Stell DIr vor, morgen ist Bundespräsidentenwahl

Nico —  29.06.2010

… und Bundeskanzlerin Merkel hat den stellvertretenden Bundesvorsitzenden der CDU nominiert, nachdem sie direkt nach dem Rücktritt von Horst Köhler noch davon gesprochen hatte, daß ein überparteilicher Kandidat gefunden werden solle.

Unmittelbar nach der Nominierung von Joachim Gauck durch SPD und Bündnis90/Grüne wurden Unterstützungs-Inititativen gestartet. Diese Initiativen sind überwiegend Internet-basiert, gehen eher nicht von den Parteien aus und haben innerhalb weniger Tage ordentlichen Zulauf bekommen. Dabei hat natürlich auch geholfen, daß Spiegel Online, Stern.de, n-tv.de, Deutsche Welle und andere sich dem Thema angenommen haben und Joachim Gauck zum Bundespräsidentschaftskandidaten des Internets heraufgeschrieben haben, um dann gleich zu fragen, wo denn der Obama-Faktor bei Joachim Gauck sei.

Eine Online-Petition mit über 10.000 Unterzeichnern, eine Facebook-Gruppe mit über 36.000 Mitgliedern und die von mir gestartete Unterstützungsplattform wir-fuer-gauck.de mit ebenfalls über 10.000, um nur einige zu nennen, zeigen meines Erachtens deutlich, daß das Netz auch in Deutschland für politische Mobilisierung zu nutzen ist. Allerdings anders, als wir es bisher kennen. Denn losgelöst von schwerfälligen politischen Apparaten kann jeder für die Unterstützung eines Themas werben, mit geringem Aufwand und zu extrem überschaubaren Kosten. Während die Gremien noch tagen, ist die politische Kampagne schon im Netz, mit allen Implikationen, die dazu gehören.

War die Mobilisierung im Netz für Joachim Gauck ein Erfolg? Ich finde schon. Viele Menschen hat das Thema interessiert, die etablierten Medien haben es aufgegriffen und es ist eine Diskussion im Land darüber entstanden, ob Christian Wulff wirklich der geeignete Kandidat ist, oder ob Joachim Gauck nicht ein besserer Bundespräsident wäre. Unter den teilnehmenden Frauen und Männern der Bundesversammlung ist eine Diskussion zu vernehmen, inwieweit die Parteidisziplin bei dieser Abstimmung gelten dürfe. Unterm Strich hat Frau Merkel von ziemlich vielen Bürgern und auch Politikern aus ihrem eigenen Lager einen deutlichen Hinweis bekommen, daß diese Art der Nominierung des Kandidaten für das Amt des Bundespräsidenten unwürdig ist. Aus den Aktivitäten online ist natürlich keine Massenbewegung geworden, die auf die Straße geht, das öffentliche Leben zum Stillstand bringt und ihre Forderungen durchsetzt, aber das kann auch nicht der Anspruch gewesen sein, als die Initiativen für Joachim Gauck gestartet wurden.

[ Dieser Artikel ist im ICE von Berlin nach Hamburg bei holprigster Netzverbindung erstanden und daher ohne Links gültig, diese werden bei Lust und Laune nachgereicht. ]

6 responses to Stell DIr vor, morgen ist Bundespräsidentenwahl

  1. ah, danke, nee. ich finde diese automatisierten massenmails an abgeordnete eher unangenehm. würde mir niemals wünschen, dass mich so eine lawine erwischt, egal bei welchem thema.

  2. Dem würde ich sogar beipflichten, stelle aber dennoch die Frage, ob es nicht sogar positiv ist, dass es unangenehm ist.
    Und btw. wenn der Bürger nicht weiterhin noch unangenehmer wird, wer soll dem Treiben Einhalt gebieten?

  3. „losgelöst von … politischen Apparaten kann jeder für die Unterstützung eines Themas werben, …“
    Das stimmt wohl.
    Allerdings muss man dazu zunächst mal eine Stimme haben. Also nicht eine Wählerstimme sonder eine Stimme, die andere vernehmen.
    Prominente Blogger haben es da leichter als der normale Bürger.

    • aber auch normale Bürger haben Freunde auf Facebook und können damit einen Stein ins Rollen bringen. oder etwa nicht? Ein Netzwerk hilft natürlich, aber man kann auch als normaler Bürger einiges erreichen.

    • das ist zu kurz gedacht, wie ich finde. prominente Blogger haben keine „bessere oder besser hörbare Stimme“ oder etwas in der Art. Prominente Blogger sind nur die besseren Multiplikatoren.
      Wenn alle begreifen, dass es um Themen geht und nicht darum, wer eine Idee hatte, dann verbreitet sich eine gute idee rasend schnell. Und wenn ein „normaler Bürger“ eine gute idee hat, muss er die eigentlich nur einem dieser Multiplikatoren auftischen.