Verteidigungsminister Guttenberg tut sich und seinem Amt derzeit keinen Gefallen. Guttenberg deklariert die Plagiats-Fundstellen als “Blödsinn” und macht damit deutlich, daß er nicht nur keine Schuldgefühle hat, sondern sich auch über die normalen Moralstandards erhaben sieht.
Jürgen Kaube hat auf FAZ.net mal den Sachstand der Causa Guttenberg zusammengefasst:
Inzwischen ist bekannt, dass Proben auf jeder zweiten Seite eine hohe Erfolgschance hatten. Die Internetplattform „Guttenplag“ dokumentiert, dass auf 270 von 393 Textseiten unausgewiesene Quellen benutzt wurden. Wer sich Belege dafür anschauen will, kann es auch auf http://gut.greasingwheels.org/ tun. Die längste Lesestrecke, auf der sich bislang kein Plagiat fand, sind die Seiten 39 bis 44, wohingegen beispielsweise zwischen Seite 303 und 359 überhaupt nur drei Seiten ohne Plagiat sind. Das Vorgehen desjenigen, der diese Arbeit geschrieben hat, ist beispiellos in seiner Dreistigkeit. Sie setzt mit einem Plagiat aus einem Zeitungsessay ein, verwendet schon in der zweiten Fußnote Formulierungen aus der „Fischer Länderkunde Nordamerika“, schreibt aus Informationsbroschüren für politische Bildung ab und aus Lesebüchern der Politischen Philosophie, übersetzt amerikanische Aufsätze ohne Quellenangabe, grast durch „graue Literatur“ – also Manuskripte vor ihrer Drucklegung – und Vorträge im Internet und bedient sich aus Hausarbeiten von Studenten. Selbst in Abschnitten mit reiner Sachinformation fand der Autor dafür keine eigenen Worte, sondern lieh sich die Formulierungen aus Seminarreferaten unter hausarbeiten.de aus, um sie als die seinen auszugeben. So etwas ist kein „Fehler“.
Wenn Guttenberg jetzt ankündigt, künftig auf seinen Doktortitel verzichten zu wollen, so meint er erneut, daß für ihn andere Standards als für andere Menschen zu gelten haben. Man kann als Bundesminister nicht einfach eine Doktorarbeit zusammenschummeln und beim Ertapptwerden so tun, als ob das ein Flüchtigkeitsfehler gewesen sein. Der moralische Anspruch sollte höher sein und Konsequenzen beeinhalten. Mir ist es völlig egal, ob ein promivierter Jurist Minister ist, oder ob nur ein Staatsexamen erreicht wurde, oder gar keins. Aber ich erwarte, daß ein Minister sich seinen Titel nicht durch Schummeln erschleicht. Und mir ist die Parteizugehörigkeit dabei völlig egal. Und es ist mir auch egal, ob Guttenberg bei den Soldaten anerkannt ist oder nicht, es geht mir um den Anstand in der Politik, um das Anlegen von Maßstäben, die für Normalbürger gelten und für Minister um so mehr gelten müssen. Auch ein Herr Guttenberg darf sich da nicht drüber hinwegsetzen. Sein Ablegen des Doktortitels ohne weitere Konsequenzen für sein Amt ist pure Heuchelei.
Ein Rücktritt ist unausweichlich.
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