05. August 2010

Was würde Google tun, um sich neu zu erfinden?

Länger schon stellen sich viele Beobachter des Online-Marktes die Frage, wie und wann Google auf das massive Wachstum und die hohe Nutzungszeit von Facebook reagieren würde. Nun berichtete Techcrunch unlängst, daß Vic Gundotra, VP Engineering und bislang für Android verantwortlich, sich um die Social-Themen des als Suchmaschine gestarteten Google kümmern wird. Ebenfalls wurde bekannt, daß Google für $182 mio Slide.com kaufen werde, die eine enorme Reichweite in den Zeiten aufgebaut hatte, als MySpace noch die große neue Sache am Internet-Himmel war. Anfang Juli wurde von einem $100 Mio Investment in die Social Games Plattform Zynga berichtet. Man könnte also glatt meinen, Google macht jetzt Druck. Gleichzeitig allerdings wird die Eigenentwicklung Google Wave nicht mehr weiterentwickelt, die wahrscheinlich ewig unterschätze Plattform für kollaboratives Arbeiten.

Google steht unter einem enormen Druck, sich jetzt mal eben neu zu erfinden. Facebook verknüpft User-Beziehungen mit Inhalten, während Google die Inhalte bereits im Index hat, aber die sozialen Beziehungen der User untereinander fehlen, die diese Inhalte sinnvoll anreichern würden. Beide Unternehmen nähern sich also dem Thema Relevanz von unterschiedlichen Enden, wobei es Google deutlich schwerfällt, die sozialen Beziehungen der User untereinander greifbar zu machen.

Kann sich Google neu erfinden? Kann das Unternehmen die DNA verändern und den Fokus verschieben von einer Fokussierung auf Programmierung und Entwicklung hin zu den Usern und ihren Beziehungen untereinander? Kann Google das Thema Social in seinen Kern aufnehmen? Oder werden wir sehen, wie Google seine schiere Größe zum Verhängnis wird, weil man einfach nicht mehr ordentlich auf Anforderungen des Marktes reagieren kann? Google hat unglaublich viele smarte Menschen, aber sind dies die richtigen? Wenn ich mir die aktuellen Nielsen-Zahlen zur Internet-Nutzung in den USA angucke, dann sieht man deutlich, was für ein riesiger Markt im Bereich Social Networks entsteht, den Google mit all seinen Versuchen nicht wirklich erreicht hat. Google ist bei allem, was es tut, sehr technisch-fokussiert, sehr klar und kühl sind die Angebote gestaltet, und gerade bei den Google Profilen merkt man, daß für den Umgang mit Social Media das Verständnis für die Belange der User fehlt. Da hilft es nicht, einfach nur ein Produkt anders zu gestalten, der Kern der Produkt muß mit einem Ansatz aufgebaut werden, sonst klappt das Thema Social nicht.

Was würde Google tun, um sich neu zu erfinden?

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Ich glaube Facebook ist gekommen um zu bleiben und das eben genau weil Suchen und Finden immer ein Thema bleiben wird. Mit den Social Plugins und der Mu00c3u00b6glichkeit den "I like" Button in jede Website einzubauen bewegt sich Facebook ja bereits in diese Richtung.

Denn was ist die Konsequenz wenn der "I like" Button sich auf vielen Websites verbreitet? Ein Voting der User fu00c3u00bcr Inhalte. Wie weit ist das noch entfernt vom Voting durch Links, der Basis von Google? Und sind echte "Likes" nicht ungleich relevanter als (nicht selten manipulierte) Links?

Wenn Facebook es schafft fu00c3u00bcr die Social Plugins eine breite Akzeptanz zu erreichen und die "Likes" in ein globales Website Ranking zu u00c3u00bcberfu00c3u00bchren ist die personalisierte Suche da, die bei Google schon seit langem ungenutzt vor sich hindu00c3u00bcmpelt.

Und damit bekommt die Relevanz noch einmal einen entscheidenden Schub, denn was ku00c3u00b6nnte relevanter sein als bereits durch meine soziale Peer Group vorgefilterte Suchergebnisse?

Ich will auf keinen Fall sagen, dass Social Media unwichtig sei. Aber welche Relevanz Facebook in fu00c3u00bcnf Jahren haben wird, lu00c3u00a4sst sich schwer sagen. Suchen und Finden wird als Thema dagegen mit Sicherheit aktuell bleiben.

Social Media ist wichtig, aber ich bin nicht der Meinung, dass Google unbedingt Facebook Konkurrenz machen muss. Neue Geschu00c3u00a4ftsfelder ku00c3u00b6nnen ganz woanders liegen.

Der erste Versuch als Smartphone-Verku00c3u00a4ufer war zwar nicht so erfolgreich, aber was spricht dagegen, dass Google eine Firma kauft, die etwas vom Online-Verkauf versteht und dann einen neuen Anlauf nimmt? Smartphone, Tablets und E-Book-Reader wu00c3u00a4ren auch deshalb interessant, weil eine starke Verknu00c3u00bcpfung mit bestehenden Angeboten mu00c3u00b6glich wu00c3u00a4re.

meine 5 cent

- Datenschutz viel hu00c3u00b6her aufhu00c3u00a4ngen
- Image hinsichtlich Datenschutz extrem verbessern
- Paid Services/Apps ausbauen (tun sie bereits)
- mehr auf Nutzer hu00c3u00b6ren
- mehr Werbung machen (in Deutschland z.b. absolut nu00c3u00b6tig)
- emotionalere Produkte machen

keine Firma pusht gute Dienste/Anwendungen via Web so sehr wie google

keine Firma hat auch so sehr das Budget hierfu00c3u00bcr wie google

Viel Weisheit steckt in diesem Tweet:

"@kevindente Google = engineers run amok. Apple = designers run amok. Microsoft = middle managers run amok."

http://twitter.com/kevindente/status/15869305425