Amy MacDonald in Hamburg

Gestern abend waren wir beim Konzert von Amy MacDonald in Hamburg. Amy Macdonalds Charme versinkt in brachialem Sound schreibt das Abendblatt nach dem Konzert und ich frage mich dann schon, wo die waren. Ich fand es eher zu leise, aber durchaus auch ein wenig schlecht ausgesteuert.

Ich habe jetzt zum dritten Mal Amy MacDonald live gesehen und fand ihre Performance im Stadtpark vor einem Jahr besser und auch passender für sie. Die O2 World Arena in Hamburg ist einfach massiv groß und für jemand wie Amy MacDonald, die sich als Singer/Songerwriter sieht, vielleicht nicht die beste Location. Sie hat ihre bekannten Songs wie “This is a Life” genauso gespielt wie “Mr. Rock’n Roll”, wobei vor allem die Ansagen a la “diesen Song habe ich vor 8 Jahren geschrieben” beeindruckend waren (Amy MacDonald ist 1987 geboren) und natürlich auch “Spark” und “This Pretty Face”. Die Stimmung war gut und als Zugabe kam wieder ein Song von Bruce Springsteen, allerdings nicht wie erwartet “Dancing in the Streets”, sondern “Born to Run”, der eindrucksvoll nur von Amy MacDonald auf der akkustischen Gitarre vorgetragen wurde. Wie cool das ist, könnt ihr unten am Beispiel von “Dancing in the Dark” mal sehen:

Warum allerdings der Abendblatt-Kritiker das Konzert als “harmlose, nette, etwas brav und bieder geratene Unterhaltung” abtun muß, kann ich nicht verstehen. Amy MacDonald macht nun mal keine Show mit dollen Effekten, sondern stellt ihre Stimme und ihre Songs in den Vordergrund.

[ Disclosure: Wir waren auf Einladung von Universal Music bei dem Konzert. ]

Von Verpixelungen zu unnötigen Gesetzen

Derzeit drehen zwei Hamburger enorm unrund, sehen sich aber von der Welle des Anti-Google Populismus getragen: Justizsenator Till Steffens (GAL) und Johannes Caspar, der Hamburger Datenschutzbeauftragte mit dem unglaublichen Geltungsbedürfnis (Ein Mahner, der gern Popstar wäre). “Die Justizminister sind sich einig, dass wir eine klare gesetzliche Regelung für Geodatendienste wie Google Street View brauchen, um die Persönlichkeitsrechte der Bürger angemessen zu schützen”, meint Till Steffens und Johannes Caspar sieht am Fall Oberstaufen, daß die Privatsphäre der Menschen berührt sei, weil man Häuser und Geschäfte sehe und auf Balkone und Vorgärten zoomen könne.

Steffens fordert jetzt eine gesetzliche Regelung mit einm Bußgeld von mindestens 50.000 € bei Verstößen, die im Kern “ein wirksames Widerspruchsrecht für Betroffene, eine Pflicht zur Anonymisierung abgebildeter Menschen, eine rechtzeitige öffentliche Bekanntgabe von Aufnahmen sowie spürbare Sanktionen bei Datenschutzverstößen” beeinhalten soll.

Das ist phantastische Symbolpolitik, ausgerichtet auf Wähler, die eine Abneigung gegen große Konzerne haben, insbesondere wenn diese aus den USA kommen. Aber sie verkennt völlig die Realität und wird weitgehend bedeutungslos bleiben.

Einhergehend mit der Ausprägung des Web 2.0 sieht man einerseits eine Atomisierung der Inhalte und andererseits einen starken Fokus auf Programmierschnittstellen, um diese Inhalte wieder zusammenzusetzen, oder eben neu zu verknüpfen. Wir reden hier nicht davon, daß fiese ausländische Konzerne irgendetwas mit den Daten anstellen, sondern die User selber stellen Daten zur Verfügung und sorgen für entsprechende Verknüpfungen. Ich als User darf ein Foto eines Wohnhauses machen und dieses mitsamt Geodaten bei Flickr oder anderswo einstellen. Andere User können diese Daten nutzen und damit neue Verknüpfungen herstellen, an die ich vorher nie gedacht habe.

Wollen wir derartige Kreativität einschränken, weil bei Google irgendetwas Böses vermutet wird, von dem noch niemand genau weiss, was es sein könnte? Es gibt schon lange Scoring-Dienste, die nahezu alles über die Bürger wissen und jetzt auf einmal wird so getan, als ob ein Bild eines Wohnhauses mitsamt Balkon das Ende der Privatsphäre darstellen würde. Das Gegenteil ist der Fall. Google Streetview ist ein neuer, smarter Layer für Geodaten und es wird noch viele weitere geben, es sei denn, wir nutzen die Politik, um auch hier vor allem über die Einschränkung der persönlichen Freiheit unsere Zukunftschancen zu verbauen. Das ist symptomatisch. Anstatt zu beklagen, das aus Deutschland keinerlei Dienste kommen, die derart innovativ mit Geodaten umgehen und den Usern einen Mehrwert bieten, wird hier der zwar aussterbenden, aber immer noch lauten Gruppe der Internet-Ausdrucker Tribut gezollt und rückwärtsgerichtete Symbolpolitik betrieben.

Die Grünen und Netzpolitik, da ist auch nicht alles so im Lot, wie die Protagonisten auf Twitter immer gerne behaupten. Exemplarisch möchte ich da nur an Volker Beck erinnern, der etwas von Bewegungsprofilen faselte, die mit Google Streetview möglich wären und damit einfach nur gezeigt hat, wie toll sich das Thema für populistische Äußerungen ohne Wahrheitsanspruch nutzen lässt.