Anmerkungen zur Debatte um Google Street View

Nico —  26.08.2010

Die deutsche Aufregung um Google Street View ist beachtlich und auch wenn ich die Aufregung nicht teile, habe ich dennoch ein paar Anmerkungen zur Debatte.

1. An „don’t be evil“ glaubt bei Google schon lange niemand mehr. Google hat völlig verkannt, wie der deutsche Markt auf Google Street View reagieren würde und hat daher das neue Produkt völlig falsch eingeführt und zu wenig im Vorfeld Vertreter von politischen und gesellschaftlichen Gruppen involviert. Der deutsche Markt ist anders, das ist jetzt keine sonderlich neue Erkenntnis, aber das hätte Google wissen müssen. Da ist es mit dem Schalten von Anzeigen nicht getan.

2. Die Diskussion um Google Street View ist geprägt von Halbwissen und der Verbreitung von Halbwahrheiten unter Ausschöpfung der gängigen Vorurteile. Panikmache ist gut für die Auflage, bzw. die Quote, also machen alle fröhlich mit, interviewen unbedarfte Rentner, pushen ein Nicht-Thema in das Sommerloch und zwingen dann auch noch die Politik zum Handeln, wo eigentlich gar kein Handeln erforderlich ist.

3. Die Beschäftigung mit Google Street View führt zu einer Nichtbeachtung anderer, viel relevanterer Netz-Themen, die aber weniger greifbar sind. Naheliegend wäre beispielsweise, das Thema Digital Literacy in den Vordergrund zu stellen, denn wie die Diskussion um Google Street View zeigt, gibt es zu diesem Thema noch massiven Nachholbedarf in Deutschland. Oder auch Netzneutralität, Online-Profiling, Informationelle Selbstbestimmung oder Vorratsdatenspeicherung, um nur einige zu nennen, wären Themen, die in der Breite der Gesellschaft diskutiert werden sollten.

8 responses to Anmerkungen zur Debatte um Google Street View

  1. zu 1: Ich neige inzwischen zu der These, Google hätte Streetview einfach live schalten sollen. Ohne viel Tamtam. Sich dieses Widerspruchsgedöns abringen zu lassen, war wohl eher ein Fehler.
    zu 3: Ja und nein. Natürlich ist Streetview nicht so wichtig. Andererseits scheint damit jetzt endlich das Thema gefunden zu sein, bei dem die Gräben aufbrechen und man erkennt, wer wo steht. Und außerdem: Es geht bei der Debatte um Streetview ja nicht wirklich um Streetview oder Google, sondern ums Prinzip. Lassen wir uns in unseren Freiheitsrechten einschränken, nur weil einigen Leuten das Internet Angst macht?

  2. Mal nebenbei: Kann mir mal jemand erzählen, warum in immer mehr Blogs, diese dämlichen Kommentar-Tools auftauchen, die mich dann auch noch der E-Mail-Adresse fragen. Einfache WP-Kommentare reichen doch voll und ganz.

    • @50hz @50hz weil dies hier mein blog ist und ich gerne mal neue kommentar-tools ausprobieren möchte. wenn du das nicht magst, dann kommentier doch woanders. :p

    • @NicoLumma Die Antwort hätte ich auch selbst schreiben können.

    • @50hz tja. :)

  3. OliverGassner 31.08.2010 at 15:42

    KÖnnte man das Streetviewthema nicht beerdigen, indem mal einer ausrechnet wie viel Arbeitsplätze es kostet, wenn man es nicht hat? Schließlich ist es eine absatzfördernde Geschichte, wenn ich sehen kann, wie ich zu nem Laden komme etc.

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  1. Lesenswerte Artikel 27. August 2010 - 27.08.2010

    […] Anmerkungen zur Debatte um Google Street View “Die Diskussion um Google Street View ist geprägt von Halbwissen und der Verbreitung von Halbwahrheiten unter Ausschöpfung der gängigen Vorurteile. Panikmache ist gut für die Auflage, bzw. die Quote, also machen alle fröhlich mit, interviewen unbedarfte Rentner, pushen ein Nicht-Thema in das Sommerloch und zwingen dann auch noch die Politik zum Handeln, wo eigentlich gar kein Handeln erforderlich ist.” […]

  2. Die deutsche paradoxe Paranoia | Matthias Lehming - 29.08.2010

    […] neulich ja schon, dass diese Diskussion vor allem durch solides Unwissen geprägt ist. Auch Nico Lumma bestätigt mich darin – und kommt zu dem alarmierenden Ergebnis, dass dadurch viel wichtigere Themen in den […]