Eine kürzere und richtigere Anmerkung zu Facebook und Markenwebsites.

Nico —  16.11.2010

Martin Oetting findet eine seltsame Kneipen-Analogie in seinem Text Eine kurze Anmerkung zu Facebook und Markenwebsites:

Facebook ist eine riesige Kneipe. Da sollte man als Marke hingehen und sich aufhalten, Leute kennenlernen, Freundschaften schließen. Aber zu glauben, dass man dort sein Zuhause findet, halte ich für gefährlich. Denn dann liegt man irgendwann besoffen unter dem Tisch – wie das so ist bei Leuten, die in Kneipen „wohnen“.

Ich glaube, die Kneipen-Analogie ist völlig falsch gewählt. Wenn man schon Facebook und Marken-Websites miteinander vergleichen will, was m.E. eher absurd ist, weil beide ihre Daseinsberechtigung haben, aber eben auch unterschiedliche Anwendungsszenarien erfordern, dann würde ich eher den Vergleich eines einfachen Ladens vs. Laden in Einkaufszentrum und von mir aus auch noch vs. Shop-in-Shop wählen. Beim Einkaufszentrum und Shop-in-Shop profitiert man von der Laufkundschaft anderer, hat aber ein Problem, sollte das Einkaufszentrum oder das Geschäft schließen, in dem sich der Shop-in-Shop befindet. Aber solange die Infrastruktur nutzbar ist, kann ein Laden im Einkaufszentrum eine sehr gute Wahl sein.

Bevor man also irgendwelche Verallgemeinerungen zum Thema „Hin und wieder fragen sich Marketingleute derzeit, ob es nicht sinnvoll wäre, die eigene Markenwebsite einfach abzuschalten und die ganze Sache komplett auf Facebook zu verlagern.“ anstellt, sollte man sehr genau darauf achten, was die jeweilige Marke online erreichen will. Erst danach stellt sich die Frage, ob eine eigene Markenwebsite sinnvoll wäre, oder eine Facebook-Fanpage oder vielleicht nur ein Blog. Aber pauschalisierende Antworten und seltsame Kneipen-Vergleiche bringen wenig Erkenntnisgewinn.

5 responses to Eine kürzere und richtigere Anmerkung zu Facebook und Markenwebsites.

  1. Wenn wir schon beim lustigen Metaphernbasteln sind: Facbook ist das Wohnzimmer. Und genau so sollten Marken/Firmen sich auch in der Ansprache benehmen.

  2. Sorry, ich halte es mit Martin. Dein Shop-in-shop-Vergleich unterstellt doch latente Kaufbereitschaft und degradiert Facebook zu Marktplatz. Das ist es aber für viele Nutzer eben nicht, sondern tatsächlich eher die digitale Analogie zur Kneipe, in der Abhängen, Spaß haben und Zeit totschlagen angesagt ist.

  3. JanSchmidt 24.11.2010 at 14:55

    Möchte Enno zustimmen und ergänzen: Facebook ist wie ein _holländisches_ Wohnzimmer, also ohne Gardinen, sodass auch Leute von aussen (und unbemerkt) zusehen können.

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  1. Mottowoche auf Facebook – nicht im Kaufhaus oder in der Kneipe | sbstr - 17.11.2010

    […] Einziger Mehrwert: „Spaß“. Egal ob man Facebook nun mit einer Kneipe oder einem Einkaufszentrum vergleicht. Klappt […]

  2. Facebook: Eine Ergänzung ist kein Ersatz « kadekmedien's Blog - 22.11.2010

    […] aufgegriffen worden, mit einem nicht konsequent zu Ende gedachten Vergleich, einer präzisierenden Entgegnung und schließlich einer umfassenden Aufklärung über die damit verbundenen […]