Flow.Control.Trendtag.

Nico —  15.09.2010

Nach 14 Jahren Abstinenz war ich nun endlich mal beim Trendtag. Been there, done that, bought the T-Shirt. Der Trendtag ist so etwas wie die Establishment-Version der Konferenzen, zu denen ich sonst gerne gehe, oder gehen würde. Also quasi eine Art der Bestätigung, daß die Themen, die bei Reboot, Next und Co. vor Jahren diskutiert wurden, jetzt auch wirklich Wirklichkeit werden könnten. Das soll jetzt nicht so arrogant klingen, wie es hier steht, schliesslich hat der Trendtag eine völlig andere Zielgruppe als irgendwelche Konferenzen, die sich um die allerneuesten Entwicklungen an den Schnittstellen von Internet, Gesellschaft, Kunst, Wirtschaft und vielem anderen mehr kümmern.

Bereits zum Anfang hat der Trendtag mir noch einmal deutlich gemacht, daß es sich manchmal durchaus lohnen kann, etwas zu warten, aber auch etwas zu geben. Die aktuelle Brand Eins, die ich mir eigentlich schon vor einiger Zeit kaufen wollte, war heute im Trendtagbeutel in der im letzten Jahr trendigen Trendfarbe lila. Ebenso wie die aktuelle Ausgabe der GDI Impulse, die ich gerade gestern verliehen hatte und die ich nun nicht mehr zurückbekommen muß, kannste behalten, Ecki. Außerdem bin ich jetzt stolzer Besitzer eines schwarzen „Der Spiegel“-Bleistift, dafür habe ich allerdings auch noch jede Menge Papiermüll in der Trendtagetasche gefunden, wie immer bei derartigen Konferenzen.

Der Trendtag fand in der Bucerius Lawschool in einem Hörsaal statt und damit ist das Setting auch schon klar. Vorne wird geredet, auf den Rängen zugehört. Dazu wurde der Saal verdunkelt. Die Performance der Redner sollte komplett im Vordergrund stehen, einzig die Moderatorin hatte Nachfragen. Aufgeboten wurde ein ziemliches Star-Ensemble, mit dem man für ein Mainstream-Publikum, und das ist überhaupt nicht negativ gemeint, nichts falsch machen kann. Na gut, auf Prof. Norbert Bolz und sein Platitüden-Pingpong oder Dr. Eckart v. Hirschhausen mit seinen ewigen Kalauern hätte ich durchaus verzichten können, aber Prof. Peter Wippermann hat mit seiner Präsentation sehr gekonnt das Thema Flow.Control. eingeführt und das Spannungsfeld zwischen Flow und Control sehr gut beleuchtet. Erwartungsgemäß war Manuel Castells Vortrag über „Digital Communication Networks and the Transformation of Politics“ ein absolutes Highlight und ich denke mal, daß ich eventuell sogar mal einen Blick in sein Buch Communication Power werfen werde, allein schon wegen der im Vortrag gefallenen Zitate „network society has been grassrooted“ und „instant communities of political practice“. Douglas Rushkoff hat dann für Erstaunen gesorgt mit seiner Forderung, daß jeder Programmieren lernen sollte, denn „program or be programmed“ und das einfache Nutzen von Programmen werde in Zukunft nicht ausreichen. David Bosshart vom GDI hat dann in einem Vortrag über „hybrid thinking vs. silo thinking“ interessante Aspekte über die Art und Weise, wie derzeit gerade in Firmen gedacht wird und wie hybrides Denken in Zukunft aussehen wird. Danach war für mich der Trendtag vorbei, Preisverleihungen sind nicht so mein Ding und Jimmy Wales kann ich auch nicht mehr hören.

Persönliches Highlight: einmal als Beifahrer im Tesla Roadster unter großzügiger Auslegung der StVO um den Block gefahren zu werden. Die Beschleunigung vom Tesla Roadster ist phänomenal, aber das absolut nicht existente Motorengeräusch wirkt etwas spooky, außerdem ist der Kofferraum recht klein, habe ich mir sagen lassen. Aber die Beschleunigung, herrlich.

Fazit: Spannendes Rahmenthema, tolle Referenten, quasi null Interaktion, keine Diskussion, nur Vorträge, ein bisschen zu viel Buch-Promo-Tour, aber definitiv kurzweilig und insightful, wie man heutzutage ja so schön sagt. Das Team um Prof. Wippermann hat ein gutes Händchen mit der Auswahl der Themen und Referenten bewiesen.

7 responses to Flow.Control.Trendtag.

  1. Trendtag. „Also quasi eine Art der Bestätigung, daß die Themen, die bei Reboot, Next und Co. vor Jahren diskutiert wurden, jetzt auch wirklich Wirklichkeit werden könnten.“ :) Genau.

    „Communication Power“ von Castells ist definitiv lesenswert. Empfehle es in einer Wochenend-Kombi mit Elias Canettis „Masse und Macht“.

    • @jensbest naja, ich will das jetzt nicht übertreiben. reicht schon, daß ich einen ganzen tag im hörsaal gesessen habe. :)

  2. ein wenig dislike: Zu viel Gedöns-Gerede um die Location und das Drumherum. Empfehle ohnehin, die „Social Media-Veranstaltungen“ künftig zu vermeiden, um mehr ins Real Life zu gehen. Meinungen? Options? Trends? Etwas magerer Bericht. War der der Tesla wirklich so schnell?

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