Die Politik spricht und die Jugend würde zuhören

Die Friedrich-Ebert-Stiftung hat die Studie Sprichst du Politik? veröffentlicht, um herauszufinden, wie die Einstellungen von Jugendlichen zwischen 16 und 19 Jahren zur Politik sind. Das ewige Lamento, daß die Jugend kein Interesse an Politik hat, kenne ich noch aus meiner Zeit als Jugendlicher und auch die Erkenntnis der Studie überrascht mich nicht wirklich:

Es gibt bei den Jugendlichen eine Grundbereitschaft zum Mitdenken und Mitmachen. Doch die Befragten erachten die gegenwärtige politische Kommunikation zumeist als kontraproduktiv. Sie empfinden sie als eine oft unverständliche, mit Fremd- oder Kunstworten sowie Beschönigungen durchsetzte Sprache, die den Austausch über Politik erschwert. Dieser Eindruck ist bei jungen Frauen noch deutlich stärker verbreitet als bei jungen Männern.

Eine Grundbereitschaft haben wir eigentlich alle, wenn Politik nicht nur so mühselig, anstrengend und zeitaufwändig wäre, das weiß ich aus eigener Anschauung nur zu gut.

Allerdings sind in der Zusammenfassung sind nicht nur die interessantesten Ergebnisse aufgelistet, sondern auch Handlungsempfehlungen formuliert, von denen ich eine exemplarisch herausgreifen will:

Die Botschaft an die Politiker/innen lautet, sinngemäß: Redet so, dass wir euch verstehen. Legt das Manuskript beiseite, und sprecht in eurer Alltagssprache, direkt, offen und unkompliziert. Ein Appell an alte rhetorische Tugenden zur Rettung der Debattenkultur – und ein Appell an die Politiker/innen, die freie Rede zu wagen und sich nicht hinter dem anonymen “WIR” eines Parteiapparates und sorgfältig vorformulierten Zeilen zu verstecken.

Ich glaube, das ist ein eine extrem wichtige Botschaft, die generell für Politiker und Politikerinnen gilt, egal welche Alterskohorte angesprochen werden soll. Im Politikbetrieb ist der Hang zur normalen Sprache abhanden gekommen, es wird jede Formulierung auf die Goldwaage gelegt und selten werden dadurch Aussagen klarer. Komplexe Sachverhalte klar und deutlich zu vermitteln – das erwarten viele Bürger von Politikern und werden doch stets enttäuscht.

Kann Twitter da mit der Fokussierung auf 140 Zeichen helfen? Oder ist die permanente mediale Aufmerksamkeit nur noch ein weiterer Faktor der zur Unverständlichkeit von Politikerstatements führt? Wenn man alte Ausgaben der Tagesschau guckt, war damals alles besser? Oder sind einfach nur zu viele Juristen in der Politik?

Meine Anregung an die Macher der Studie: Stiftet den „Preis der Jugend für verständliche Politikvermittlung“ an Politiker und Politikerinnen, die sich Mühe geben, verständlich zu sprechen und freie Rede dem Ablesen vorziehen.

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