Einfach mal keine Ausreden

Heute gibt es wieder dieses wundervolle Schaulaufen der Politiker, die ab 18 Uhr vor die Kameras gezerrt werden und irgendwelche Statements absondern sollen. Die meisten Statements sind völlig inhaltsleer oder falsch, alle Statements haben aber den Zweck, frühzeitig die Meinungen beeinflussen zu wollen. Allen Politikern geht es darum, möglichst zügig zu punkten, damit ihre Meinung, die oft deckungsgleich ist mit der Parteimeinung, bzw. sich dieser unterordnen muß, als die ausschlaggebene Meinung des Abends angesehen wird.

Das gehört echt abgeschafft. Nichts diskreditiert die Politik so sehr wie der Versuch, eine krachende Niederlage zu einem strahlenden Sieg zu wandeln. Die Wähler wählen vielleicht nicht immer das, was sie sollen, aber sie sind nicht doof!

Mir kommt die Galle hoch, wenn ich Sprüche wie diesen höre:

„Wir haben den historischen Wechsel geschafft mit einem Wahlkampf, der klar Kurs gehalten hat.“

Lieber Nils Schmid, Du hast die SPD in einen Wahlkampf geführt, der in den letzten 6 Monaten von einer massiven Wechselstimmung geprägt war und Du hast es nicht geschafft, davon zu profitieren, sondern hast auch noch ein mieseres Ergebnis als bei der letzten Wahl eingefahren! Also stell Dich nicht als Wahlsieger da, sondern dank den Grünen, die mit einem Spitzenkandidaten, der den Charme und den Elan eines Verwaltungsbeamten einer vergessenen Kleinstadt versprüht, es geschafft haben, Dich ziemlich unbedeutend zu machen! Die haben Dir den Arsch gerettet, lieber Nils! Trotz Dir und der SPD ist Mappus jetzt weg. Was war denn Dein klarer Kurs? Bloß nicht auffallen? Das ist super gelungen!

Seid doch einfach mal ehrlich und gebt zu, daß ihr es verbockt habt. Da hat Japan nicht dran schuld, liebe FDP, sondern das ist eigenes Versagen! Die CDU hat in Rheinland-Pfalz und Baden-Würtemberg trotz der allgemeinen Stimmungslage sehr respektable Ergebnisse eingefahren, das sollte auch zu denken geben. König Kurt in Rheinland-Pfalz hat jedenfalls gerade noch so seinen Arsch gerettet, aber schön ist was anderes. Die Leute erwarten Klarheit und Alternativen, nicht einfach nur irgendwas. Für die SPD in Rheinland-Pfalz sollte diese Landtagswahl ein massiver Warnschuß sein, daß „Weiter so!“ noch nie gut geklappt hat auf Dauer.

Und bei der nächsten Wahl wünsche ich mir, daß sich die Politiker hinstellen und einfach mal sagen: „ja, wir haben es verkackt, das kann man doch deutlich sehen!“ – anstatt wie üblich irgendwelche Traumdeutungen zu machen und die Schuld bei anderen zu suchen.

18 Antworten auf „Einfach mal keine Ausreden“

  1. Und dann waren da noch die Journalisten, die nur interessiert ob Westerwelle nun gestürzt wird und Merkel die AKWs nun abgeschaltet lässt. Dabei wäre es doch deren Aufgabe, Worthülsen als Worthülsen zu entlarven!

  2. Die CDU feiert das Ergebnis in Rheinland-Pfalz! Das ist doch auch ein Witz! Stand jetzt ist es das zweit schlechteste Ergebnis in Rheinland-Pfalz. Und die CDU lässt sich in der ZDF-„Elephanten“-Runde dafür feiern das sie jetzt die Atomkraftwerke abgeschaltet haben. Das hätte die SPD während ihrer Regierungszeit ja nicht gemacht. (Hermann Gröhe). Bisśchen einseitig dieser Kommentar hier. naja

  3. Komisch, Kretschmann verströmt für dich „den Charme und den Elan eines Verwaltungsbeamten“, so einen wie Scholz findest du aber dufte. Das ist für mich nicht wirklich stringent, beide sind sich nämlich durch ihre unaufgeregte Art und ihr Interesse an Sachpolitik ganz ähnlich.

    Für mich ist diese Wahl vor allem eine Niederlage für die Dampfplauderer und Glitterboys – und girls.

    Diese haben in der FDP ja sogar eine eigene Partei, und vor allem die wurden böse abgestraft. Wenn du also keine Konzepte am Start hast, wenn du keine frischen Antworten hast, dann kannst du mehr und mehr einpacken.

    Und das – um einmal mehr den bekannten Spezialdemokraten zu zitieren, der demnächst die Wahl in Berlin verlieren wird – ist auch gut so.

  4. So ist die Politik nunmal leider. Ein Herman Gröhe sagt dann, man habe von den Wählern einen klaren Oppositionsauftrag bekommen. Auch eine eigenartige Interpretaition.

  5. Genau, als würden die Leute an die Wahlurne gehen und sagen: „Mensch, die FDP sollte in den nächsten Jahren wirklich mal konstruktiv was in der Opposition bewegen“

    Nicht eben realistisch :)

  6. Ich mach mal den Advocatus Diaboli: Solange man in Deutschland für jedes wahre Wort in der Politik sofort zurückgetreten wird, ist es doch komplett wurscht, was jemand, der nicht gewonnen hat, am Wahlabend ins Mikro erzählt. Zumal alle Protagonisten bis zu diesem Zeitpunkt gerödelt haben wie die Stiere und vermutlich Adrenalin haben bis unter die Augen. Und ich nehme an, dass die Wirkung der Worte, die ein unterlegener Parteibonze in solchen Situationen sagt, auf seine Parteifreunde die wichtigste ist. Denn Verlierer kann man jederzeit auswechseln. Und wenn Mappus nicht ab Montag wieder einen Zivilberuf ausüben will, dann muss er jetzt irgendwas sagen, was seine Leute beruhigt.

    In der Pflicht stehen die Journalisten. Die müssen nachfragen und bohren. Und sie dürfen nicht beleidigt sein, wenn ein Gerhard Schröder sie in der Elefantenrunde abwatscht. Zumindest darf man es ihnen nicht ansehen.

  7. Ich mach mal den Advocatus Diaboli: Solange man in Deutschland für jedes wahre Wort in der Politik sofort zurückgetreten wird, ist es doch komplett wurscht, was jemand, der nicht gewonnen hat, am Wahlabend ins Mikro erzählt. Zumal alle Protagonisten bis zu diesem Zeitpunkt gerödelt haben wie die Stiere und vermutlich Adrenalin haben bis unter die Augen. Und ich nehme an, dass die Wirkung der Worte, die ein unterlegener Parteibonze in solchen Situationen sagt, auf seine Parteifreunde die wichtigste ist. Denn Verlierer kann man jederzeit auswechseln. Und wenn Mappus nicht ab Montag wieder einen Zivilberuf ausüben will, dann muss er jetzt irgendwas sagen, was seine Leute beruhigt.

    In der Pflicht stehen die Journalisten. Die müssen nachfragen und bohren. Und sie dürfen nicht beleidigt sein, wenn ein Gerhard Schröder sie in der Elefantenrunde abwatscht. Zumindest darf man es ihnen nicht ansehen.

  8. Ich mach mal den Advocatus Diaboli: Solange man in Deutschland für jedes wahre Wort in der Politik sofort zurückgetreten wird, ist es doch komplett wurscht, was jemand, der nicht gewonnen hat, am Wahlabend ins Mikro erzählt. Zumal alle Protagonisten bis zu diesem Zeitpunkt gerödelt haben wie die Stiere und vermutlich Adrenalin haben bis unter die Augen. Und ich nehme an, dass die Wirkung der Worte, die ein unterlegener Parteibonze in solchen Situationen sagt, auf seine Parteifreunde die wichtigste ist. Denn Verlierer kann man jederzeit auswechseln. Und wenn Mappus nicht ab Montag wieder einen Zivilberuf ausüben will, dann muss er jetzt irgendwas sagen, was seine Leute beruhigt.

    In der Pflicht stehen die Journalisten. Die müssen nachfragen und bohren. Und sie dürfen nicht beleidigt sein, wenn ein Gerhard Schröder sie in der Elefantenrunde abwatscht. Zumindest darf man es ihnen nicht ansehen.

  9. Nico, du hast Recht. Als Neusozi in BW stelle auch ich fest: Wir haben keine Sichtbarkeit. Das zu ändern ist aber auch nicht leicht.

  10. Sorry, lieber Nico, aber Du verkennst offensichtlich die Realitäten in Baden-Württemberg. So, wie Hamburg von der SPD dominiert wurde, so wurde Baden-Württemberg seit 1952 von der CDU dominiert. Deshalb ist es völlig normal, dass sich Nils u.a. über den Wechsel freuen und sich nicht am Wahlabend selbst demontieren. Ja, wir haben dank der Grünen den Wechsel geschafft – na und? In Baden-Württemberg werden wir nie (!) 50% erreichen.

    Noch ein Wort zu Kretschmann. Da spricht aus Dir die Arroganz der Großstadt. Du wirst es für unmöglich halten, aber jemand wie Kretschmann kommt hier bei uns sehr gut an. Die Grünen haben also nicht trotz Kretschmann, sondern auch wegen Kretschmann (!) sehr gut abgeschnitten.

    Also: Ball flach halten, wenn man keine Ahnung hat.

  11. @ChristianSoeder ach komm, das kann doch nicht dein ernst sein? das mieseste Wahlergebnis ever und dann jubeln? das geht doch nicht. da denken die wähler, jetzt sind sie plemplem geworden. arroganz der großstadt musst du mir nicht vorhalten, ich komme vom land. und selbst da hätte man so einen langweiler wie kretschmann ignoriert.

  12. Doch, das ist mein Ernst. Ich war am Sonntagabend in Stuttgart und habe aufrichtig gejubelt und gefeiert. (Und ich werde nicht Minister, habe also nichts davon. :-))

    Ich persönlich finde Kretschmann auch furchtbar. Aber hey. Die Leute hier sind so, wie sie sind. Die fanden auch Teufel super. Was soll ich da machen?

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