem Markt, bei dem einige wenige Akteure mit wenig Kapital ausgestattet auf globale Entwicklungen reagieren und somit dem Markt hinterherlaufen.