Anfang vom Ende von schwarz-grün in Hamburg

Nach etwas über zwei Jahren hat der Hamburger Bürgermeister Ole von Beust heute das Ende von schwarz-grün eingeläutet. Das Projekt war 2008 unter großer Beachtung gestartet, aber der Glanz war ziemlich schnell ab und wurde von der Problematik überlagert, daß keines der Projekte des Senats erfolgreich umgesetzt werden konnte. Elbphilharmonie, A7-Deckelung, Stadtbahn, Kita-Gebühren und natürlich die Primarschule – all dies sind Politikfelder, auf denen die schwarz-grüne Koalition in Hamburg versagt hat. Das Regieren machte für Ole von Beust augenscheinlich keinen Spaß mehr, entweder waren die Grünen zu anstrengend, oder er konnte seine eigene Partei nicht überzeugen, jedenfalls war für Ole von Beust schnell klar, daß sein bevorzugter präsidialer Führungsstil in dieser Konstellation nicht funktionieren konnte. Aktiv regieren war Ole von Beust dann doch zu anstrengend, daher erfolgte heute der Rücktritt.

Der Rücktritt des Hamburger Bürgermeisters zeigt eindrücklich, wie sehr die schwarz-grüne Koalition in Hamburg gescheitert ist. Nun soll Innensenator Christoph Ahlhaus die Nachfolge als Bürgermeister antreten, augenscheinlich mit dem Kalkül, daß Ahlhaus bis zur nächsten Bürgerschaftswahl noch etwas Profil bekommen könnte. Allerdings müssen jetzt die Senatoren von der Bürgerschaft bestätigt werden, was sicherlich nicht für alle derzeit amtierenden Sentatoren einem Automatismus gleichkommen wird. Kultursenatorin Karin von Welck hat daher bereits die Konsequenz gezogen und ebenfalls ihren Rücktritt eingereicht. Christa Goetsch wird als Zweite Bürgermeisterin zur Wackelkandidatin, denn die CDU steht nicht hinter ihrer Schulpolitik und wird daher sicherlich bei der Bestätigung von Christa Goetsch ihren Unmut zum Ausdruck bringen. Die schwarz-grüne Koalition in Hamburg war ein Projekt von Ole von Beust und nun werden wir sehen, wie es bis zu den Bürgerschaftswahlen auseinander fliegen wird. Die CDU benötigt dringend ein neues Profil in der Hansestadt und wird kaum Rücksicht auf ihren grünen Koalitionspartner nehmen können, daher wäre der naheliegende Schluß, daß die Hamburger Bürgerschaft Neuwahlen beschließen sollte. Die schwarz-grüne Koalition in Hamburg ist am Ende und Christoph Ahlhaus wird ihr Totengräber.

Waldmeister. Damals. Wir hatten ja nix.

Ich war letztens im Annamaria, einer Eisdiele mit sehr leckerem Eis, unweit des Kollwitzplatzes im Prenzlauer Berg in Berlin, und da erspähte ich den quietschgrünen Bottich. Waldmeister. Nicht dieses ewige Pistazieneis, sondern Waldmeister. Wie in den 70ern. In meiner Erinnerung war in den 70ern sowie so alles mit Waldmeister-Geschmack zu bekommen. Eis, Limonade, irgendwelche Bonbons, also alles, was für einen kleinen Jungen wichtig war. Meine Mutter fand immer, das alles mit Waldmeister irgendwie künstlich schmeckte. Ich wusste gar nicht, wie Waldmeister anders schmecken konnte. An meinem 16. Geburtstag gab es neben dem SPD-Parteibuch Berliner Weiße mit Schuß. Waldmeister natürlich. Lecker. Für mich eines der Getränkehighlights der 80er, auch wenn es irgendwann durch Tequila abgelöst wurde.

Aber irgendwie war Waldmeister in den letzten Jahren dann nicht mehr so präsent für mich. Bis zum Besuch von Annamaria, jetzt bin ich wieder angefixt. Und heute habe ich dann Green Waldmeister Limonade zur totalen Freude im lokalen Edeka erspäht und mir erst einmal eine Flasche gegönnt. Meine Frau wies mich darauf hin, daß das Getränk künstlich schmecke und hat auch sofort die Liste der Zutaten studiert. Ich finde die Waldmeisterlimonade lecker, schmeckt so wie in den 70ern. Für mich ist das jetzt schon das Getränk des Sommers.

Social Media Marketing Strategien als Buch

Social Media Marketing: Strategien für Twitter, Facebook & Co ist ein neues Buch aus dem Verlag O’Reilly, von dem man natürlich gute Bücher erwartet. Dieses Buch ist eher eine Ausnahme, vermute ich.

Ich beschäftige mich schon ein klein wenig länger mit Social Media Marketing Strategien und wenn man dann so ein Buch in die Hand bekommt, ist natürlich erst mal die Frage: “was kann ich lernen?” gefolgt von der Befürchtung “hoffentlich habe ich nicht alles falsch gemacht” – schließlich ist das Thema komplex und verändert sich schnell.

Weder die Frage noch die Befürchtung wurden von diesem Buch in irgendeiner Weise tangiert, eigentlich hätte das Buch “Einführung in einige Social Media Grundlagen” heissen müssen, so hat es leider sein Thema völlig verfehlt. Das Buch ist für den amerikanischen Markt geschrieben, mit einigen Anpassungen für den deutschen Markt ausgestattet, und beschreibt die gängigsten Plattformen, und was man da so machen kann. Da es sich um ein Buch handelt, ist es natürlich uralt im Vergleich zu dem, was gerade an Informationen im Web zu finden ist. Die vorgestellten Cases sind allesamt bekannt und sehr knapp abgehandelt, von den Strategien ist außer Allgemeinplätzen, die man auch auf den üblichen Weblogs finden kann, nichts zu sehen.

Ich habe das Buch in ca. 30 Minuten quer gelesen, was bei 388 Seiten sicherlich einiges aussagt über die Qualität des Buches. Das größte Manko ist, daß ein großer Teil für den deutschen Markt schlicht irrelevant ist, da hier zu wenig auf die deutschen Plattformen oder gar deutsche Cases eingegangen wurde. Die Fokussierung auf Cases aus den USA, die weltweit bekannt geworden sind, suggertiert natürlich, daß man auch in Deutschland sofort Massen erreichen kann. Es gibt einen massiven Unterschied zwischen Deutschland und den USA – das wurde in diesem Buch viel zu wenig thematisiert.

Mein Vorschlag: das Buch sollte umbenannt werden, dann noch einen Fokus auf den deutschen Markt bekommen, um 200 Seiten verkürzt und als Einsteigerbuch verkauft werden, dann passen Inhalt und Verpackung besser zu einander. Das Thema des Buches “Social Media Marketing Strategien für Twitter, Facebook & Co” wird total verfehlt und vor allem nur am Rande erwähnt. Wobei ich mich natürlich frage, ob ein Buch dafür überhaupt das richtige Medium sein kann.

Der nächste Neustart kommt bestimmt

Nachdem ich den Artikel Koalition nach der Wulff-Wahl: Der nächste Neustart kommt bestimmt bei SpOn gelesen hatte, kam mir die Idee, die nächsten Monate bis zur Neuwahl die Durchhalte- und Zusammenreiß-Parolen der schwarz-gelben Koalition auf Der nächste Neustart kommt bestimmt zu dokumentieren. Daher habe ich kurz ein Tumblr-Blog eingerichtet und würde mich jetzt freuen, wenn möglichst viele Leute mitmachen und Fundstücke mitsamt Quelle hochladen. Das Projekt geht maximal bis zur Bundestagswahl 2013, oder wann auch immer die Zerstrittenheit der Koalition so stark ist, daß Neuwahlen stattfinden müssen.

Ich freue mich auf Eure Einsendungen bei diesem Mitmach-Projekt! Der nächste Neustart kommt bestimmt.

Fail #wk107?

Und dann war da noch die gestrige Scroll-Edition der Welt kompakt. Nein, ich habe mir die Zeitung nicht gekauft, aber mal kurz einen Blick darauf geworfen und einige Riemen der Blogger online gelesen. Schnell hat man gestern lesen können, daß das Experiment nicht funktioniert habe, aus den verschiedensten Gründen, da kann ja jeder kommen, und so weiter und so fort. Man kennt das ja.

Ich finde es super, daß die Welt kompakt dieses Experiment versucht hat. Ich fand das Format auch unhandlich und die Inhalte eher für eine Wochenzeitung passend, aber allein die Idee, mal aus dem täglichen Trott auszubrechen und etwas Neues zu unternehmen, finde ich großartig. Für alle Beteiligten gab es garantiert Lern-Effekte, nicht nur für die Blogger und die Journalisten, sondern auch für die Leser. Ich hätte die Blogger allerdings nicht zum freien Riemenschreiben animiert, sondern unter Zeitdruck zu einem Thema recherchieren lassen, das wäre bestimmt interessant geworden. Gleichzeitig ist jetzt natürlich die Frage, welche Blogs künftig an einem Adopt-a-Journalist-Day von eine echten Journalisten mit Premium-Inhalten versorgt werden, inklusive Distribution über Twitter und Co. Ich glaube, Journalisten, Blogger und Leser können ordentlich von einander lernen und daher sind derartige Experimente klasse, auch wenn sie nicht immer 100% gelingen oder gleich die Auflage dauerhaft vergrößern. Es spricht für die Welt kompakt, dieses Experiment gestartet zu haben und es passt natürlich auch sehr zum Selbstverständnis des Blattes, die Tageszeitung für diejenigen zu sein, “die sich vom Zeitunglesen eigentlich schon verabschiedet hatten.”