Archiv für Juni 2010

10. Juni 2010

Haushaltsabgabe für die Anstalten

Künftig soll jeder Haushalt in Deuschland monatlich €17,98 bezahlen, um damit die öffentlich-rechtlichen Anstalten zu finanzieren. Damit ist erstmals nicht mehr das Empfangsgerät ausschlaggebend, sondern die Allgemeinheit wird für die Kosten des öffentlich-rechtlichen Rundfunks herangezogen.

Das finde ich erst einmal recht zeitgemäß, denn die Orientierung am Empfangsgerät macht mittlerweile nicht mehr so viel Sinn. Des Weiteren halte ich die öffentlich-rechtlichen Anstalten für ein wichtiges Gut, das die Allgemeinheit durchaus finanzieren sollte, wie eben Kultureinrichtungen auch.

Konsequent wäre es dann aber auch, deutlich zu machen, daß die erschaffenden Inhalte auch dauerhaft der Allgemeinheit zur Verfügung zu stehen haben. Es ist doch völlig absurd, daß wir Inhalte finanzieren, die wir dann nicht mehr nutzen dürfen. Auch wenn das natürlich die Verlage anders sehen, und das ist auch ihr gutes Recht, aber da finde ich das Gemeinwohl wichtiger als die jeweiligen Wirtschaftsinteressen.

Leider habe ich das schlechte Gefühl, daß das Einziehen dieser Haushaltsabgabe noch einmal dafür sorgen wird, daß der Verwaltungsmoloch GEZ lediglich umbenannt wird, aber das Prozedere gleich bleibt. Idealerweise wären die €17,98 gleich mit den Nebenkosten oder den Kabelgebühren eingezogen, dann spart man sich da den zusätzlichen Aufwand.

09. Juni 2010

Ist der Diktator im Ökosystem noch gutmütig?

Derzeit sieht man, wie die Ökosysteme im Internet immer größer und damit mächtiger werden. Die Ökosysteme bündeln massiv User und damit auch den Zugang zu diesen Usern. Werbetreibende stehen zunehmend vor der Herausforderung, in diesen Ökosystemen agieren zu müssen, um die für sie wichtigen Zielgruppen zu erreichen. Die drei wichtigsten Ökosysteme sind derzeit Google, Facebook und Apple, hinzu kommen dann noch Twitter, LinkedIn und andere. Alle haben sie ihre Eigenarten, aber alle haben sie einen natürlichen Vorteil in ihrem Ökosystem: sie bestimmen die Regeln.

Die Regeln sind vielfältig und reichen von der Art und Weise, wie man innerhalb eines Ökosystems agieren darf, über festgelegte Revenue Share Modelle bishin zu der Frage, welche Art Inhalte überhaupt im Ökosystem stattfinden darf. Beispielsweise darf man Gewinnspiele auf Facebook nur mit einer App veranstalten, bei iPhone-Apps sind Inhalte mit nackter Haut verboten und bei Google darf man als Publisher den festgelegten Split bei den Adsense-Erlösen hinnehmen.

Das klingt jetzt erst einmal nicht weiter überraschend, sondern irgendwie auch nachvollziehbar. Derjenige, der das jeweilige Ökosystem entwickelt hat, ist dort auch derjenige, der die Regeln festlegt. Das war bislang auch nicht weiter wild. Aber mittlerweile haben die Ökosysteme ein derartige Macht entwickelt, weil sie eben den über die rare Ressource Aufmerksamkeit der User verfügen, daß die Herrschaft über die Ökosysteme zunehmend für andere Marktteilnehmer zu einem massiven Wettbewerbsnachteil werden kann.

Das aktuelle Beispiel ist Mobile advertising and the iPhone, denn nach den neuen Developer Guidelines lässt Apple keinen Drittanbieter bei der Vermarktung von Apps auf dem iPhone bzw. iPad zu. Entwickler von Apps können also entweder den Revenue Share von Apple akzeptieren und die App kostenpflichtig machen, oder die App von Apple vermarkten lassen, und ebenfalls den Revenue Share von Apple akzeptieren, oder die App kostenlos anbieten. Das dürfte für viele Entwickler unschön sein und insbesondere für Vermarkter einen massiven Rückschritt bedeuten.

Von der Gutmütigkeit des Diktators im Ökosystem hängt die Entwicklung ab, aber was passiert, wenn er den Bogen überspannt? Gibt es dann eine Revolte der Developer? Der Werbetreibenden? Der User? Oder wird der Diktator akzeptiert, egal welche Nachteile es für einzelne Akteure im Ökosystem geben wird? Diese Fragen werden uns die nächsten Jahre massivst begleiten.

09. Juni 2010

t.co ist eine dämliche Idee

Twitter wächst weiter wie besoffen und denkt immer mehr darüber nach, wie die Plattform monetarisiert werden kann. Ein großes Thema sind dabei die Links, die von den Usern getwittert werden. Daher wurde auf dem Twitter-Blog jetzt verkündet: Links and Twitter: Length Shouldn’t Matter – das klingt ja alles auch erst einmal ganz sachlich.

In der Tat ist eines der Schwierigkeiten, die Twitter hat, der Umgang mit Links, gerade wegen der Limitierung auf 140 Zeichen. Nicht jeder User weiss, wie er Links kürzen kann, nicht jeder User kann vermeiden, daß er gekürzten Links folgt und in die Irre geführt wird, daher ist es gut, daß Twitter hier eine Lösung finden will, die das Kürzen von Links für User vereinfacht. Und man fragt sich unweigerlich: warum erst jetzt? Zumal Twitter ein massives Interesse daran haben sollte, herauszufinden, wer was wann clickt. Anhand der Links und vor allem der Clicks auf die Links kann Twitter in Realtime feststellen, was gerade populär ist und kann entsprechend diese Daten nutzen, um die Vermarktung der Plattform voranzutreiben.

Eine Lösung hätte sein können, verschiedene Link-Kürzungstools, wie z.B. Bit.ly, TinyUrl, etc., über eine API einzubinden und den Usern verschiedene Optionen zu präsentieren. Da kann dann meinetwegen der hauseigene Dienst t.co auch der Default sein.

Twitter allerdings hat sich eine andere Lösung ausgedacht. Alle Links, egal ob gekürzt oder ungekürzt, werden durch einen neuen t.co-Link ersetzt. Damit weiss Twitter ganz genau, was wann wo von wem gelickt wird. In dem Blogpost wird weiter ausgeführt, daß natürlich jeder User weiterhin seinen präferierten Dienst nutzen könne, alle URL-Shortener würden weiterhin funktionieren. Dabei übersieht Twitter aber ein klitzekleines Detail: wenn t.co nicht funktioniert, haben alle ein Problem. Hier wird aus einem funktionierenden dezentralen System ein zentrales gemacht, mit einer Instanz, die dafür Sorge trägt, daß die URLs funktionieren, der Spam-Schutz implementiert ist und das Tracking funktioniert.

Anders ausgedrückt: Twitter sitzt zukünftig auf den Links, die die User dem Biest füttern. Twitter ist eine Infrastruktur, die gewachsen ist, weil sie viel Offenheit und Dezentralität zugelassen hat. Anstatt jetzt den User besser an die Hand zu nehmen und beispielsweise einen offiziellen App-Store anzubieten, damit sowohl User als auch Developer die Infrastruktur sinnvoll nutzen können, zieht Twitter jetzt Walls ein und versucht, direkt in die Inhalte einzugreifen.

Das ist der falsche Weg. t.co ist eine dämliche Idee und der nächste Failwhale wird ein neues Level der Frustration bei den Usern auslösen.

09. Juni 2010

Wichtige Vorbereitungen für die WM 2010

Man kennt das ja. Die WM steht vor der Tür, aber die Vorbereitungen sind noch überhaupt nicht abgeschlossen. Da will ich gerne helfen und ein paar Dinge liefern, die man unbedingt benötigt. Ja, auch trotz Widerstandes seitens der Finanzministerin sollten diese Produkte in keinem guten WM-Haushalt fehlen.

Panini Sticker sind essentiell für die Beschäftigung mit den Teams, auch wenn nur die Hälfter der abgebildeten Spieler überhaupt mit zur WM fährt. Man darf allerdings nicht ansatzweise darüber nachdenken, wieviel Geld für diese Sticker ausgegeben werden, aber irgendwie gehört es einfach dazu. Und irgendwie hat man immer Lothar Matthäus doppelt und dreifach.

Wir Deutschen, bekannt für unseren Hüftschwung und Eleganz am Ball, wie sonst könnte dies besser verkörpert werden als mit einer Hawaiikette. Die natürliche Grazie eines feiernden deutschen Fußball-Fans wird durch eine Hawaiikette noch unterstrichen.

Der Klassiker darf in keinem Fuhrpark fehlen, leider nur bedingt Autobahn-tauglich, es sei denn, man hält sich an die Richtgeschwindigkeit. Wichtig ist auch, daß mindestens zwei Fahnen am Auto wehen, optional ist allerdings die Fahne für die Hutablage oder Fahnen-Überzüge für die Außenspiegel.

Wilde Locken, da werden Erinnerungen an WM-Stars der letzten Jahrzehnte wach und beim Erinnern an Beckenbauer, Valderrama und Völler kann man sehr gut knabbern. Natürlich trinkt Mann dazu ein Bier, wobei ich den Klassiker HoPiHaLiDo durchaus präferiere. Das Format liegt gut in der Hand und nach dem Trink-Genuss kann herrlich männlich die Dose mit einer Hand zerknüllt und zu den anderen geworfen werden.

Auf Wo guckst Du? verabredet man sich zur WM 2010, entweder indem man Freunde zu sich nach Hause einlädt, oder eine von vielen Kneipen oder Public Viewing Plätzen auswählt und sich dort verabredet. Mit dem Vodafone Profilveredler kann man sicherheitshalber sein Profilfoto für Twitter und Facebook schon mal ordentlich pimpen, damit auch in den sozialen Netzwerken die Fußballbegeisterung angemessen rüberkommt.

[ Disclosure: Einige der Links verweisen zu Amazon und sollen mich reich und berühmt machen, andere Links verweisen zu Vodafone, an deren Social Media Aktivitäten ich mitwirke. ]

08. Juni 2010

Aufstand? Welcher Aufstand?

Netznutzer proben Aufstand schreibt Thomas Leidl auf n-tv.de. Zwar freue ich mich derzeit über jede Aufmerksamkeit, die die Aktionen wie wir-fuer-gauck.de, #mygauck oder mein-praesident.de bekommen, aber diesen Unterton finde ich völlig unmöglich.

Wieso proben die Netznutzer angeblich den Aufstand? Die Netznutzer, also Bürger dieses Landes, teilen ihre Meinung kund. Ist das ein Aufstand? Ich halte das für einen völlig normalen Vorgang. Ich halte es für zwingend, daß Bürger eines Landes sich artikulieren, sobald eine Wahl ansteht. Das ist nicht nur unser gutes Recht, das ist unsere Pflicht als Staatsbürger! Der einzige Unterschied, den wir heutzutage zu früher sehen, ist das Internet und die Möglichkeiten, die das Internet bietet. Die Auswirkungen der Verschriftlichung ursprünglich verbaler Kommunikation müssen wir noch verstehen lernen, denn es verändert sich die Art, wie Bürger sich einmischen können.

Selbsternannte “Web-Evangelisten” und Polit-Kampagneros werfen sich in die Bresche, um “das Netz zu politisieren” (Nico Lumma) oder die Kanzlerin die Macht der Masse schmecken zu lassen – und sei es in Form eines virtuellen Zugs durch die Gemeinde – mit Hilfe einer japanischen Web-Applikation. Das alles kommt so saft-, kraft- und ideenlos daher, als solle im Grunde nur gezeigt werden, dass man als Real-Politiker vor der “Netzgemeinde” nun ganz gewiss keine Angst haben muss.

Als Online-Journalist bei n-tv.de hat man sicherlich die Deutungshoheit mit Löffeln gefressen, anders kann ich mir das Zustandekommen dieses Textes nicht vorstellen.