Das mobile Endgame

Nico —  18.04.2010 — 5 Comments

Eigentlich wollte ich schon länger mal darüber schreiben, wie sich meiner Meinung nach die Mobilbranche entwickelt, aber man kommt ja zu nix heutzutage. Letztens gab es dann zwischen Amir Kassaei und mir ein kurzes Geplänkel auf Twitter, ausgehend von einem getwitterten Link zu Apple vs Google: The Next 10 Battles To Watch. Ich glaube, es wird nicht 10 Battles geben zwischen Google und Apple, sondern eins, und das ist eigentlich schon entschieden. Amir Kassaei sieht das genau anders. Da selbst ich komplexere Gedankengänge habe, die nicht in 140 Zeichen passen, will ich mal etwas länger ausholen und erörtern, wie sich aus meiner Sicht der mobile Markt entwickelt. Der Blick in die Glaskugel basiert natürlich nur auf Annahmen, die ich fröhlich vor mich hin treffe.

Wenn man sich anguckt, wie iPhone und Android derzeit auf dem Markt positioniert werden, bzw. wenn man sich Google und Apple anguckt, dann kann man sicher feststellen, dass das iPhone massiv sexier ist als Android, insofern gebe ich Amir Kassaei, wenn er sagt, dass Android Mist sei. Aber. Dieser Mist stellt derzeit, und später für noch viele Millionen Menschen mehr, den Schritt ins mobile Internet dar. Android wird das mobile OS für die Massen werden, niemals so toll und schön wie das iPhone, aber mit einer massiven Verbreitung auf einem globalen Level, die das iPhone aufgrund seiner Premium-Positionierung niemals erreichen wird.

Dahinter stehen allerdings auch unterschiedliche Monetarisierungsoptionen. Apple verdient am Bundling von Hardware mit Software, Google verdient an der kostenlosen Bereitstellung eines mobile OS in Kombination mit allen Diensten, die Google anbietet. Google fokussiert auf Daten und die Cloud, Apple auf die Kombination Hardware und Software.

Daraus resultiert eine Monetarisierungsstrategie von Google, die auf den globalen Massenmarkt ausgelegt ist und auf der von Google stets propagierte Database of Intentions aufbaut. Google sammelt Daten, gerne auch mobile, und nutzt diese, um ein möglichst personalisiertes Werbe-Angebot auszuspielen. Was wir sehen werden, ist ultra-personalisierte Werbung auf mobilen Endgeräten. Dafür werden Werbetreibende einen ordentlichen Preis zahlen, weil sie basierend auf Location, Endgerät, persönlicher Nutzung und anderer Parameter die Kunden extrem gut bestimmen können und dann die Werbung quasi direkt in der Hand des Kunden stattfinden lassen können. Idealerweise ist die Werbung Location-aware und bietet dem Kunden einen Mehrwert, also eine Erweiterung der derzeitig extem en vogue erscheindenen Coupon-Dienste.

Diese Monetarisierungsstrategie von Google wird dazu führen, daß Google massiv den Zugang zu Content auf mobilen Endgeräten pushen wird, denn nur dadurch ergibt sich eine ordentliche Erstellung von Nutzerprofilen. Daher wird von Google eine Disruption im Mobilfunkmarkt ausgehen, denn Google wird alles daran gelegen sein, auf möglichst vielen Endgeräten stattzufinden: dort wird künftig das Geld verdient werden. Das Netz wird reine Infrastruktur, ebenso werden die Endgeräte subventioniert, denn die Monetarisierung kann nur mit ordentlicher mobiler Nutzung funktionieren. Letztendlich wird Google damit die Mobilfunkanbieter in die Rolle des Infrastruktur-Anbieters drängen, denn für die Massen wird es einfach ansprechender sein, eine kostenlose Grundversorgung mit mobilem Netz, also Voice/Data über IP, geboten zu bekommen. Zur Sicherung der Einnahmen durch mobile Werbung wird Google eine Basis-Infrastruktur für das mobile Internet kostenlos verfügbar machen.

Das mobile Endgame bedeutet für Google also die globale Penetration von Android als mobile OS auf möglochst vielen Endgeräten um darüber Werbung anzubieten. Das klingt derzeit weit hergeholt, aber wir dürfen nicht vergessen, daß wir sehr privilegiert sind und für uns das Handy nicht der einzige Computer ist, den wir nutzen können. Für die Mehrheit der Menschen wird das mobile Internet die Verbindung zur Welt, die Möglichkeit für Transaktionen, für Shopping, Entertainment und Informationen jeder Art darstellen. Auf diese Nutzer zielt Google und hat damit im mobile Endgame eine viel aussichtsreichere Positionierung als Apple, die auch 2010 noch nicht in der Cloud angekommen sind und eine Hochpreispolitik fahren. Massenmarkt vs. Premium ist hier das Thema und Google wird damit eine starke Dominanz auf dem mobile Markt erreichen, während Apple zwar die schöneren Produkte liefert, aber immer nur eine Nische besetzen wird.

5 responses to Das mobile Endgame

  1. Meine Kristallkugel ist leider ständig mit Nebel gefüllt, weshalb ich die Zukunft nur verschwommen sehe. Aber das ich demnächst mit personalisierten Werbeangeboten beglückt werden, die ich nicht mehr als lästig empfinde, weil sie mir ja nur Sachen vorschlagen, die mich ohnehin interessieren höre ich schon seit Jahren. Nur macht das immer noch keiner. Selbst eine Firma, der ich über eine hauseigene “Rabattkarte” eine zeitlang unmissverstänglich quasi auf die Nase gebunden habe was ich häufig kaufe (ich hab die Karte fast ausschliesslich bei DVD-Käufen benutzt) hat lieber gestreut und mir munter Wein und Rheumadecken angeboten. Bis jetzt ist mir nur Amazon mit zielgerichteten und sehr passgenauen Vorschlägen aufgefallen.

  2. Blicken wir doch ausgehend von diesem Satz: “Google fokussiert auf Daten und die Cloud, Apple auf die Kombination Hardware und Software.” ein paar Jahre in die Vergangenheit. IBM glaubte ab 1981 sein Heil in der Kombination von Hardware (PC) und Software (PC-DOS, lizenziert von Microsoft), während Microsoft voll auf Software setzte (1985 trennten sich IBM und Microsoft). Wer hat “gewonnen”? Eben.
    Und heute? Zwar holen Google und Apple auf, aber nach wie vor kann niemand Microsoft das Wasser reichen, was Umsatz und Gewinn betrifft (cf. http://ow.ly/1xhUN). IBM spielt da schon länger nicht mehr in derselben Liga mit. Gesehen?

  3. Android + Groupon vs Apples slicke Medienwelt?

    Da hat er schon recht, der Nico:
    “Android wird das mobile OS für die Massen werden.”

    Weil Apple ist Premium. Das ist zwar schön für die Rendite, aber nicht mehrheitsfähig.

  4. Die Aussagen über Android und Google’s Modell sind ja plausibel, nur, wird “content” reichen? Ein interessanter Fakt ist ja, dass es
    der Telekommunikationsbranche extrem gut und den Zeitschriften ziemlich schlecht geht. Da kann man jetzt viel über den Verfall der Nachrichtenkultur sagen, aber ein extremes Mißverhältnis gab es da schon lange.

    Das heisst: “Content” interessiert viel weniger als Kommunikation untereinander. Was für Telefongespräche und ähnliche Dienste ausgegeben wird sind astronomische Summen, da kann nicht mal Hollywood mithalten (siehe z.B. http://www.ihsglobalinsight.com/Highlight/HighlightDetail17837.htm).

    Im Endeffekt bedeutet das: Wenn man es hinkriegt, dass die Leute über neue Sachen kommunizieren, und damit Geld zu machen, das bringt die Kohle. World-of-Warcraft ist ja auch ein gutes Beispiel: Das Spielprinzip ist alt, aber mit Leuten zu spielen, das reizt.

    Will also alles heissen: Es müssen schon die richtigen Anwendungen sein und alleine mit Content wird sich da keine große Verschiebung ergeben.

  5. Wir hier in Europa schauen nur allzu gerne auf unsere Mediennutzung. Google ist da schon viel weiter und hat die weltweiten und vor allen Dingen Wachstumsmerkte, neudeutsch Emerging Markets, im Visier. Da entscheidet sich wahre Schlacht um den mobilen Konsumenten des 21. Jahrhunderts. Da gebe ich Nico vollkommen recht und verweise gern auf meinen eigenen “Senf” dazu unter http://blog.wartala.de/2009/12/01/chrom-os-fur-emerging-markets/

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