Archiv für Januar 2011

13. Januar 2011

100 Millionen Nutzer spielen CityVille


Ein Blick auf die CityVille Statistics von AllFacebook zeigt, daß heute Nacht die Marke von 100 Millionen Nutzern durchbrochen wurde. Das ist ein massiver Erfolg von Zynga, der auf der konsequenten Ausnutzung des Ökosystems von Facebook beruht und durch ein Spielprinzip ermöglicht wird, das Nutzer dazu anregt, ihre Freunde miteinzubeziehen. Die bisher erreichte Nutzerbasis von CityVille versetzt Zynga allerdings auch noch mehr als zuvor in die Lage, ihre anderen Spiele über konsequente Cross-Promotion mit einer noch breiteren Nutzerbasis auszustatten. Über 18 Millionen Spieler spielen CityVille täglich, wobei derzeit pro Tag über 700.000 neue Nutzer hinzukommen laut den CityVille Statistiken von AppData.

Zynga hat ein wahnsinniges Momentum, an diese Nutzerzahlen müssen andere Spiele-Anbieter erst einmal herankommen.

11. Januar 2011

Auch 2011: digitale Hilflosigkeit

In Deutschland werden haufenweise Debatten geführt, die irgendwie das Internet als Thema haben. Aber eigentlich geht es gar nicht primär um das Internet. Es geht um Hilflosigkeit.

Viele handelnde Akteure in Politik und Wirtschaft versuchen gerade, irgendwie das Internet zu zähmen. Es urbar zu machen. Es in einen bestehenden Rahmen zu pressen. Einen Rahmen, den man kennt und verstanden hat.

Eigentlich müßte man jeden einzelnen dieser verzweifelten Menschen auf den Schoß nehmen, sanft die Haare hinters Ohr streichen und dann zuflüstern: “Das wird nichts, echt nicht! Du kannst das Internet nicht in Dein bestehendes Schema hereindrücken, Du kannst nicht bestehende Lösungen für das Internet versuchen zu adaptieren. Du mußt neu denken. Völlig neu. Und leider auch vieles Tradierte über Bord schmeissen! Das Internet ist eine massiv disrupte Kraft, die ungeahnte Umwälzungen mit sich bringt und die meisten sind irreversibel. Aber das ist alles gar nicht so schlimm, Du mußt nur über völlig neue Wege nachdenken. Du schaffst das! Hier hast Du einen Lolli!”

Aber dann stelle ich fest, daß wir uns im Jahr 2011 befinden und echt nicht mehr die Zeit haben, all den beratungsresistenten Entscheidern da draußen zu erklären, was im Internet geht und was nicht! Echt nicht. Macht weiter sinnlose Gesetze, preist Radiergummis an, hofft auf iPad-Apps, anstatt auf gute Inhalte zu setzen, macht Euch im Wochenrhythmus erneut lächerlich, wir versuchen währenddessen, das Schlimmste zu verhindern.

Das Internet ist anders. Digital ist anders. Wir sind mitten in einer massiven Entwicklung, die unsere Gesellschaft verändert, die Wirtschaft vor große Herausforderungen stellt und massive Auswirkungen auf die Arbeitswelt hat. Das Internet hat ein enormes Momentum. Während gesetzliche Rahmenbedingungen wichtig sind, müssen wir dieses Momentum nutzen, um die Potentiale für uns zu erschließen und zu nutzen. Eine Rückkehr zum status quo ante ist nicht mehr möglich, egal wie sehr die Besitzstandswahrer anstellen, dafür ist die disruptive Kraft des Internets, bestehende Strukturen zu verändern, viel zu stark.

Geht endlich neue Wege, bevor wir in Deutschland komplett den Anschluß verlieren und zum Entwicklungsland der Zukunft werden, nachfolgende Generationen werden es Euch danken.

09. Januar 2011

SPD: Neuer Fortschritt und kein Internet.

Anfang der Woche findet die Neujahrsklausur der SPD statt und es gibt dazu zwei Thesenpapiere, eines vom Parteivorstand [PDF], eines von der Parlementarischen Linken [PDF]. Auf SpOn wird davon ausgegangen, daß es Streit um unterschiedliche Steuerkonzepte geben könnte.

Den Streit sollte es an anderer Stelle geben!

Ich finde es gut und richtig, daß die SPD das Thema Fortschritt endlich wieder aufgreift und versucht, es programmatisch zu füllen. Aber es kann absolut nicht sein, daß in diesem Zusammenhang das Internet nicht erwähnt wird. In beiden Thesenpapieren findet das Internet keinerlei Erwähnung. Das Internet ermöglicht gesellschaftliche Teilhabe, ermöglicht einfachen Zugang zu Bildung und Kultur, veränert nachhaltig die Arbeitswelt und bringt für ein Land ohne nennenswerte Rohstoffe und einem Fokus auf Bildung ein ungeahntes Potential wirtschaftlicher Entwicklung.

Und meine Partei ignoriert dies komplett in ihrem Fortschrittspapier! Das kann echt nicht angehen! Das Internet löst seit Jahrzehnten massive Disruptionen aus, das kann man bei der Beschäftigung mit dem Thema Fortschritt nicht ignorieren!

Die SPD-Führung sollte sich dringend mal den Artikel von Lars Klingbeil und Björn Böhning Ein freies, gerechtes und solidarisches Netz durchlesen, da ist dargelegt, was das Internet für die SPD und einen neuen Fortschrittsbegriff bedeuten kann.

05. Januar 2011

Neu: Der Apple Mac App Gelddruck Store

Vor ein paar Wochen wurde Mac App Store angekündigt und am 6. Januar soll der Mac App Store dann live gehen. Nach der Einführung des iTunes Music Stores, der erstmalig das Kaufen von Musik brachial vereinfacht hat und dem App Store Konzept für iPhone und iPad wird jetzt mit dem Mac App Store die Art und Weise revolutioniert, wie man auf herkömmlichen Desktop Computern mit Programmen umgeht.

Endlich.

Das Installieren von Software ist zwar jetzt schon auf dem Mac sehr einfach, aber dennoch ist es eine große Hürde, im Netz nach Programmen zu recherchieren und diese dann zu installieren. Unterschiedliche Installations-Programme, unterschiedliche Billingsysteme und auch völlig unterschiedliche Update-Mechanismen sorgen dafür, daß neue Software auf dem Desktop für viele Anwender immer noch eine Herausforderung darstellen.

Und nun kommt Apple daher und vereinfacht alles. Ein App-Store, ein Billingsystem, ein Update-Mechanismus. Einfach mal etwas installieren ist ein No-Brainer geworden. Developer können vom Traffic des Stores profitieren und ihre Apps dort verkaufen. Kunden werden keine Kompatibilitätsprobleme haben, können sich auf Qualitätskriterien verlassen und sicher Produkte kaufen. Der Mac App Store ist ein weiterer Bestandteil des Ökosystems von Apple.

Natürlich hat Apple damit einen weiteren, riesigen Hebel gefunden, um das App-Thema zu dominieren. Neben den Vorteilen für den Nutzer und den Developer profitiert vor allem Apple. Mit dem üblichen 70/30-Share hat Apple eine weitere Gelddruckmaschine gefunden. Irre, wie Apple es wieder schafft, als Heilsbringer dazustehen, indem eine Neuerung eingeführt wird, die Nutzern das Leben erleichtert, Entwicklern von Programmen den Abverkauf erleichtert und dabei vor allem Apple nützt.

03. Januar 2011

7 Tech-Trends für 2011

Anfang Januar, die Zeit der großspurigen Vorhersagen. Wenn Techcrunch Seven Technologies That Will Rock 2011 vorstellt und Behance Shaping the Future: 7 Predictions for the Creative Community raushaut, will ich natürlich auch meine Kristallkugel etwas polieren und gucken, was für mich in 2011 am Wichtigsten sein wird. Für jegliches Denglisch entschuldige ich mich nicht wirklich im Voraus, will aber nur darauf hinweisen, daß ich nicht den Ramsauerischen Richtlinien folgen werde.

- Smartphones, Smartphones, Smartphones: Der Absatz von Smartphones wird weiter massiv steigen, wobei sich Android als das mobile Betriebssystem der Zukunft herauskristallisieren wird. Apple wird mit dem iOS weiter das Tempo vorgeben und Android dann die Ableitung für den Massenmarkt bilden. Windows mobile, Symbian und Blackberry, ebenso wie SonyEricsson und Nokia, werden aus einer Abwärtsspirale nicht mehr herauskommen und zunehmend an Bedeutung verlieren. Apple, HTC und Samsung werden mehr als bisher den Markt dominieren.

- NFC: Near Field Communication wird Teil der neuen Smartphone-Generation sein und die Art und Weise, wie wir bezahlen, nachdrücklich verändern. Sowohl P2P-Transaktionen als auch Transaktionen im stationären Handel werden so möglich und letztere lassen sich durch mobile Markting triggern. “Haste mal ne Mark?” wird digital werden und sich in “Haste mal Facebook Credits?” verändern.

- Dominanz der Ökosysteme: An Facebook, Apple, Google und Amazon wird auch in Zukunft niemand vorbeikommen. Wir träumen zwar alle vom freien Web mit offenen Standards, aber das Herunterbrechen der Komplexitäten des Webs durch die Ökosysteme hat für viele Nutzer einen unbeschreiblichen Vorteil: Einfachheit. Apps erlauben Dritten, in diesen Ökosysteme zu existieren und Inhalte oder Dienstleistungen anzubieten. In diesem Winner-Takes-All-Markt werden viele etablierte Player das Nachsehen haben.

- Akzeptanz des Hyperlinks: Das Online-Konsumverhalten ist völlig anders bei Print. Diese Binsenweisheit wird 2011 für eine Ernüchterung bei Zeitungs-Apps führen. Die Idee, mit Hilfe einer App die Nutzer dazu zu bringen, lediglich Inhalte eines Anbieters zu konsumieren, also sich eine Zeitung von Vorne bis Hinten durchzulesen, wird nicht funktionieren. Hyperlinks sind essentiell für Online-Inhalte und verändern nachdrücklich die Art und Weise, wie wir Inhalte rezipieren. Offen bleibt damit die Frage, wie sich in Zukunft mit journalistischen Inhalten in Deutschland Geld verdienen lässt. Das pure Übertragen eines tradierten Geschäftmodells auf den digitalen Bereich wird es nicht sein.

- Arbeiten in der Cloud: Das Aufbrechen der herkömmlichen Limitierungen durch die Verlagerungen von immer größeren Teilen der Arbeitswelt in die Cloud sorgt für eine neugewonne Flexibilität und für eine grundlegend andere Form der Zusammenarbeit in Teams. Der Webbrowser wird zur natürlichen Arbeitsumgebung für viele Menschen werden, der Zugriff auf Inhalte und der Austausch mit Kollegen wird schneller und besser funktionieren. Apps sorgen auch hier für die nötigen Spezalisierungen innerhalb der professionellen Ökosysteme.

- Zusammen spielen: Social Games als Begriff wird bald nicht mehr existieren, denn niemand muß in Zukunft mehr alleine spielen. Das Wachstum von Zynga ist nur ein Indikator, das Aufpoppen immer mehr Frameworks, die Grundlagen für Social Gaming im Web und für mobile anbieten wollen, zeigt deutlich, daß hier ein massiver Markt heranwächst, der den Spielemarkt komplett verändern wird. Social Games, mobile Social Games, eigentlich klingt das sehr nach der Renaissance der Gesellschaftsspiele, nur eben remote und eher asynchron.

- Geolocation (jetzt aber wirklich): Nachdem alle Early-Adopter sich fröhlich überall eingecheckt haben in 2010, kommt in 2011 die Phase, in der die Geodaten interessant mit Anwendungen verknüpft werden. So kann ich Freunde wissen lassen, wo gerade ein Produkt zu kaufen ist oder wo ich gerade ein Foto gemacht habe, oder an welchem Event ich gerade teilnehme. Sharing wird massiv Location-aware werden in 2011 und damit wirklich einen Nutzwert bieten, der über “bin beim Bäcker” hinausgeht. Hinzu kommt eine Verknüpfung mit der guten alten SMS, um Alerts auszusenden, die zur aktuellen Position des Users passen und ihm einen Mehrwert bieten.

In einem Jahr werden wir wissen, wie sehr ich recht behalten habe.