Nugg.ad wird gelb

Nico —  24.08.2010

Der Berliner Predictive Behavioral Targeting Dienstleister Nugg.ad AG wurde von der Deutschen Post übernommen. Eigentlich ist kaum eine Firmen-Übernahme es wert, in diesem Blog diskutiert zu werden, aber dieses Mal mache ich eine Ausnahme.

Vor ein paar Jahren, als ich noch bei Media Ventures war, bin ich beim Scouting von Internet-Startups auf Nugg.ad gestoßen und war von der Grundidee ziemlich angetan. Nugg.ad macht Predictive Behavioral Targeting, d.h. neben den üblichen Targeting-Kritieren, die zu Rückschlüssen auf die User führen können, werden Umfragen eingeblendet, um die Profile noch zu verfeinern. Das Ergebnis ist, daß Online-Werbung gezielter ausgeliefert werden kann, im Idealfall weniger nervt und noch dazu auch die Clickrate erhöht wird. Targeting-Anbieter gibt es zahlreiche, aber die Grundidee des umfrage-gestützten Targetings finde ich sehr naheliegend. Nach einigen Gesprächen ist dann Media Ventures bei Nugg.ad als Investor eingestiegen und seitdem betrachtete ich die Entwicklung von Nugg.ad immer etwas genauer als die anderer Firmen, zumal ich mittlerweile mit dem Gründer Stephan Noller befreundet bin. Ich will jetzt aber nicht ansatzweise irgendwelche Lorbeeren für die Entwicklung von Nugg.ad claimen, mit dem operativen Geschäft hatte ich nie etwas zu tun, vielleicht auch ein Grund für den Erfolg, man weiß es nicht.

Die Übernahme ist aber auch deshalb spannend, weil die Post einen beachtlichen Schritt in den Onlinewerbemarkt macht. Und zwar nicht, indem irgendwelche Portale gelaunched werden, die dann verkümmern, weil sie niemand braucht, sondern als Teil der Kernkompetenz der Post, als Dienstleister, um Kunden zu erreichen. Böse Zungen sehen da noch einen anderen Grund, auf den ich an dieser Stelle nicht weiter eingehen werde…

Nugg.ad funktioniert idealerweise als neutraler Dienstleister, der dafür sorgt, daß die Reichweite der Websites bzw. der Vermarkter veredelt werden, damit Online-Werbung zielgerichteter und effizienter ausgeliefert werden kann. Da der deutsche MItbewerber Wunderloop kürzlich insolvent gegangen ist und dann vom amerikanischen Marktführer Audience Science aufgekauft wurde, benötigte der deutsche Markt eine neutrale Lösung, die die Interessen der Medienhäuser und Verlage wahrt und ein Gegenpol zu amerikanischen Anbietern wie Audience Science und Google bilden kann. Die Post ist so unabhängig, daß durch die Übernahme von Nugg.ad jetzt die Firma wachsen und ihre Marktposition ausbauen kann.

Ich freue mich für Stephan Noller und das Team von Nugg.ad, die jetzt gestärkt ihren Weg weiter beschreiten können.

[ via: Neues Geschäftsfeld im Internet: Deutsche Post will Online-Werbung verkaufen – Unternehmen – Wirtschaft – FAZ.NET ]