Ilse und das Osterloch

Nico —  5.04.2010

Als Beschützerin der Verbraucher wird sich Frau Aigner über Schlagzeilen wie Brief an Zuckerberg: Aigner zieht in den Kampf gegen Facebook freuen. Ihr offener Brief an Mark Zuckerberg enthält durchaus begründete Kritik, aber dennoch schießt Frau Aigner weit am Ziel vorbei.

1. Will niemand sich von der Verbraucherschutzministerin bevormunden lassen. Die User können selber entscheiden, ob sie Facebook nutzen wollen und wie sie die Datenschutzrichtlinien einschätzen.

2. Nach Google Streetview hat Frau Aigner jetzt Facebook im Visier, als nächstes kommen dann bestimmt Farmville, Layar, Foursquare oder Twitter. Eine Begründung wird dann irgendwas mit Datenschutz zu tun haben, vor allem aber wird es darum gehen, sich als Verbraucherschutzministerin mit Internet-Themen in die Öffentlichkeit zu bewegen.

3. Ilse Aigners Drohung, daß sie ihren Facebook-Account löschen will, kann Zuckerberg mit mehr als 400 mio Nutzern gelassen ignorieren. Zumal die Drohung nicht wirklich irgendeine Konsequenz für Facebook bedeutet.

Die Osterzeit war kurz, ich freue mich auf den Sommer, dann wird Frau Aigner sicherlich versuchen, mehrere Akzente im Sommerloch zu setzen, das Potential hat sie. Zumal es genügend Wähler gibt, die das Internet sowieso generell suspekt finden. Frau Aigner tritt munter in die Fußstapfen von Frau von der Leyen, indem sie versucht, Internet-Themen mit Symbol-Politik zu verknüpfen, um an der eigenen Profilierung zu arbeiten.

4 responses to Ilse und das Osterloch

  1. Solche Briefe sind immer ein wenig albern. Es ist in etwa so, als wenn ich an den Papst schreibe. Schön fand ich aber, als sie über Google street view herzog, als gleichzeitig die Leute am verseuchten Käse krepierten. Kompetenz sieht anders aus.

  2. Die User können selber entscheiden, ob sie Facebook nutzen wollen und wie sie die Datenschutzrichtlinien einschätzen.

    Können sie? Verbraucherschutz beruht auf der Sicht, dass Verbraucher gegenüber Dienstleistungsanbietern strukturell unterlegen sind, das heißt infolge mangelnder Fachkenntnis, Information und/oder Erfahrung benachteiligt werden können. Facebook ist auf dem Weg, durch seinen Marktanteil eben nicht nur User anszusprechen, denen man bestimmte Fachkenntnis zugestehen kann. Dann ist die Politik gefragt, um die Interessen der Nutzer sicherzustellen. Dazu kommt noch, dass Facebook nicht nur ein soziales Netzwerk ist, sondern durch die Integration von Diensten von Drittanbietern ein „Netz im Netz“ darstellt. Hier kann man durchaus einen höheren Ansporuch an den Schutz persönlicher Daten anlegen.

    Warum soll Frau Aigner sich nicht um Internet-Themen kümmern? Ob man die Dame besonders mag oder nicht – ich eher nicht – aber man kann nicht, wie auch der Eigner dieses Blogs, dauernd über die Relevanz der Netzwirtschaft und die Bedeutung von Social Media schwadronieren und Rekorde bei Smartphone- und Social Network-Usern feiern, und dann jammern, dass die Politik sich den wichtigen Themen annimmt.

    Aigners Facebook-Account ist Zuckerberg sicher egal. Das soll nur ein wenig Medienspin in die Angelegenheit bringen. Aber wenn die Minsterin für Verbraucherschutz in einem der wichtigsten Märkte für Facebook Bedenken anmeldet und mit gesetzgeberischen Aktivitäten droht, denn dürfte das auch Zuckerberg und seinen Management nicht kalt lassen.

  3. also User wägen selber ab, ob sie Facebook nutzen wollen, oder eben nicht. Ich glaube nicht, dass es da eine Bundesregieruns-Seal-of-Approval geben kann, welchen Dienst man unbedenklich nutzen kann. Daher erwarte ich von Frau Aigner eine andere Art der Einmischung: eine Debatte um Privatsphäre 2.0.

  4. Der User wird nicht genötigt, sich auf Facebook einen Account zuzulegen, geschweige seine „Partyfotos“ dem geneigten Freundeskreis zu präsentieren.

    Mich stört nur die Formulierung:

    “ In einem Vorschlag zur Neufassung seiner Datenschutzregeln kündigt Facebook an, Kundendaten an “überprüfte” (pre-approved) Websites und Anwendungen Dritter weiterzuleiten. Dazu sei das Unternehmen “gezwungen”, um seinen Nutzern “die Möglichkeit zu geben, auch außerhalb von Facebook nützliche Erfahrungen im sozialen Bereich machen zu können.”

    Gezwungen ? Erfahrungen ?? ^^