Es hat sich ausgebloggert

Nico —  6.07.2011

Laut einem Bericht von Mashable sollen die Marken Blogger und Picasa verschwinden. Das finde ich einerseits schade, andererseits konsequent. Google hat den Bericht unkommentiert gelassen, also werden wir sehen, was passiert. Gehen wir doch erst einmal davon aus, daß Mashable keinen Unsinn schreibt.

Blogger.com war einmal die Plattform für Blogs, legendär sind die Stories aus den Gründungsjahren mit dem Server unterm Schreibtisch, der Gründer Ev Williams gilt seit der Zeit als einer der smartesten Gründer, der genau antizipieren kann, was das nächste große Ding sein kein. Seine Legacy hat sicherlich zum Erfolg von Twitter beigetragen, denn man mußte einfach ausprobieren, was er nun wieder vorhatte, vor allem, nachdem Odeo ein Reinfall war. Wann immer jemand aus dem Gründungsteam von Blogger verkündet, daß er etwas Neues machen würde, stehen alle Schlange und wollen sofort einen Pre-Alpha Invite haben.

Blogger hat damals eingelöst, was das Web schon lange versprochen hatte: jeder kann publizieren. Blogger war damals, vor 11 Jahren, ein Meilenstein. Blogger hat damals die Tür ganz weit aufgetreten zu einer neuen Epoche. Blogger war nie perfekt, aber Blogger war ganz weit Vorne und hat den Weg bereitet für WordPress, Tumblr, Posterous & Co. Und natürlich war Blogger.com auch die Inspiration für Blogg.de, die von mir gestartete Blog-Plattform, die vieles besser machen wollte, aber wenigstens einiges anders gemacht hat. Das Blogger-B wird noch heute als Synonym für Blogs verwendet, denn Blogger hat diese Kategorie defniert und massentauglich gemacht.

Als Blogger von Google gekauft wurde 2003, da bin ich davon ausgegangen, daß das Thema Inventargenerierung über User Generated Content für Google so relevant ist für die Vermarktung, daß Google Blogger sehr schnell integrieren und fortentwickeln würde. Machen wir uns nichts vor, das ist nie passiert. Google hat Blogger.com mehr oder weniger konserviert, von ein paar Aufrüschungen mal abgesehen. Blogger war einfach nur Teil eines großen Portfolios von interessanten Diensten, die alle zum Google Universum gehören, aber nicht im Rampenlicht stehen. Google, das war eigentlich immer nur Suche und Youtube, dazu etwas Gmail, alles andere spielte keine merkliche Rolle.

Das ändert sich jetzt. Google+ ist der Versuch von Google, nicht nur im Bereich Social Web aktiv zu werden, sondern auch seine Dienste besser zu integrieren und miteinander zu verknüpfen. Die Verknüpfung erfolgt entlang eines Google Profils, das aus der Sicht von Google zum Dreh- und Angelpunkt aller Aktivitäten in Netz werden soll. Natürlich bietet es sich an, aus Googles Sicht, daß vor allem die eigenen Dienste hier präferiert angebunden werden und das erreicht man am Besten, indem Bezeichnungen gefunden werden, die jeder versteht. Photos anstatt Picasa. Das leuchtet ein. Bei Blogger finde ich es schwieriger, aber Google Publish würde mir einfallen.

Die Eingemeindung von Blogger und Picasa in Google+ macht extrem viel Sinn und wird die Nutzungszahlen für die Dienste nachhaltig stabiliseren, weil sie ein direkter Teil des Google+ Universums sein werden. Schade für Blogger, aber es ist nur konsequent, daß Google+ jetzt der Anlaufpunkt wird.

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  1. Wortfeld » Gib mir ein B! | Eine kleine Erinnerung an Blogger.com. - 6.07.2011

    […] den Laden übernahm. »Blogger war nie perfekt, aber Blogger war ganz weit vorne«, schreibt Nico Lumma. Stimmt — die Blogger-Nutzerschaft ist nach und nach abgewandert, je nach Gemütslage und […]

  2. Linkdump vom Mi, 06. Juli 2011 bis Do, 07. Juli 2011 Links synapsenschnappsen - 7.07.2011

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