Es liegt am Rundfunkstaatsvertrag, Dummkopf!

Nico —  24.06.2011

Wohl und Wehe der freien Welt hängt derzeit von der Tagesschau-App ab. Die Verleger klagen, die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten und die geneigte Fachöffentlichkeit sind entrüstet.

Wettbewerbsverzerrung. Eine App mit Bewegtbild und Text darf nicht sein, sagen die einen, die aus dem Print-Bereich kommen und massiv in Bewegtbild online investieren. Die anderen sagen, zur Grundversorgung gehört eine App und wir GEZ-Zahler wollen schon das Maximale an öffentlich-rechtlicher Grundversorgung und warum werden überhaupt Beiträge aus dem Archiv gelöscht, die mit unseren GEZ-Gebühren finanziert wurden. Was für eine Verschwendung.

Also wird viel geredet und nun auch geklagt. Aufregung pur.

Ich kann mich über die Klage nicht aufregen, ich finde die Beweggründe absurd, weil es auch andere Bereiche gibt, in denen es eine Wettbewerbsverzerrung gibt und das hat das private Fernsehen nicht aufgehalten, aber ich finde die Klage gut, weil sie zu Denkprozessen anregt.

1. Der Rundfunkstaatsvertrag geht davon aus, dass Sender ein knappes Gut sind. Heutzutage kann jeder Inhalte produzieren und auch senden. Noch dazu reden wir seit 15 Jahren von Medienkonvergenz. Aber die gesetzliche Basis setzt immer noch auf scharf getrennte Bereiche Fernsehen, Print und Radio und humpelt somit der Realität hinterher.

2. Das Internet sorgt dafür, daß wir alle unsere Informationen und auch unser Entertainment auf vielfältigste Arten und Weisen bekommen können. Das ursprüngliche Sender-Prinzip hat ausgedient, es wissen nur noch nicht alle. Warum ist das eigentlich so?

3. ARD und ZDF sind eigentlich Medienanstalten und sollten daher auch ihren Grundversorgungsauftrag medienneutral wahrnehmen können und damit natürlich in Konkurrenz zu den Medienhäusern wie Springer, Burda, WAZ, Holtzbrinck und Co. stehen. Die Nutzer sollten entscheiden können, wo sie was wie konsumieren, nicht der Gesetzgeber.

4. Der Rundfunkstaatsvertrag muß dringend entstaubt werden, aber dazu muß der Gesetzgeber erst einmal anfangen, das Internet und seine Auswirkungen zu verstehen.

An der Tagesschau-App geht unsere Medienwelt nicht zugrunde, allerdings zeigt die Klage deutlich, wie absurd die bundesdeutsche Medienpolitik aussieht. Die Zukunft ist massiv digital und die Politik muß daher den Rundfunkstaatsvertrag gründlich entstauben und ARD/ZDF einen Auftrag für die Zukunft geben. Daran können sich dann alle Marktbegleiter orientieren und sich überlegen, wie sie ihre Businessmodelle darauf ausrichten. Wer weiß, vielleicht bieten ARD/ZDF in einigen Jahren lokale Tageszeitungen an, um die Grundversorgung zu sichern. Aber dafür ist es notwendig, in Kategorien des 21. Jahrhunderts zu denken.

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  1. Linkdump vom Do, 30. Juni 2011 bis Fr, 01. Juli 2011 Links synapsenschnappsen - 1.07.2011

    […] Es liegt am Rundfunkstaatsvertrag, Dummkopf! […]

  2. Aktuelles 1. Juli 2011 - 1.07.2011

    […] Es liegt am Rundfunkstaatsvertrag, Dummkopf! "An der Tagesschau-App geht unsere Medienwelt nicht zugrunde, allerdings zeigt die Klage deutlich, wie absurd die bundesdeutsche Medienpolitik aussieht. Die Zukunft ist massiv digital und die Politik muß daher den Rundfunkstaatsvertrag gründlich entstauben und ARD/ZDF einen Auftrag für die Zukunft geben. Daran können sich dann alle Marktbegleiter orientieren und sich überlegen, wie sie ihre Businessmodelle darauf ausrichten. Wer weiß, vielleicht bieten ARD/ZDF in einigen Jahren lokale Tageszeitungen an, um die Grundversorgung zu sichern. Aber dafür ist es notwendig, in Kategorien des 21. Jahrhunderts zu denken." […]