JMStV – nächstes Release bitte!

Nico —  1.12.2010 — 109 Comments

Ok, ein paar Dinge gleich vorneweg. Ich bin in der SPD, ich finden den Jugendmedienschutzstaatsvertrag nicht gelungen, ich bin in der Enquete-Kommission “Verantwortung in der medialen Welt” am Landtag Rheinland-Pfalz und kenne daher auch einige Personen, die an diesem JMStV mitgearbeitet haben, und bin auch im Gesprächskreis Netzpolitik des SPD Parteivorstands. Jetzt kann keiner der üblichen Schlaumeier groß rumnölen, daß ich doch auch irgendwie bei der SPD sei und es niemandem gesagt hätte.

Ich beobachte die Diskussion um den JMStV seit einiger Zeit. Eigentlich findet diese nur in Blogs und auf Twitter statt, von der Diskussion findet man vergleichsweise wenig in anderen Medien. Ich kann mir gut vorstellen, wie dieser Jugendmedienschutzstaatsvertrag entstanden ist. Die Staatskanzlei Rheinland-Pfalz hat vorgelegt, danach haben 15 weitere Staatskanzleien der Bundesländer ihre Kommentare und Änderungswünsche abgegeben, dann wurden Kompromisse und Sprachregelungen gesucht, auf die sich alle 16 Bundesländer einigen können. Herausgekommen ist ein Text, der gut gemeint ist, aber eher dadurch glänzt, daß vieles mit Lösungsansätzen aus dem Rundfunk geregelt werden soll und damit enorm anachronistisch wirkt. Ich teile die Einschätzung von Udo Vetter Blogger können leidlich gelassen bleiben und auch von Jens Ferner JMStV: Versuchen wir es mal mit verfassungskonformer Auslegung, daß sicherlich der JMStV nicht so schlimm ist, wie der derzeitige Tenor auf Twitter und in den Blogs es aussehen lässt, aber eben auch keine ideale Lösung ist.

Mich nervt die Diskussion im Netz gerade massiv. Nicht, weil meine Partei dort nicht so gut wegkommt, wie ich es gerne hätte, sondern weil generell unterstellt wird, daß Politiker nur böse Absichten haben und noch dazu völlige Planlosigkeit herrscht, wenn es um das Internet geht. Es werden hier meiner Meinung nach zwei Sachen verkannt: erstens gibt es innerparteiliche Meinungsbildungsprozesse, die nicht immer nur Netzpolitik im Fokus haben und zweitens zeigt das Thema Jugendschutz im Internet die Grenzen nationalstaatlicher Politik auf. Aus Sicht der Politik ist das ein sehr schwieriges Thema. Man kann nicht sagen “da können wir nichts machen, das tangiert uns nicht”, sondern es müssen Regelungen geschaffen werden, die Kinder und Jugendliche im Internet schützen. Ich bin Vater zweier Kinder und würde mich als durchaus medienkompetent bezeichnen. Aber ich habe auch keine coole Patentlösung, die dafür sorgt, daß meine Kinder nur Inhalte im Internet sehen, die für sie geeignet sind. Nicht alle Inhalte sind in Deutschland, da fängt der Spaß schon an. Mal eben multinationale Verträge zu schließen, um sich auf einen globalen Jugendschutzstandard für das Internet zu einigen, dürfte auch ein paar Tage in Anspruch nehmen. Bis dahin muß der Gesetzgeber allerdings Regelungen präsentieren, um Kinder und Jugendliche im Internet zu schützen. Das erwarten die Bürger von ihm. Und ehrlich gesagt hat mir auch noch niemand der überall fröhlich auf Maximalforderungen pochenden Diskutanten gesagt, wie ein wirkungsvoller Schutz von Kindern und Jugendlichen im Internet erfolgen soll. Der Hinweis auf Medienkompetenz alleine reicht nicht aus, denn nicht immer sind Eltern anwesend, wenn Kinder und Jugendliche Inhalte im Internet konsumieren oder erstellen, und das wird mit der verstärkten mobilen Nutzung noch schwieriger werden.

Worauf ich hinauswill: der Jugendmedienschutzstaatsvertrag sollte eine erneute Revision erfahren, die die Realitäten des Internet besser abbildet. Aber es sollte allen klar sein, daß ein derartiger Staatsvertrag immer auch einen Kompromiss darstellen wird. Das Austarieren zwischen Netzpolitik und Rundfunkpolitik wird noch einige Jahre Arbeit mit sich bringen, jedenfalls so lange, bis der Rundfunk auch in Deutschland obsolet geworden ist. Bis dahin gehen wir oftmals einen Schritt vor, um danach gleich wieder zwei zurück zu gehen, das ist ein kollektiver Lernprozeß unserer Gesellschaft. Das hat weniger mit Unfähigkeit, Böshaftigkeit oder Fail zu tun, sondern einfach mit der Tatsache, daß Menschen mit unterschiedlichen Interessen an diesen Themen arbeiten. Ich gehe allerdings davon aus, daß in der Praxis der neue JMStV genau dieselben Auswirkungen auf 99% der Inhaleanbieter haben wird wie der derzeitige JMStV, denn insbesondere die Regelungen für Inhalte ab 18 Jahren sind kaum neu.

Ach ja, der goldene Weg, für einen einfachen Schutz von Kindern und Jugendlichen im Internet, der würde mich dann auch interessieren. Ich werde oft danach gefragt, und eine optimale Lösung habe ich auch nicht parat.

109 responses to JMStV – nächstes Release bitte!

  1. otterstein 1.12.2010 at 17:48

    Nico, es wird nie einen globalen Jugenschurz geben, das kannste vergessen.
    Was mich an der Politik so sauer macht ist einfach, wie dilletantisch die Politiker anstellen, wenn es um Schutz der Kinder und Jugend geht, zumal das auch nur ein rein deutsches Problemgesetz ist. Natürlich bin ich auch für Jugendschutz, aber dieses Gesetz ist eindeutig über das Ziel hinaus geschossen und wird Kinder/Jugendliche nicht wirklich schützen.

    • @otterstein Mich würde eben auch erstmal interessieren, welchen Schutz Kinder überhaupt benötigen. Beim Dialog Internet hat man mir aber auch klar von Verbandsseite gesagt, dass es ja auch um eine Wertediskussion gehen würde und das braucht dann keine Studien.

      Hier sollte man definitiv mal trennen und wenn da überhaupt Werte drinstecken sollen, muss die Diskussion separat geführt werden.

  2. Es ist ja nicht so, dass das Thema erst seit gestern diskutiert wird. Siehe zB hier: http://ak-zensur.de/2010/01/jmstv-stellungnahme.html und hier http://www.netzpolitik.org/2010/11-blog-das-ende-der-freien-kommunikation-im-internet/ Und es gab IMHO lange keine Vorfall mehr, bei dem trotz Anerkennung sämtliche inhaltlicher Bedenken aus formalen Gründen zugestimmt werden soll. Davon abgesehen ist das ganze Thema “Staatsvertrag” als solches ein demokratisch fragwürdiges, eben weil das Parlament am Entstehen nicht formal beteiligt ist, sondern nur das Gesetzeskraft habende Ergebnis abnicken soll (und dadurch eben auch keine Änderungsmöglichkeiten hat). P.S. Was, Du hast was mit der SPD zu tun? ;)

    • NicoLumma 1.12.2010 at 17:52

      @sebaso naja, jetzt mal eben das thema staatsvertrag zu ändern, wird auch noch ein paar tage mehr in anspruch nehmen. und sorry, netzpolitik und ak-zensur sind hochspezialisierte nischen, die von der üblichen berlinmittewannabehackerposse und netzpolitisch interessierten, aber eben auch nur von denen.

    • @NicoLumma Und die in dem Posting bei Netzpolitik verlinkten 1&1 sind auch nur so ne wannabehackernische? http://blog.1und1.de/2010/01/22/das_ende_der_freien_kommunikation_im_internet/

    • @NicoLumma @sebaso Wenn man sonen Vertrag mit Thema Internet macht, sollte man sich nicht mal in diesen Nischen, also den Spezialisten, mal vorher informieren?

    • @NicoLumma Und Staatsvertrag: “: erstens gibt es innerparteiliche Meinungsbildungsprozesse, die nicht immer nur Netzpolitik im Fokus haben und zweitens zeigt das Thema Jugendschutz im Internet die Grenzen nationalstaatlicher Politik auf. ” – das macht ja das Problem schon sehr deutlich auf. Wie kann man annehmen, dass man das mal eben über nen Staatsvertrag regelt. Da war der Herr Beck wohl schlecht beraten.

    • NicoLumma 1.12.2010 at 18:04

      @sebaso wie denn sonst? also in eurer glücklichen welt ohne zwänge, wo alles transparent und toll ist. die politik hat für das thema einen staatsvertrag zwischen den bundesländern vorgesehen, den man IMHo auch besser gestalten könnte.

    • @NicoLumma @sebaso soll heissen “das geht doch gar nicht?” Geht alles, wenn man will! Problem ist ja nur, dass alle schon vorher aufgeben.

    • @NicoLumma “auch besser gestalten könnte”? sag mal merkst du gar nicht, dass genau diese Einstellung das Problem ist? Darum geht es doch. Die Beteiligten glauben ja vielleicht sogar gute Arbeit abgeliefert zu haben und die die ihn verteidigen(müssen) sagen “besser als nix..”
      Und ich denke immer, für unsere Kinder ist das beste so gerade eben gut genug und wenn man das erreichen will, muss man VORHER alle mit einbeziehen, die dazu Kompetenzen vorweisen und entgeht damit dann automatisch auch dem Shitstorm hinterher.

    • @Dave_Kay @NicoLumma Nico hat schon recht. Politik ist ein komplexes Geschäft. Und Interessenausgleich nicht einfach. Beim Thema Internet/Medienkompetenz muss man allerdings schon sagen, dass die Ignoranz der Mächtigen penetrant ist. Warum reden die nicht mit denen, die sich auskennen?

    • NicoLumma 1.12.2010 at 18:33

      @50hz Tradition :)

    • @50hz @NicoLumma Dass das ein komplexes geschäft ist, ist mir auch schon aufgefallen :)
      Aber du sagst es, warum holen sie sich nicht die Leute ins Boot die es wissen, statt die, die kassieren.

    • @50hz @Dave_Kay @NicoLumma Sie reden ja mit ihnen. Nennt sich “Dialog Internet”. Anschließend wird das dort diskutierte allerdings weitgehend ignoriert und trotzdem durchgezogen, was zuvor geplant war.

    • @hzulla @Dave_Kay @NicoLumma Schon der Ansatz ist nur so halb gut. Wozu braucht es einen Dialog Internet? Warum kommen die nicht einfach zu re:publica oder schicken ihre Referenten auf Barcamps? Zu Arbeitnehmer- und Gewerkschaftstagen rennen sie doch auch hin.
      Aber immerhin. Es tut sich was.

    • Wir werden, was aus Dialog Internet rauskommt. Meine Erfahrung dort war aber auch, dass es ein grosses Staunen in Sachen Internet gab. Und, dass die Gräben sehr tief sind. So rein als Alibi abtun würde ich das allerdings nicht. Viel Hoffnung (die intransparenten Zwänge halt…) habe ich da aber nicht.

      Problem ist natürlich, dass die in der Tat mal zu Barcamps gehen sollten. Problem ist aber auch IMHO, dass an dem Dialog keine Kinder und Jugendlichen teilnehmen.

    • @mrtopf “Problem ist aber auch IMHO, dass an dem Dialog keine Kinder und Jugendlichen teilnehmen.”
      Das ist – wie ich finde – sogar ein sehr wichtiger Punkt! Geschützt werden sie bis zum geht nicht mehr, aber Interesse für ihre Meinung zum Thema besteht seitens der Politiker keines. Das weißt für mich wieder stark in Richtung Instrumentalisierung und Symbolpolitik.
      Man kann nur hoffen, dass sich da was ändert.

    • @NicoLumma @sebaso Öhm, da verstehe ich nicht dieses “ihr in eurer Welt ohne Zwänge”, mit der Du Dich wohl von “uns” hier abgrenzen willst. Gib’s zu, Du doch auch einer von “uns”. Wer ist denn hier der Social Media Profi, der Transparenz, Authentizität und Partizipation via Internet predigt? ;-)

      Bzgl. JMStV sehe ich auch die Zwänge nicht, die zu diesem Zugunglück eines Gesetzentwurfs geführt haben sollen. Wer hat die armen Politiker denn gezwungen, das Projekt so an die Wand zu fahren?

    • @akE Man sagte noch, dass die ja auch schuelervz diskutieren würden. Nur das bringt natürlich nichts, denn da können wir ja wieder nicht hin. Man bekommt die Meinung immer nur so indirekt mit.

      Und wenn man dann mal mit ihnen spricht, kommt eigentlich immer raus, dass soviel falsch nicht laufen kann. Siehe http://mrtopf.de/blog/politik-politics/nk10-kinder/

      (heisst auch: Filter kann man sich sparen)

    • @mrtopf Danke für den Link! Fühle mich dadurch bestätigt und habe daraus jetzt mein persönliches Fazit geschlossen. Thx :)

  3. Ein Teilproblem hier ist doch auch, dass der Prozess mal wieder ein Höchstmass an Intransparenz aufweist. Auch die innerparteilichen Meinungsbildungsprozesse sind meist nicht öffentlich und ob Fakten zusammengetragen und ausgewertet wurden, weiss auch keiner.

    Wenn ich also nicht weiss, wieso und warum etwas zustande gekommen ist, dann kann ich ja eben nur eines: Meckern. Wenn es zudem scheint, dass Fakten sowieso egal sind (parl. Zwänge, anyone), was soll man dann erwarten?

    Fangt beim Jugendschutz bitte nochmal bei 0 an, trennt vor allem Schutz- und Wertediskussion. Dann bitte Fakten auf den Tisch und dann Lösungsansätze diskutieren.

  4. Themenmixer 1.12.2010 at 17:53

    Aber es sollte allen klar sein, daß ein derartiger Staatsvertrag immer auch einen Kompromiss darstellen wird. -> Ein Kompromiss, der leider von Abmahnanwälten mit sichtlichem Vergnügen ausgeschlachtet werden wird. Warum muss das Kind immer erst in den Brunnen fallen damit mal etwas richtig gemacht wird? Warum kann man nicht abwarten bis etwas Richtiges da ist? Sorry … aber das geht nicht in meinen Kopf. Die Politik beschließt etwas und wir – das Volk – sind die Betatester. Allerdings mit beschränkter Feedbackmöglichkeit. Was mich aber ganz besonders sauer macht ist dieses zwanghafte verleugnen eigener Überzeugungen und Unterordnen der eigenen Meinung; dieses Verstecken hinter “Koalitionszwängen” und Fraktionsabsprachen. Dazu kann ich nur sagen: PFUI.

  5. “Mich nervt die Diskussion im Netz gerade massiv. Nicht, weil meine Partei dort nicht so gut wegkommt, wie ich es gerne hätte, sondern weil generell unterstellt wird, daß Politiker nur böse Absichten haben und noch dazu völlige Planlosigkeit herrscht, wenn es um das Internet geht. Es werden hier meiner Meinung nach zwei Sachen verkannt: erstens gibt es innerparteiliche Meinungsbildungsprozesse, die nicht immer nur Netzpolitik im Fokus haben und zweitens zeigt das Thema Jugendschutz im Internet die Grenzen nationalstaatlicher Politik auf.”

    Also böse Absichten kann ich nicht finden. In allen gesprächen kam eigentlich heraus, dass alles nach bestem Wissen und Gewissen angefertigt wurde, aber da ist eben auch das Problem, statt sich “Experten” zu diesem Thema heran zu holen, holt man sich Lobbyiisten ins Boot. Zu den größten Profiteuren gehört meiner Meinung nach die Telekom und von da an ist es nur noch eine Frage, wie man diese gleichung auflöst, ob man zu Politikern gelangt, die nach bestem Wissen und gewissen gehandelt haben, aber eben von der Materie eher keine Ahnung haben, oder ob man zu Politikern gelangt, die schlicht den Lobbyisten einen freien lauf gegönnt haben. Es sind nicht die Vorurteile, die zu den Aussagen führen, es ist das vorliegende Ergebnis und der versuch der Erklärung, wie das passieren konnte.

    However, ich konnte bei der lektüre durchaus feststellen, dass da Bemühungen bestanden haben, die letzte Version zu verbessern, das Ergebnis ist aber eben doch mehr als bescheiden. mich würde interessieren, ob du das paper der Piraten NRW dazu gelesen hast und mich würde interessieren, wie du als Techniker, der du doch wohl auch noch bist, siehst.

    Zum letzten Absatz, das einzige, was ich bisher gesehen/gelesen habe, was ich mir gut vorstellen könnte, ist etwas, das auf der Idee von Jürgen Ertelt beruht. Wenn man das mit dem Jugendschutz ernst meint, dann sollte man die aktuelle Novellierung kippen und die Experten abseits der kommerziellen interessen an den Tisch holen, zu denen ich Jürgen Ertelt zähle.

    • @Dave_Kay Man muss das vor allem öffentlich erarbeiten. Mir scheint es oft auch so zu sein, dass man “mal irgendwas macht”, denn ist ja besser als nix.

    • @mrtopf Hör bloß auf! Eumann ist ein netter Kerl, aber bei diesem “besser als nix” musste ich mich schwer zusammen reissen :-)

  6. jensscholz 1.12.2010 at 17:54

    > Aber ich habe auch keine coole Patentlösung, die dafür sorgt, daß meine Kinder nur Inhalte im Internet sehen, die für sie geeignet sind.

    Ich auch nicht. Aber ich akzeptiere, dass meine Kinder halt im Internet auch Sachen sehen, die für sie nicht geeignet sind. So wie es im Fernsehen, auf Video, in Zeitschriften und allen anderen Medien vorkommt (und wie wir als Kinder es auch getan haben).

    • @jensscholz Hab ich nie!!!!

    • Man könnte zudem ja mal untersuchen, wie verroht und verdorben die Jugendlichen in anderen Ländern ohne unseren strengen Jugendschutz sind.

      Nicht, dass sich nachher noch rausstellt, dass sie viel besser drauf sind, da sie sich halt eben schon vor 18 mit gewissen Themen auseinandersetzen mussten und wissen, wie man damit umgeht.

    • NicoLumma 1.12.2010 at 18:02

      @mrtopf könnte man, und dann? was man alles herausfinden kann, wenn man zu viel zeit hat.

    • @mrtopf Ich hab mir heute mal ein bisschen das Netz durch die Suchmaske von http://www.fragfinn.de angesehen. Schön ruhig da. Und so beschaulich.

    • NicoLumma 1.12.2010 at 18:04

      @sebaso @mrtopf ja, glaub mal nicht, daß ich meine kinder mit fragfinn beeindrucken könnte.

    • @NicoLumma Also was? Doch einfach irgendwas machen? Dann lieber nix machen!

    • @jensscholz Wenn ich mir so meine Umgebung anschaue und die Erfahrungen der mich zahlreich umgebenden Lehrer(innen) einbeziehe ist das Fazit: Staatlicher Jugendschutz ist weitgehend wirkungslos. Die Familien, die medienkompetent sind und sich Zeit nehmen umschiffen die Klippen ganz gut. Das wird auch im Internet irgendwann irgendwie funktionieren.
      In den Familien, die es nicht auf die Reihe kriegen, braucht es kein Internet, um die Kinder zu gefährden. Da werden Säuglinge mit RTLII ruhig gestellt, Porno- und Gewaltvideos bleiben direkt mal im Player und Videospiele werden – der werbenden Industrie sei dank – viel zu früh als entwicklungsnotwendig im Übermaß angeboten.
      Ergo: Wenn Staatsverträge, dann solche, die Familien am Abgrund zur Seite stehen.

    • @jensscholz Noch was: Die Alterskennzeichnung ist sogar kontraproduktiv. So finde ich bspw. den überwiegenden Teil der Kinofilme ab 0 und ab 6 alles andere als geeignet für Grundschüler. Die Eltern schleppen ihre Kinder trotzdem rein. Und zwar nicht nur die inkompetenten.

    • @50hz @jensscholz Aber weiss man, was schädlich ist oder denkt man es nur?
      Ansonsten würde ich auch annehmen, dass das generelle Umfeld es macht. Aber auch das weiss ich nicht, sondern nehme es nur an. Daher will ich Fakten haben.

    • @mrtopf Man weiß ziemlich genau, was in welcher Phase schadet. Pädagogen und Hirnforscher haben darauf komplexe Antworten. Keinen Fernseher im Haus zu haben und das Internet bis zum Ende des Grundschulalters eher sparsam einzusetzen, ist schon mal ein ziemlich guter Anfang ;).

    • @50hz Hast Du Links dazu? Das würde mich nämlich interessieren.

    • NicoLumma 1.12.2010 at 19:01

      @50hz meine kinder würden dir widersprechen :)

    • @mrtopf Bitte wirklich nur als Einstieg verstehen. Und nicht nur unkritisch zuschauen. Aber da steckt sehr viel drin: http://www.oeins.de/lokalsender/mediathek/201004140000_spitzer.html

    • @NicoLumma Meine Kinder widersprechen mir auch. Aber ich sitze am längeren Hebel ;).

    • @50hz Hast Du denn keine Angst vor späterer Rache? Die schreiben sich das bestimmt alles heimlich auf! ;-) Danke für den Link. Hatte bislang nur die Studien zum Pornokonsum im Jugendalter untersucht.

    • @mrtopf Nimm mich. Ohne Fernseher aufgewachsen. Und heute: Medienmensch ;).

    • SaschaStoltenow 2.12.2010 at 12:50

      @50hz @NicoLumma Viel interessanter finde ich den Umstand, dass man seine Kinder heute problemlos 24 Stunden am Tag pädagogisch wertvollen Medieninhalten aussetzen kann. Die Erziehungsaufgabe lässt sich also nicht unbedingt an der Qualität der Inhalte festmachen, was einen weiteren blinden Fleck des JMStV erkennbar werden lässt. Ganz pragmatisch: Weil Verträge und Gesetze vor allem das Scheitern regeln, fühle ich mich fast gar nicht von ihnen betroffen und habe Zeit, mich um das Gelingen zu kümmern. Schöner Nebeneffekt: ich bin für die Handlungen unserer professionellen Angstmanager in Politik und Wirtschaft ziemlich unempfänglich.

    • christoph 2.12.2010 at 18:02

      @50hz @jensscholz Das Problem ist doch: eine Einordnung, was nun Kinder “gefährdet” oder nicht, ist wenig sinnvoll, wenn man nur das Alter als Kriterium heranzieht. Kinder sind glücklicherweise unterschiedlich, unterschiedlich reif, unterschiedlich gefestigt. Und was für seltsame Sachen bei Einstufungen dann rauskommen, zeigt der SWR Film hier http://bit.ly/i5gYyv Also Verantwortung liegt bei den Eltern, alles andere ist Vortäuschen von Lösungen

  7. deine Kinder tun mir Leid,
    nicht nur der Staat, sondern der eigene Vater will, dass sie Zensur an der eigenen Haut erfahren.
    Kinder haben mehr als Restriktion verdient. Probiers mal mit Liebe und damit, ihnen beizubringen wie man das Internet richtig nutzt.

    • NicoLumma 1.12.2010 at 18:05

      @akE hast Du Kinder?

    • @NicoLumma Wenn ich jetzt Nein sage, nimmst du dir meinen ehrlich gemeinten Kommentar ja nie zu Herzen. Weil du mich sofort als jemanden abstempelst der entweder a) keine Gefühle hat, b) zu jung ist um hier mitzureden oder c) als jemanden, der einfach keine Ahnung vom Thema hat, weil er sich nicht vorstellen kann wie es ist, Kinder zu haben.
      Die Wahrheit ist, ich kann es mir gut vorstellen. Und ich kann auch deine Situation ein Stück weit verstehen. Du willst sicher das beste für deine Kinder. Doch das kann auch ein bisschen blind machen. (das weiß ich wirklich gut) Das beste zu wollen, heißt auch bereit sein eine andere Sichtweise unvoreingenommen zu prüfen.

      Gut gemeint oder nicht, es ist doch falsch jedem Vater (und jeder Mutter) vorzuschreiben wie er/sie die Sache angeht.
      Kinder als eine gesellschaftliche Unterschicht zu deklarieren, die keine Rechte haben, nicht mündig sind und nur am Leben sind um groß zu werden, DAS geht mir gegen den Strich! Denn auch sie haben Gefühle, wollen ernst genommen werden und verdienen mehr (viel mehr!) Aufmerksamkeit und Zuwendung als ein paar (von Lobyisten zusammengepflückten) Zeilen eines neues Staatsvertrags, der sie in ihrem Leben noch mehr einschränkt.
      Ich möchte, dass es in dieser Gesellschaft möglich ist die Sache anders zu regeln. Sonst möchte ich (hier) gar keine Kinder aufziehen.

      Besonders schlimm ist es doch, wenn man von geschlechtsreifen (jungen) Erwachsenen unter 18 spricht, die _ein Recht_ auf sexuelle Selbstbestimmung, sowie Aufklärung haben. Wo kommen wir hin, wenn sich solche Menschen dann nicht im Internet informieren können?

      Ich weiß, ich habe da etwas extreme Ansichten, aber ich bin fest davon überzeugt, dass man zumindest mehr in diese Richtung gehen muss. Der JMStV geht genau in die andere.

    • @NicoLumma Ich finde diese Rückfrage nicht sehr glücklich. Kinder zu haben oder nicht, sollte weder eine Kompetenz sein, noch Einfluss auf ein Urteil haben.
      Ich kenne Väter, die extreme Maßnahmen gegen Kinderschänder fordern. Aber erst seit sie Väter sind. Und auch nur, wenn es um ihre eigenen Kinder sind. Ich finde das scary. Und ich bin bekanntlich Vater ;).

    • NicoLumma 1.12.2010 at 18:49

      @50hz ich finde es auch nicht glücklich, mir Zensur vorzuwerfen. Ich möchte nicht, dass meine 7-jährige Tochter irgendwelche Inhalte zu Gesicht bekommt, die für sie noch nicht passend sind. eltern können nicht omnipräsent sein. dennoch möchte ich sie geschützt wissen.

    • @NicoLumma Du musst auf doofe Argumente ja nicht mit doofen Argumenten antworten.
      Und zu Deiner Tochter. Muss die wirklich (allein) im Internet sein? Damit kann die auch mit 10 oder 11 anfangen. Und keine Sorge: Sie wird dadurch eher medienkompetenter enden als anders rum.

    • @50hz @NicoLumma Vielleicht habe ich etwas vorschnell mit dem Wort “Zensur” rumgefuchtelt. Tut mir Leid.
      Ich hatte den Eindruck, das Nico mit seiner hergewünschten “Patentlösung” auch etwas in der Art ansteuert.

    • NicoLumma 1.12.2010 at 19:00

      @akE nee, eine patentlösung wird es nie geben. das widerspricht der grundstruktur des netzes.

    • FKTVTwipsy 2.12.2010 at 12:34

      @NicoLumma @akE
      Nicht “des Netzes”, sondern der Welt.

  8. Mann, mann, die Eltern sollen mit ihren Kindern reden. Das ist bei anderen Dingen auch so. Meine Kinder bekommen keine Filtersoftware, aber ich kann auch Eltern verstehen, die so etwas gerne hätten, weil sie sich damit eben nicht so auskennen wie ich. Politik besteht immer aus Kompromissen. Und angebliche Tatsachen werden eben von den Menschen unterschiedlich beurteilt. Streams von den Sitzungen helfen da auch nicht. Von daher: Zustimmung zu Nicos Beitrag!

    • @hildwin Um solche Schnitzer wie in diesem JMStV früher zu erkennen und zu beheben, bevor es zu spät ist: Das helfen die aber sicher!

    • @mrtopf Och, die dollsten Schnitzer stehen auch im derzeit gültigen JMStV. zB Sendezeiten. Wir beiden halten die Sendezeiten für Blödsinn, andere aber finden, dass sie helfen. Und weil wir es nicht geschafft haben, die Landtagsabgeordneten zu überzeugen, dann haben wir verloren. So ist Demokratie. Können wir nur noch dagegen klagen. Das heißt dann Rechtsstaat.

    • @hildwin und nochwas: Wenn man Eltern natürlich dauernd einredet, was für ein schlechter Ort das Internet ist und was für Gefahren da drohen usw., dann ist das natürlich kein Wunder. Man könnte ja auch das Signal aussenden, dass man relaxt bleiben kann.

    • @hildwin Mir geht es doch nicht darum, dass das rauskommen soll, was ich will. Hätten wir aber einen transparenten Prozess, würde diese Diskussion vielleicht auch eher in der Öffentlichkeit stattfinden anstatt eben nur in diesen Nischen.

      Auch hätten wir dann vielleicht diese Gräben nicht. Wenn ich Dinge nachvollziehen kann, ist das besser als wenn ich nur das Schlimmste annehmen kann. Jetzt kannst Du mir natürlich sagen, dass alles nicht so schlimm sei, aber der Output spricht leider nicht dafür.

      (und wie schon gesagt: Man sollte mal wirklich von 0 beginnen).

    • @mrtopf Ich rede meinen Kindern nicht ein, dass das Internet ein schlechter Ort ist. Und ich kenne auch keine anderen Eltern, die das machen. Aber ich bin bestimmt in den falschen Kreisen unterwegs.

    • @hildwin Ich meinte nicht Dich, ich meinte mehr so die Stimmung in Deutschland und dass es den Eltern eingeredet wird.

    • @mrtopf Bevor ich mir von Nico auch einen Smaland-Tweet abhole, nur noch dieser Kommentar: Meine Wahrnehmung hinsichtlich der Stimmung und des möglichen Einredens ist eine andere. “Veröffentlichte Meinung ist nicht öffentliche Meinung.” (Aus: 10 Goldene Regeln für Politiker)

  9. alrightokee 1.12.2010 at 18:49

    Deine Denk-, zumindest aber Argumentationsfehler sind folgende vermeintliche Kausalitäten:

    Weil ein Prozess kompliziert ist, ist sein Output anders zu legitimieren, als wenn er simpel wäre.

    Weil ein Output ein “Kompromiss” ist, darf er schlecht sein.

    Weil keine “Patentlösung” vorliegt, ist eine schlechte Lösung besser zu bewerten.

    Weil man etwas später verbessern kann (Stichwort “Revision”), darf es aktuell schlecht sein.

    Weil man auch andere als dieses Thema zu bearbeiten hat (Stichwort “Fokus auf Netzpolitik”), darf man schlecht arbeiten.

    Weil man Grenzen spürt (Stichwort “Grenzen der Nationalstaatlichkeit”), darf man innerhalb dieser Grenzen schlecht arbeiten.

  10. Mein Eindruck: Der JMStV sollte wohl eine Maßnahme sein, um die deutschen Jugendschutzinstitutionen vor dem Bedeutungsverlust zu bewahren. Die Regelung orientiert sich an der Weltsicht, dass es ja nicht sein kann, dass da im Internet einfach so jeder irgendwas veröffentlich darf. Gepaart mit dem Totschlagargument “wir müssen doch an die Kinder denken!”

    Inhaltlich ist es eine Katastrophe für das deutsche Internet. Es ist so schlimm und schlecht gemacht, dass es unter seinem bürokratischen Gewicht zusammenbrechen wird. Und deshalb wird es am Ende nicht so heiß gegessen, wie es jetzt aussieht. Hoffentlich.

    Die Paranoiker sehen das JMStV als einen Schritt zur Dystopie, dass langfristig nur staatlich lizensierte Site-Betreiber Inhalte anbieten dürfen, während unerwünschte Sites per Netzsperren staatlich blockiert werden können. Nutzer müssten in dieser Dystopie bei Zugriff auf jugendgefährdende Inhalte ihren ePerso als Alterskontrolle einsetzen, was als nächstes zur Ausweispflicht für Surfer führt und damit Anonymität im Internet abschafft.

    Naja, dann halt Schafe züchten.

    • @hzulla Beim ePerso muss ich widersprechen, denn gerade mit diesem kann man ja gezielt _nur_ das Alter abfragen, ergo keine Identifikation. Aber aus Sicht der Paranoiker mag das irrelevant sein ;-)

    • @mrtopf http://www.noz.de/deutschland-und-welt/gut-zu-wissen/computer/46504235/kriminalbeamte-fuer-internet-ausweispflicht

      “Kriminalbeamte für Internet-Ausweispflicht”

      Klaus Jansen, BDK: “Was wir brauchen, ist ein verlässlicher Identitätsnachweis im Netz. Wer das Internet für Käufe, Online-Überweisungen, andere Rechtsgeschäfte oder Behördengänge nutzen will, sollte sich zuvor bei einer staatlichen Stelle registrieren lassen müssen.”

    • @hzulla Schon klar, aber das ist was anderes als zur Altersverifikation. Aber wie das technisch mit dem ePerso geht, hat er auch nicht gesagt. Schliesslich bekommt man der Dienst ja nur ein dienstspezifisches Pseudonym, das man nicht mit anderen Diensten abgleichen kann.

  11. otterstein 1.12.2010 at 19:15

    Nico, wieso löscht Du einfach meinen Kommentar?

    • @otterstein Schon mal unten auf “Show More” geklickt? (Die Usability von Livefyre ist noch ein wenig gewöhnungsbedürftig.)

    • NicoLumma 1.12.2010 at 19:39

      @otterstein äh, nichts läge mir ferner.

    • otterstein 1.12.2010 at 19:45

      @hzulla oh, ok, dann, Nico, hoeflichst um Entschuldigung!

    • otterstein 1.12.2010 at 19:47

      @hzulla vielen Dank, das show more kann man in der Tat schnell übersehen.. Wunderte mich schon :) Ist das erste Mal, dass ich Livefyre nutze..

  12. Fast OT in einem sentimentalen Moment, gerade beim starren auf deinen Text, schossen mir deine Worte durch von vor einigen Jahren durch den Kopf: “[…]die machen unser schönes Internet kaputt[…]” und ich glaube mich zu erinnern, dass damals “nur” SEOs gemeint waren. Daran musste ich gerade denken und daran, dass ich mit dem Gedanken im Kopf, deinen Text irgendwie nicht verstehen kann.
    Was hat sich seitdem verändert?

  13. Fast OT in einem sentimentalen Moment, gerade beim starren auf deinen Text, schossen mir deine Worte von vor einigen Jahren durch den Kopf: “[…]die machen unser schönes Internet kaputt[…]” und ich glaube mich zu erinnern, dass damals “nur” SEOs gemeint waren. Daran musste ich gerade denken und daran, dass ich mit dem Gedanken im Kopf, deinen Text irgendwie nicht verstehen kann.
    Was hat sich seitdem verändert?

    • NicoLumma 1.12.2010 at 19:39

      @Dave_Kay hä?

    • @NicoLumma na, ich frag mich halt wie sehr sich deine Prioritäten seitdem verschoben haben. Das Zitat ist ein paar jahre alt und von dir und es stammt aus einer Zeit, als du gefühlt alles getan hättest um das Netz vor Regulation und negativen Einflüssen zu schützen.
      Heute nimmst du es hin, dass dem Netz auf Grund von Meinungsbildungsprozessen schlechte/unfertige Regeln übergestülpt werden sollen. Regeln die den Anschein machen, dass uninformierte Politiker sich von Menschen mit finanziellen Interessen dazu haben überreden lassen.
      Das verstehe ich nicht, deswegen frage ich nach. Ich habe dich in Sachen Netzpolitik immer als jemanden wahrgenommen, der auch ein Stück weit idealistisch agiert und im Netz weit mehr Chancen als gefahren sieht, immerhin bist du durchaus einer der Profiteure im Netz. Dieser Blick geht mir mit deinem Artikel hier, gerade verloren.

    • NicoLumma 1.12.2010 at 21:06

      @Dave_Kay ach, idealistisch bin ich immer noch. aber eben auch realist.

  14. “Bis dahin muß der Gesetzgeber allerdings Regelungen präsentieren, um Kinder und Jugendliche im Internet zu schützen. Das erwarten die Bürger von ihm.” OMFG, als Bürger, Ehemann in erster Ehe und Vater von 2 (erfolgreichen und wohlerzogenen) “Kindern” mit Online-Affinität seit Anbeginn (18 + 20) soll ich das erwarten? Die Politikerkaste war mir schon immer suspekt. Sie wird mir immer fremder. Was glaubt ihr eigentlich, wer wirklich immer bevormundet/gesteuert/in die Irre geführt werden will?

  15. “Bis dahin muß der Gesetzgeber allerdings Regelungen präsentieren, um Kinder und Jugendliche im Internet zu schützen. Das erwarten die Bürger von ihm.” OMFG, als Bürger, Ehemann in erster Ehe und Vater von 2 (erfolgreichen und wohlerzogenen) “Kindern” mit Online-Affinität seit Anbeginn (18 + 20) soll ich das erwarten? Die Politikerkaste war mir schon immer suspekt. Sie wird mir immer fremder. Was glaubt ihr eigentlich, wer wirklich immer bevormundet/gesteuert/in die Irre geführt werden will?

  16. mmmmh. So differenziert heute? Die zwei anderen Beiträge, bei denen ich mich hier gemeldet habe, waren da nicht so nachdenklich: Street-View (“Wer dagegen ist, ist doof”) und Stuttgart 21 (“Politischer Prozess abgeschlossen, also machen”) – grob zusammen gefasst.
    Nun, Nachdenklichkeit – auch wenn sie politische Prozesse im Fokus hat – ist eine gute Eigenschaft, finde ich.
    Nur leider, in diesem Fall, bekomme ich Kopfschmerzen, wenn ich über dieses Thema nachdenke. Nicht, wenn wenn es u m die Motivation der Politiker geht, denn die ist zweifelsohne korrekt und gut. Keine Frage. Auch ich habe Kinder und es macht mich nervös, was die so alles im Web entdecken.
    Aber das Ergebnis ist doch derartig von einer anderen Welt, dass man das auch nicht mit komplizierten politischen Prozessen sondern einfach mit Ignoranz der Lage erklären kann. Kennzeichnungspflicht? Das ist schon ein starkes Stück. Aber der Verweis auf “Sendezeiten” ist derartig absurd… Ah, da bekomme ich wieder Kopfschmerzen.
    Das Einzige was passieren wird, ist ein leichtes Zwischenhoch in der Software- und der ausländischen Hosting-Industrie. Und vermutlich ein super Jahrzehnt für die Garde der Abmahnanwälte. Aber das wäre dann vielleicht auch ein anderes Thema.

    Um das vielleicht grundsätzlich mal zu formulieren, denn leider haben wir ja immer so unterschiedliche Meinungen: Ich finde, dass man den Bürgern mehr Möglichkeiten zur Beteiligung (Stuttgart 21) und zur eigenverantwortlichen Handhabe ihrer Daten (StreetView) geben sollte und dafür bei staatlichen Relements zurückhaltender sein müsste.

    Trotzdem vielen Dank für den Beitrag!
    eric

  17. Ich gebe dir Recht. Und ich gebe denen Recht, die den JMStV dennoch für eine Katastrophe halten, gerade _weil_ er so realitätsfern ist. FSK-Kennzeichnungen sind eine Krücke, aber die funktioniert (bei mir) ganz gut. Sie entheben mich nicht der grundsätzlichen Diskussion mit meinen (jugendlichen) Kindern, aber sie ziehen eine Linie, die nicht diskutiert wird.
    Dass die Jugendschutzsoftware, die ich bei meinen Kindern verwende, dazu führt, dass beispielsweise fussball.de (gehört zur Telekom) nicht angezeigt wird, weil dort Pornoanzeigen laufen, zeigt mir, dass diejenigen, die Regelungsbedarf sehen, nicht völlig falsch liegen.

    Ein Wort zu den Pessimisten: Ich mache ja nicht so ganz selten Elternfortbildungen rund um “das Internet”. Und erlebe mehr und mehr, dass wir gerade mit Netzwerken, MMORG etc, also dem, was Kinder und Jugendliche nutzen online, wieder in die Entwicklung laufen, die ich bei der Generation meiner Eltern mit Videospielen (so hieß das damals) erlebt haben: Tür zu, mir egal, Angst etc. Oder – bei einigen wenigen, eher aus einem links-akademischen Milieu – totales Verbot. Die Intention des JMStV kann helfen (nicht aber die Ausgestaltung), dieses etwas aufzubrechen.

    Ich habe zu Hause lange über beispielsweise Pornografie und Gewalt und unsere Kinder im Web diskutiert und nachgedacht. Das Argument, dass “wir” doch auch den Playboy am Zeitschriftenregal sabbernd durchgeblättert haben mit Dreizehn, zieht nicht – weil es durchaus einen Unterschied macht, ob ich quasi heimlich etwas konsumiere, von dem ich weiß, dass es mir vorenthalten werden soll, oder ob ich es “einfach” aufrufe und es gleichberechtigt neben allem anderen steht.

    Meine vorläufige Lösung ist, dass meine jugendlichen Kinder die FSK 16 und älter Inhalte, Spiele, Filme etc dann konsumieren können, wenn sie es schaffen, den von mir installierten Jugendschutz zu umgehen. Denn dann haben sie es verdient und das gelernt, was mir wichtig ist. Oder so ähnlich.

    • @luebue Zu “deiner” Lösung. Ich gehe mal davon aus, dass du in der lage bist, auf dem Rechner eine Hierchie aufzubauen, sprich, du bist Admin, die anderen nicht, was ja schonmal Grundvorraussetzung dafür ist, dass überhaupt eine Chance existiert, dass es funktioniert. Das geht aber an der Realität in deutschen Haushalten weit vorbei, oder siehst du das anders?
      In den Diskussion gingen wir immer davon aus, dass die Möglichkeit, den Kindern überhaupt ein gefiltertes Netz vorzusetzen um das 13. lebensjahr herum endet. Also just zu dem zeitpunkt, zu dem es überhaupt erst spannend wird…

    • @Dave_Kay äh, nein – die beiden älteren meiner Kinder müssen leider auch Admins auf ihren Rechnern sein, weil sie sonst Lego Universe nicht spielen können (was übrigens total bekloppt ist, aber das nur mal am Rand, also dass das Kinder-Spiel nur geht, wenn man Admin ist) – ich nutze einen Jugendschutz, der sogar geht, wenn sie Admin sind, darum _könnten_ sie ihn ja auch knacken, wenn sie sich reinarbeiten (was ja das Erziehungsziel wäre).

      Und auch noch mal nein – ich denke, dass es vor allem um die Jahre zwischen 10 und 16 geht. Unterzehnjährige, also Grundschülerinnen und jünger, sehe ich zurzeit aus meiner Erfahrung nicht als das Hauptproblem.

    • @luebue Das mit der Linie, über die nicht diskutiert wird, ist ein guter Punkt. Leider kann sie aber auch von schlauen Kindern genutzt werden, wenn die 7 jährige sagt, der Film ist ab 6, da darf ich rein. Da Bedarf es eben starker Eltern. Und die schaffen es auch ohne, oder?

    • @50hz ich bin froh, dass es diese Linie gibt (ebenso wie das Jugendschutzgesetz, was die “Ausgehzeiten” angeht). Wir können uns dann zur Not – meist versuchen wir es anders – darauf zurück ziehen, dass Mama Lehrerin ist und ihren Job gefährdet, wenn sie ihre Kinder gegen Jugendschutzgesetze verstoßen lässt.

      (Jaja, ich weiß, gaaaanz billig, aber wirksam)

    • @luebue @Dave_Kay Grundschüler sind leider sehr wohl ein Problem, das aber leider nicht durch FSK und JMStV gelöst wird. Ich weiß auch nicht, wie man die Haushalte erreicht, die der Hilfe beim Medienkonsum ihrer Kinder bedürfen. Aber darein sollte man zuerst die Mittel stecken statt Staatsverträge zu schließen und zu glauben, dass dann alles gut wird.

    • @luebue darf ich die Diskussion mal eben darauf abstrahieren, dass der JMStV eigentlich nur dort helfen muss, wo Eltern sich eben nicht ausreichend mit der Thematik und/oder der Administration auseinandersetzen (können)?
      Bei den Leuten, die ich kenne und denen das wichtig ist, surfen die Kinder entweder betreut oder zum Beispiel von Whitelists begleitet. Der JMStV will aber erreichen, dass eben auch der Rest die Möglichkeit bekommt, das in den Griff zu bekommen und das geht imho mehr als in die Hose beim vorgelegten Entwurf.
      luebue, die Nummer mit den Administrationsrechten kapiere ich seit Jahren nicht und btw. der schnellste und einfachste Workaround ist die Live-CD oder ist “boot other devices” gesperrt?

    • @luebue Häh? Muss man Gesetze nur beachten, wenn Mama Lehrerin ist? Ich werde mich auf solche Diskussionen hoffentlich gar nicht erst einlassen.
      Aber okay: Diese Linien sind ganz hilfreich.

  18. sorry, nein!
    “wir haben keine lösung, wir wissen wie wir das machen sollen, das ist ein multinationales problem, meine kinder sollen auch geschützt werden, solange halt irgendwas, wir wissen das es nicht gut ist, aber der bürger erwartet das”
    nochmals nein!

    das ist eine bankrotterklärung, schöngeredet. nichts anderes.

    erstens: wenn eure parteiinterne struktur nur mittelmässige, ungenügende ergebnisse ermöglicht, muss sie geändert werden. (einfach oder?)

    zweitens: aktionismus. ihr verkauft dem wahlvolk eine lösung die keine ist. steht dazu das diese problem noch nicht zu lösen sind und verkauft es auch so (das ist schwer, benötigt standvermögen)

  19. FKTVTwipsy 2.12.2010 at 12:08

    “Der Hinweis auf Medienkompetenz alleine reicht nicht aus, denn nicht immer sind Eltern anwesend, wenn Kinder und Jugendliche Inhalte im Internet konsumieren oder erstellen…”

    Welch merkwürdige Einstellung! Medienkompetenz bedeutet doch eher, dass eben nicht immer Eltern anwesend sein müssen, sondern die Kinder alleine wissen, was sie konsumieren sollten.
    Mein Hund ist ja auch nicht dann stubenrein, wenn ich ihm ständig eine Tüte ans Hinterteil halten muss.

  20. Nordwind_ 2.12.2010 at 12:10

    Nein, wir haben keine Lust auf einen “Kompromiss”, der im wesentlichen von inkompetenten Leuten ausgehandelt wird. Ich darf http://koehntopp.de/ zitieren:

    “Unsere Politik versteht das nicht. Sie kann es nicht verstehen, solange sich der gesellschaftliche und politische Diskurs zum Thema Internet in Deutschland auf ‘Regulieren, Einschränken, Kontrollieren’ beschränkt. Das tut er unter anderem deswegen, weil keine der öffentlichen Personen, die diesen Diskurs in den ganzen Altmedien führen, im Internet lebt. Das Internet ist vielleicht ein Ort, den sie aufsuchen, um dort Geschäfte zu erledigen – auf Amazon oder eBay etwas kaufen, auf Google Maps eine Route planen und dergleichen Dinge.
    Aber keine dieser Personen macht etwas im Internet. Sie schaffen und veröffentlichen dort nicht, sie interagieren dort nicht, sie leben dort nicht. Niemand, den wir im Fernsehen oder den Tageszeitungen als Subjekt des gesellschaftlichen Diskurses sehen, hat auch nur einen Wikipedia-Artikel zu verantworten, ein Projekt auf github, eine Galerie auf Flickr oder Deviant, Texte auf fanfic.net oder auch nur ein Blog, das diesen Namen verdient.
    Sie sind nicht Teil der kooperativen Kultur des Netzes, die nur dadurch möglich geworden ist, daß die Transaktionskosten im Netz Null sind und es daher möglich wird, die Welt im Netz quasi im Vorübergehen für alle in einen interessanteren oder besseren Ort zu verwandeln.”

    In dieser Lage wäre legislatives Nichtstun ein konstruktiver und aktiver Beitrag, bis die realen Verhältnisse soweit deutlicher geworden sind, welche Massnahmen ein tatsächliches Potential zur Verbesserung der Situation haben und welche nicht. Dieses Interim kann noch Jahre dauern. Es darf nicht hingenommen werden, dass inkompetente Repräsentanten gebetsmühlenartig immer wieder herbeten, dass man ja doch irgendetwas für dieses und jenes hehre politische Ziel tun muesse, und die Unangemessenheit und das tatsächliche Scheitern ihrer aus einer populistischen Perspektive konzipierten Gesetze mit Floskeln kaschiert wird, man habe eben kein “Patentrezept”.

  21. Humanwirt 2.12.2010 at 12:16

    1. Ich bin im Internet noch nie “aus versehen” auf Webseiten gestoßen, die für jugendliche bedenklich wäre. Wer im internet auf derartige Inhalte stösst, wird entweder von anderen darauf aufmerksam gemacht oder hat selbst aktiv danach gesucht.

    2. Wenn ich als Vater nicht möchte, dass mein Kind auf irgendwelchen Webseiten surft, dann erstelle ich eine Whitelist für den Browser. Wenn mein Kind dann eine Webseite besuchen will, die noch nicht auf der Whitelist ist, muss es mich fragen, ob es die Seite besuchen darf. Ich schaue mir die Webseite dann an und gebe sie gegebenfalls für mein Kind frei. Dass man nicht immer dabei sitzen kann, wenn das eigene Kind im Internet surft ist eine faule Ausrede!

    3. Der JMStV muss von allen Ländern ratifiziert werden. Jedes Land hat ein Vetorecht. Von daher bezweifle ich stark, dass es hier ein “ein Schritt vor, zwei Schritte zurück” geben wird. Was einmal drin steht, wird so schnell nicht wieder herausgenommen werden können. Allein schon weil immer mindestens ein bundesland CDU- bzw- CSU-regiert sein wird.

    4. Die Tatsache, dass die Diskussion über den JMStV nur in Blogs und über Twitter stattfindet, ist doch wirklich bemerkenswert. Und unter anderem Herr Tauss hat mit diversen Anfragen an Politiker nachgewiesen, dass das keinesfalls nur am geringen gesellschaftlichen interesse an diesem Thema liegt. Ganze Fraktionen haben es über lange Zeiträume nicht für nötig befunden, auf Fragen zum JMStV zu antworten. Wie soll man bitte in der Öffentlichkeit über etwas diskutieren, wenn die Verantwortlichen konsequent und kollektiv darüber schweigen? In sofern ist das schweigen der alten Medien von der Politik “gemacht” und wenn Politiker über etwas kollektiv schweigen, ist für die Bürger in aller Regel Alarmstufe Rot angezeigt. Denn welcher Politiker schweigt schon über etwas, mit dem er sich positiv darstellen kann?

  22. Es gibt keinen wirkungsvollen Schutz um irgendwen von irgendwas abhalten zu können. Beim Internet-Thema ist das spätestens dann vorbei, wenn jemand in der Lage ist eine Suchmaschine zu nutzen. Er wird früher oder später auf offene Proxy, Tunnel oder ähnliches stoßen…

    Genausowenig wie man Kinder und Jugendliche wirkungsvoll von Alkohol und Zigaretten und anderen Drogen wirksam fernhalten kann. Wenn ein jugendlicher das Bedüfniss hat sich mit einer Flasche Wodka zur Alkoholvergiftung zu saufen, dann wird das kein Gesetz der Welt verhindern können.

    Und wenn nun jemand daherkommt der mein: aber im Internet kann man ja zufällig auf eine solch gefährdende Seite kommen, im echten leben nicht, dem sei gesagt: Niemand stößt “zufällig” auf wirklich bedenkliche Webseiten.

    Die elterliche Fürsorge wird aus Kindern und Jugendlichen mündige, erwachsene Bürger machen, die es halbwegs unbeschadet in die volljährigkeit schaffen.

    Medienerziehung aus dem Elternhaus!
    Die organe des Staates versagen bei diesem Punkt leider auf breiter Front. Und tun gerade das beim neuen JMStV. Hier wird den Eltern die wenig oder keine Erfahrung mit dem Internet haben nämlich vorgegaukelt das “deutsche internet” (omg, lol) sei sicher und kann per Software alles böse fernhalten. Das kann der JMStV nicht, in keinster Weise…

    Und im Gegensatz zur “realen Welt” wo z.B. ein Gesetz zum Verbot der Abgabe von Alkohol an Minderjährige durchaus einen Sinn macht und es sonst keinen Schaden anrichtet, ist eben genau das beim JMStV im Bezug auf das Internet nicht der Fall, und das obwohl er ja genau darauf abzielen soll.

    • @buzted Ich glaube, das mit dem “zufällig” ist egal. Man wird vielleicht eher von Klassenkameraden auf das Zeugs aufmerksam gemacht und dann ist da natürlich der Gruppenzwang. Aber in dieser Situation hilft ein JMStV natürlich auch nix.

  23. HumanVoice 2.12.2010 at 16:24

    Mich würde interessieren, auf welche Weise sich faktisch die ERWARTUNG der Bürger manifestiert, das weltweite Internet von DE aus “kindergerecht” zu regeln. Kommen da massenhaft Mails – oder wie?
    Ist es nicht eher so, dass Politiker sich mit neuen Vorschlägen/Vorhaben “in Sachen Jugendschutz” profilieren wollen – selbst wenn dabei tatsächlich kein größerer Schutz heraus kommt?

    Es ist eine Illusion, zu glauben, man könne immer etwas machen – eine, die speziell Politiker bewusst stützen, denn sonst müssten sie eigene Machtlosigkeit zugeben.

    Angesichts dessen, dass Jugendliche immer einen Weg finden werden, sich besonders “spannendes” (und gerne: VERBOTENES) Material anzusehen (z.B. die bekannten Seiten mit den Sammlungen besonders furchtbarer Bilder), muss man vielleicht wirklich davon Abstand nehmen, über die AVS-Systeme für harten Porno hinaus regelnd einzugreifen.

    Ich bezweifle das “entwicklungsbeeinträchtigende” Potenzial vieler Medieninhalte, die “ab 16″ (oder gar ab 12!) eingestuft werden. (Selber hab ich als Kind schon in Anfang der 60ger Porno auch heftiger Art gesehen – über Schüler, die Printmaterialien herum reichten und im Nachttisch der eigene Eltern). Dass heute alte Märchen von ihren Schrecklichkeiten gesäubert werden, empfinde ich auch als falsch. Das Kind darf m.E. doch mitbekommen, dass die Welt kein Ponyhof ist – den Umgang mit solchem Wissen sollten die Eltern erzieherisch in die richtigen Bahnen lenken.

    • @HumanVoice Die Studien zu Pornographie und Jugendlichen habe ich vor einiger Zeit mal untersucht: http://mrtopf.de/blog/politik-politics/mal-was-uber-pornos/

      Kurz: Sieht nicht so wirklich schlimm aus..

      Ich würde auch zustimmen, dass ein Kind bzw. Jugendlicher mal was Schlechtes sehen darf, um dann zu lernen damit umzugehen. Es wird ja nicht so sein, dass man das mit 18 dann urplötzlich kann.

      Ausserdem will man ja sicherlich keine Gesellschaft, die allen schlechten Dingen immer aus dem Weg geht, passiert ja eh viel zu viel.

  24. Dein Artikel ist interessant, aber leider sind deine Annahmen falsch wie auch dein Ergebnis. Man kann das Internet nicht den Regeln der herkömmlichen Medien unterwerfen. Das schließt sich in seiner Grundlogik schon aus. Da Internet ist nunmal vom Prinzip her grenzenlos und es ist ein System mit anarchischer Selbstregulierung. Da kann nicht auf nationaler Ebene reagieren. Und wenn man es auch noch so gerne möchte. Und gut gemeint ist eben nicht automatisch gut gemacht. Oft ist es besser nichts zu machen. Deine Schlussfolgerung ist ebenfalls falsch. Du behauptest man könne gesellschaftliche Kompromisse und Lernprozesse einfach auf das Internet übertragen und somit wird es “…noch einige Jahre Arbeit mit sich bringen…” bis der JMStV angemessen “austariert” ist. Das Internet ist aber wahrscheinlich das in der Geschichte der Menschheit komplexeste, dynamischste und schnellste gesellschaftliche und technische Phänomen. Wer will den z.B. behaupten um die Fragen des Internet im Jahr 2015 zu wissen. Schau doch nur in umgekehrte Richtung und erzähl mir von einem einzigen Politiker, der auch nur im Ansatz von Datenschutz in Sozialen Netzwerken gesprochen hat. Man braucht völlig neue Antworten darauf, Antworten die das Internet in seinem Kern verstanden haben. Ansonsten torkelt man weiter mit faulen Kompromissen im Nebel.

  25. NicoLumma.

    Mit einem Apple Mac geht das mit Bordmitteln: http://www.apple.com/findouthow/mac/#parentalcontrols

    Howto:
    http://gigaom.com/apple/kid-proofing-a-mac-with-parental-controls/

    Meine achtjährige Tochter kann so mit Ihrem Account _unbeaufsichtigt_ im Internet surfen, E-Mails schreiben, Programme nutzen, die ich frei gegeben habe. Eine Bevormundung vom Gesetzgeber braucht es hierzu nicht. Die Eltern sollten Ihre Pflichten wahrnehmen.

    Wenn das hier – in Deutschland – so weiter geht, wird man früher oder später die Konsequenzen ziehen und dem Land den Rücken kehren, da man angesichts dilletantisch agierender Politiker entmündigt wird.
    Heinrich Heine: “Wegen seiner politischen Ansichten zunehmend angefeindet – vor allem in Preußen – und der Zensur in Deutschland überdrüssig, siedelte er 1831 nach Paris über.”
    http://de.wikipedia.org/wiki/Heinrich_Heine

    Sollten wir hier bleiben, kann ich meiner Tochter nur raten, einen Beruf zu erlernen, der ein garantiertes Einkommen beschert. Zu diesen zählen: Notar, Anwalt, Steuerberater, Politiker … Alle anderen in diesem Land sehen sich ab Renteneintritt zum Mittagessen bei Caritas wieder.

    “Wenn ich das nicht mache, öffne ich mich einem beträchtlichen finanziellen Risiko durch Abmahnungen und das will ich nicht tragen.Daher bleibt mir nur die Konsequenz, die Regeln für Internet-Startups auch auf meine eigenen Inhalte anzuwenden: “Nicht in Deutschland, nicht in deutscher Sprache und nicht für Deutsche.”Daher sind meine bisherigen Inhalte bis auf weiteres offline, und falls ich noch einmal irgendwas mache, dann in einem Land, das Zukunft hat. Nicht Deutschland.”
    http://koehntopp.de/

  26. Abteilung Profiteure #2
    http://j.mp/elEEmY

  27. Oh mein Gott. Ich hoffe Du redest Dir nicht immer alles so schön bunt. Sorry, aber mal ehrlich. Wenn Du selbst zwei Kinder hast, solltest Du begreifen lernen das der wirksamste Jugendschutz im Internet bei Dir liegt. Aber nur weil Leute wie Du nicht fähig sind (oder nicht wollen), ihren Kindern das Medium Internet beizubringen, ist doch die Regierung im Zugzwang.

    UNd wenn ich Dich mal zitieren darf: “sondern weil generell unterstellt wird, daß Politiker nur böse Absichten haben und noch dazu völlige Planlosigkeit herrscht, wenn es um das Internet geht”

    Es herrscht doch Planlosigkeit. Schau Dir doch mal das JMStv an. Sieht nicht gerade nach nem (guten) Plan aus ;)

    Und noch eins:
    “erstens gibt es innerparteiliche Meinungsbildungsprozesse, die nicht immer nur Netzpolitik im Fokus haben und zweitens zeigt das Thema Jugendschutz im Internet die Grenzen nationalstaatlicher Politik auf.”

    1. diese innerparteilichen Meinungsbildungsprozesse sind Bürgern total Scheißegal (<– woot. hiermit ab 12 Jahre Kennzeichnungspflicht. So schnell gehts ^^ )

    2. Wie oben schon gesagt. Es gibt (zum Glück) Dinge, die Eltern tun können und denen das (rein juristisch betrachtet) sogar zusteht, Mit allen Rechten und eben auch Pflichten (zum Erziehen der Kinder)

    Also kommt bitte vom Traumschiff runter, bildet euch eure Meinung dort wo sie thematisch hinpasst. Geht für Themen die das Netz angehen auch bitte ins Netz. Geht bei Themen die Arbeitslosigkeit angehen auch bitte aufs Arbeitsamt und geht bei Themen die die Bundeswehr angehen bitte auch nach Afghanistan usw usw.. Kommt hinter dem Schreibtisch vor und nehmt mal die Eier in die Hand. (woot –> vulgäre Sprache..ab 16 Jahre.. so schnell gehts^^)

    Der längste Kommentar des Morgens. Und damit wünsche ich noch einen angenehmen Tag und etwas Zeit zum Nachdenken. ;)

  28. Pass mal bloss auf, das die antiquierten Lösungsansätze aus dem Rundfunk das Netz nicht noch mehr verstrahlen: nicht nur die BLM will Streamingangebote lizenzpflichtig machen. Und gerade in Sachen Jugendschutz gibt’s noch viel mehr Begehrlichkeiten.

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