ZEIT Matinee: Ahlhaus vs Scholz

Nico —  30.01.2011


Heute vormittag war ich zusammen mit meiner Frau in den Hamburger Kammerspielen zur ZEIT Matinee mit Christoph Ahlhaus und Olaf Scholz eingeladen, die unter der Überschrift „Zurück in die Zukunft: Rot-Grün oder Große Koalition?“ stattfand. Der ZEIT-Herausgeber Josef Joffe moderierte die Veranstaltung und sorgte dafür, daß die wichtigen Themen des Wahlkamps angesprochen wurden, wobei er mit teilweise spitzbübischem Charme nachbohrte. Jemanden wie Joffe wünscht man sich als Gegenentwurf einer politischen Talkshow im Fernsehen, aber das nur am Rande.

Die beiden Spitzenkandidaten hatten sehr schnell ihre Rollenverteilung gefunden. Christoph Ahlhaus hat permanent aus der Defensive heraus argumentiert und versuchte immer, sich für die Politik des Senats zu rechtfertigen. Olaf Scholz wirkte souverän und formulierte klare Vorstellungen von dem, was er nach der Wahl umsetzen will. Überhaupt finde ich die Rollenverteilung sehr bezeichnend. Ahlhaus wirkte stellenweise gereizt und bissig, Scholz schon fast präsidial. Eindrucksvoll kamen die Unterschiede insbesondere zum Tragen, wenn es darum ging, was konkret in der Stadt passieren sollte nach der Wahl. Ahlhaus verwies entweder auf die GAL, die ihn nicht gelassen hat, oder auf die Bürokratie, die ihn ebenfalls ausgebremst hat. Ahlhaus war programmatisch so schwach, daß er überhaupt nicht sagen konnte, warum man ihn wählen sollte, er kam aus seinem Verteidigungsmodus gar nicht mehr heraus und eierte bei den Themen nur umher. Scholz hingegen präsentierte Programmatisches und war bei seiner Argumentation immer sehr direkt und auf den Punkt. Eine Diskussion hingegen fand nicht statt, zu ungleich waren die beiden Konkurrenten, sie konnten sich gar nicht auf Augenhöhe begegnen.

Bei der ZEIT Matinee wurde sehr deutlich, daß Ahlhaus in seiner aktuellen Rolle als Hamburger Bürgermeister völlig überfordert ist. Scholz wirkte nicht arrogant und siegessicher, wie ihm derzeit gerne vorgeworfen wird, sondern wie jemand mit klaren Vorstellungen und deutlicher Sprache. Stärker könnte der Kontrast zwischen glücklosem Amtsinhaber und entschlossenem Herausforderer nicht sein.

Bezeichnend waren die beiden Abschlußstatements. Nach dem fahrigen Abschlußstatement von Christoph Ahlhaus hagelte es Kommentare aus dem Publikum und kaum Applaus, nach dem Abschlußstatement von Olaf Scholz gab es deutlichen Applaus. So wird die Wahl am 20. Februar auch verlaufen.

[ Disclosure: mir wird seit über 20 Jahren eine Nähe zur SPD nachgesagt. ]