Das iPad als Heilsbringer für Verlage?

Wenn ich Jubelmeldungen wie Marktstart in Amerika: WELT-Gruppe bringt digitale Zeitungen auf das iPad lese, dann kommen mir starke Zweifel, ob die Branche überhaupt versteht, was gerade passiert:

Vom 3. April an wird es eine „iKiosk"-App im App-Store geben. Mit ihr können Nutzer die aktuellen Ausgaben von WELT, WELT KOMPAKT und WELT am SONNTAG KOMPAKT für das Apple-Gerät kaufen. Vorerst als monatliches Abonnement zu Preisen zwischen 7,99 bis 29,99 Euro. Das ist etwas günstiger als die gedruckten Ausgaben.

Die WELT, seit ich mich erinnern kann der defizitäre Titel aus dem Springer-Reich, der immer riesigen Anspruch hat, aber nie die Leserzahlen erreichen konnte, die zu diesem Anspruch gehören sollten, posaunt nun also frühlich in die Welt, daß künftig auch auf dem iPad die WELT verfügbar sein wird.

Tja. Mit der Einführung des iPads wird deutlich, was die Herausforderungen der Verlage derzeit sind.

1. wird aus einem weiteren Distributionskanal noch kein lesenswerter Inhalt.
2. haben die Verlage die letzten 10 Jahre so massiv gepennt und gehofft, daß das Internet wieder weggehen wird, aber nicht realisiert, daß sie zu Medien-Unternehmen werden müssen, die Technik verstehen und auch zielführend einsetzen.
3. hat Apple jetzt mit dem iPad ein Format geschaffen, an dem Apple die Regeln definiert und an den Erlösen mitverdient.
4. die Verlage können also zwischen Pest und Cholera entscheiden: User nicht mehr erreichen, oder Apples Position durch eine Erweiterung des Angebotsspektrums weiter zu stärken.
5. das iPad manifestiert das Ende des linearen Inhalte-Angebots. Damit werden die herkömmlichen Mechanismen der Anzeigen-Vermarktung auch immer weniger greifen und neue Werbeformate entwickelt werden müssen.

Das iPad wird ein tolles Produkt. Aber für die Verlage bedeutet es eine weitere Abhängigkeit, stärkere Konkurrenz auf der Plattform und weniger Relevanz für die Printerzeugnisse. In 5 Jahren werden die Ereignisse beim Jalag zur Normalität werden. Währenddessen verdient Apple als Inhalte-Distributor ganz wunderbar mit und ermöglicht zudem transaktions-basierte Werbemodelle, die andere Marktteilnehmer nicht bieten können. Die Verlage hingegen werden weiterhin die Kostenlos-Mentalität des Internets beklagen und darauf beharren, daß Tradition als Businessmodell ausreichend sein müsse.