Das Warten auf Comeback-Gutti

Nico —  4.03.2011

Karl-Theodor zu Guttenberg ist zurückgetreten und überall kann man lesen, was für ein Ausnahmepolitiker Herr zu Guttenberg doch gewesen und was für ein herber Verlust dies für unsere Bundesrepublik sei.

Das ist alles totaler Quatsch.

Herr zu Guttenberg ist seit 2002 im Bundestag und damit natürlich ein Berufspolitiker, denn etwas anderes hat er nie gelernt, wie wir im Rahmen der Plagiatsaffäre alle mitbekommen haben. Von den anderen Berufspolitikern unterscheidet er sich vor allem darin, daß er schlank ist und es versteht, dies mit einem aufrechten Gang und ausgewählter Kleidung zu kombinieren. Haben Veranstaltungen mit Berufspolitikern oftmals die Anmutung eines Jahrestreffen der Autisten, jedenfalls so wie sie uns im Film Rainman vermittelt wurden, so hat Herr zu Guttenberg sicherlich ein anderes Auftreten an den Tag gelegt.

Dieses Auftreten hat dazu geführt, daß BILD & Co. ihn zu einer Lichtgestalt der deutschen Politik geschrieben haben und aus zu Guttenberg eine Person gemacht haben, auf die Sehnsüchte projiziert werden können. Adel und Glamour, das ist doch mal ein Kontrastprogramm zum grassierenden Technokratentum in schlecht sitzenden Anzügen. Dieses Muster ist nicht neu, als Hamburger ist einem die Titulierung FiLa noch sehr präsent, hinzu kam just die Meldung, daß ein First Baby unterwegs sei. Ein bisschen Monaco für alle, wir haben ja schließlich keinen König mehr.

Protagonisten von CDU und CSU versuchen nun gerade, Herrn zu Guttenberg als Opfer darzustellen, um ein Comeback zu ermöglichen. Herr zu Guttenberg spendet seine Bezüge als Minister. Es ist alles zu schön, um wahr zu sein.

Abgesehen von der beginnenden strafrechtlichen Klärung der Plagiatsvorwürfe werden wir in den nächsten Monaten sehen, wie der neue Verteidigungsminister die Bundeswehrreform des Herrn zu Guttenberg Schicht um Schicht abtragen wird, um den inhaltlichen Kern zu finden. Und wir werden sehen, daß außer vieler Worte und dem Aussetzen der Wehrpflicht keine Substanz vorhanden ist. Niemand weiß, wie die Bundeswehrreform im Detail aussehen soll, das darf jetzt Herr de Maizière klären.

Für Herrn zu Guttenberg war die Politik eine einzige große Showbühne, die Arbeit müssen andere erledigen. Auch nach zu Guttenbergs Rücktritt werden BILD & Co weiterhin dafür sorgen, daß sich große Teile der Bevölkerung ein Comeback das ehemaligen zukünftigen Bundeskanzlers wünschen werden. Das Warten darf gerne länger dauern.

6 responses to Das Warten auf Comeback-Gutti

  1. Der größte Witz ist für mich immernoch die Forderung, Doktorvater und Verantwortliche an der Uni sollten doch zurücktreten. Passt aber ins Muster, das Guttenberg bei Fragen zu Verantwortlichkeiten an den Tag gelegt hat ;) Und die Probleme mit der Bundeswehrreform geht schon los: http://www.zeit.de/politik/deutschland/2011-03/bundeswehr-maiziere-otremba-guttenberg

  2. der_andre 4.03.2011 at 17:44

    Schade, hab grad drauf gehofft, dass Du (in meinen Augen) als Politikexperte ein paar mehr seiner Tätigkeiten zusammenfassen würdest um eine Beurteilung von KT zu erstellen ob er fähig war oder eben nicht.

    Einen so frischen Prozess kann man derzeit ja leider noch nicht bewerten, da eben noch nicht abgeschlossen und nun, vor allem demnächst durch einen neuen Minister verändert werden könnte das Ergebnis nicht absehbar ist.

    Aber gerade dies rechne ich KT hoch an! Da ich schon seitdem ich selbst zum Bund musste darauf hoffe, dass die Wehrpflicht endlich abgeschafft wird! Was wohl auch der allgemeine Wortlaut vieler Bürger ist, nur bisher hat sich dies noch kein Verteidigungsminister „getraut“ oder warum wurde das bisher nie gemacht? Auch das kleine Wörtchen „Krieg“ war richtig endlich in den Mund zu nehmen und eine Peinlichkeit das seine Vorgänger dies nicht geschafft haben…

    Ich hab als Politiklaie nur leider kaum eine Erinnerung daran, welche anderen „Leistungen“ KT vorzuweisen hat. Bei mir hat er aber auch das subjektive Gefühl hinterlassen ein recht integrer Minister gewesen zu sein, der leider von Anfang an mit sehr viel Neid zu kämpfen hatte – für welchen er selbst verantworlich war aufgrund seiner Herkunft und seines Medienlebens.

    Das macht es so schwierig einzuschätzen ob sich da ein guter Mann angreifbar gemacht hat, oder ob wir da einen weiteren von hunderten Tecknokratischen Deppen los geworden sind.

    • DennisWolpert 4.03.2011 at 18:37

      @der_andre Einem Opportunisten wie dem Baron von und zu einen Opportunismus wie das Abschaffen der Wehrpflicht ohne sich über die Konsequenzen im Klaren zu sein zugute halten zu wollen ist in meinen Augen ziemlich schräg. Mein 3-jähriger Jüngster beantwortet Fragen auch gerne mal mit „Weil.“.

  3. SaschaStoltenow 4.03.2011 at 17:58

    Die so genannte Spende für Hinterbliebene ist der Gipfel der Eitelkeit, und ich hoffe, eine Mutter, ein Vater, eine Ehefrau,ein Ehemann, eine Tochter, ein Sohn, die einen Menschen im Einsatz für Deutschland verloren haben – die alle mehr Ehre im Leib haben, als der Ex-Minister – wirft zu Guttenberg das Blutgeld vor die Füße.

  4. ChristophKappes 4.03.2011 at 18:09

    Ich wusste gar nicht, dass Du etwas gegen Berufspolitiker hast. Oder verstehe ich Dich falsch?

    • NicoLumma 4.03.2011 at 18:16

      @ChristophKappes nö, habe ich nicht. vielleicht habe ich mich da auch etwas unklar ausgedrückt. Herr zu Guttenberg wurde immer als jemand dargestellt, der eigentlich kein Berufspolitiker sei, obwohl er natürlich einer ist.