Archiv für November 2010

15. November 2010

Die neue Alles-Inbox bei Facebook

Mit See the Messages that Matter kündigt Facebook seinen neuen Unified-Messaging-Dienst an. Moment, das Wort steht doch eigentlich für irgendwelche zusammengeflanschte Dienste, die nie wirklich gut zusammengepasst haben. Wieso sollte das bei Facebook besser sein?

Aus mehreren Gründen:
- Facebook hat 500 Mio User und ein stabiles, aber auch simples Messaging-System am Laufen, das durch Instant-Messaging ergänzt wird.
- XMPP im Backend erlaubt eben genau die Art der Konversationen, wie sie Facebook vorschwebt: unterschiedliche Übertragungswege, unterschiedliche Teilnehmer, eine Inbox.
- die Marktdominanz von Facebook wird dafür sorgen, daß sich dieses System durchsetzen wird, insbesondere, wenn es eben auch mit normaler Email funktioniert.

Die neue Email-Adresse username@facebook.com wird einen anderen Impact haben als Google Buzz oder Wave. Facebook-Nutzer sind auf der Plattform, um zu kommunizieren. Da ist eine nahtlose Integration eines Messagingdienstes nichts total ungewöhnlich, anders als es mit Buzz oder Wave bei Google der Fall ist. Über die Privacy-Implikationen sollte man sich allerdings schon ein paar Gedanken machen, schliesslich werden auch User ohne Facebook-Accounts jetzt Teil des Systems, allerdings waren auch bei Mails an Gmail-, Hotmail-, oder AOL-Accounts die Befürchtungen bei einigen Protagonisten groß und die Implikationen dann eher nicht meßbar. Nur im Fall von Facebook wird das anders sein und noch mehr für eine EInbeziehung eigentlich externer Daten in das System von Facebook sorgen. Thomas Hobbes allerdings müsste eigentlich seinem Leviathan ein neues Kapitel spendieren.

Aus Usability-Gesichtspunkten dürfte der neue Messaging-Dienst von Facebook allerdings sehr spannend werden und der guten alten Email einen neuen Twist in Richtung Instant Messaging geben und damit eher bei der Messaging-Realität der Nutzer ankommen.

11. November 2010

Ein Leben auf Facebook

[ gefunden auf Facebook... ]

10. November 2010

Take Ivy – Die Bibel des Preppy-Style

Lange schon fasziniert mich der amerikanische Preppy-Style, auch wenn ich selber eher amerikanische Fashion-Klassiker wie Jeans, Khakis, Sweatshirts oder Rugbyshirts trage. Mit Take Ivy ist jetzt ein wundervolles Buch wieder aufgelegt worden, das 1965 in Japan erschienen ist und dort dem Preppy-Style zu ziemlicher Beliebtheit verholfen haben soll. Take Ivy blickt auf den Preppy- oder Ivy-Style und gibt gewissermaßen eine Einführung in das Thema aus japanischer Sicht.

Das Buch ist faszinierend aus zwei Gründen:
1. Farb- und Schwarzweiss-Fotos zeigen das College-Leben auf den Campus der Ivy-League Colleges in der Mitte der 60er Jahre, immer jedoch mit einem Augenmerk auf Fashion und Style. Die Fotos sind oft ordentlich grobkörnig und sehen aus wie richtige Snapshots von Leuten, die gar nicht merken, daß sie fotographiert werden.

2. Der Autor beobachtet mit einer gehörigen Distanz das bunte Treiben der Studenten und schreibt in einem eher nüchternd wirken wollenden Stil Sätze wie “A student wearing a football jersey top, a pair of cutoff shorts, and leather sandals. A typical example of uncouth style” oder “In order to entirely understand the spirit of ‘Ivy,’ you must appreciate and master all aspects of American East Coast culture.” Meinen Lieblingssatz konnte ich allerdings im Abschnitt College Life unter der Überschrift “Play hard…” finden: “When with male friends, male students may go on drinking sprees, which although usually tempered, sometimes involve the students bingeing to the point of unconsciousness.”

Ich habe nie an einem Ivy League College studiert, aber Take Ivy kann einen ziemlich guten Eindruck davon vermitteln, wie das Studium und vor allem das gesellschaftliche Leben an einer Elite-Uni an der amerikanischen Ostküste ausgesehen hat.

09. November 2010

Kik – Messaging App geht steil viral

Vor 5 Jahren hatte ich die Idee zu Mabber, einem Startup, das Instant Messaging einfacher machen und vor allem vom Desktop befreien sollte. Neben einer sehr umfangreichen Web-App hatten wir auch eine schnieke mobile App, die für damalige Verhältnisse extrem viel konnte. Aber das Thema war zu früh und wir haben sehr viel Zeit mit technischen Grundlagen verbracht, um nur einige Gründe für den Mißerfolg des Startups zu nennen.

Mittlerweile sind wir weiter, über 150 Millionen User nutzen Facebook mobil und dabei eben auch die Chat-Funktion. Aber auch SMS wird immer noch genutzt.

Der Kik Messenger bietet jetzt kostenloses Realtime Texting für Blackberry, Android und iPhone an. Ein simples Interface erlaubt einfaches Hin- und Herschicken von Textnachrichten, gepaart mit visuellen Hinweisen, ob die Nachricht versendet, empfangen oder gelesen wurde.

Was aber richtig praktisch und vor allem spooky ist: Kik durchsucht das Adressbuch des Mobiltelefons nach Kontakten und fügt diese automatisch bei Kik hinzu, sobald sich ein bestehender Kontakt dort anmeldet. In 18 Tagen wurden so lumpige 1,5 Mio User für Kik gewonnen.

Kik hat eine ziemlich disruptive Seite, denn die gute alte SMS wird frontal angegriffen mit einem Tool, das Textnachrichten über die Datenverbindung an die Kontakte im Adressbuch verschickt. Ich vermute, daß Kik bald den Backlash der Telkos erfahren wird und wie im Fall Skype/VOIP die AGB entsprechend modifiziert werden dürften. Ach ja, und das Auslesen des Adressbuches und automatische Matching dürfte auch bald Geschichte sein: Speedy Messaging App Kik Goes Viral, But Is It Cool With Apple’s TOS?.

Kik dürfte eine interessante Phase vor sich haben.

08. November 2010

RockMelt – ist das alles?


Wenn Marc Andreesen in einen neuen Browser investiert, der noch dazu einen massiven Anspruch im SInne von RockMelt – Your Browser. Re-imagined. definiert, dann lohnt es sich, das Produkt einmal zu testen.

Der Browser RockMelt ist sehr social. Das fängt schon damit an, daß man für die Einladung zum Beta-Test keine Email-Adresse irgendwo eingeben muß, sondern über Facebook-Connect Rockmelt über das Interesse am Beta-Test informiert. Direkt nach dem Launch des Browser kommt dann zu allererst auch der Hinweis, daß der Browser versucht, sich bei Facebook anzumelden und dann auch eine ellenlange Liste von Freigaben vom User erwartet. Danach sieht man einen Browser, der auf Chromium basiert und eben ein Stück wie Google Chrome aussieht. Links in einer Seitenleiste werden die Facebook-Freunde eingeblendet, die gerade ein Status-Update gepostet haben und auf der rechten Seite kann man neben Facebook auch noch andere Dienste wie Twitter konfigurieren und hat diese dann im direkten Zugriff. Des Weiteren gibt es einen Share-Button oben neben der URL-Zeile des Browsers und eine Suchbox, die eine Voransicht des Gesuchten anzeigt.

Ich war ehrlich gesagt underwhelmed. Ich habe eh immer je ein Tab für Twitter und Facebook auf, da hat jetzt die neue Anordnung für mich keine größeren, bzw. sofort ersichtlichen Vorteile. Irgendwie hatte ich gedacht, man kann mehr machen also nur leichter mit Facebook-Freunden zu chatten, was wirklich nett funktioniert, oder eben Links sharen. Für mich stellt sich die User-Experience als eher anstrengend da, denn während der normalen Benutzung sieht man ständig irgendwelche Icons, die auf Updates hinweisen.

Ist ja noch Beta, ich freue mich auf die nächsten Releases. Insbesondere für Social Commerce könnten Browser wie RockMelt sehr spannend werden, aber da sind die Entwickler von RockMelt noch lange nicht.