Anmerkungen zur Pseudonymdebatte auf Google+

In Teilen der Google+-Sphäre herrscht gerade Aufregung, weil Google für Google+ Klarnamen erwartet und Profile mit Pseudonymen durchaus auch mal sperrt.

Die eine Seite sagt: „so sind die Regeln, komm mal klar!“
Die andere Seite sagt: „im Netz trete ich seit Jahren unter dem Pseudonym auf, das muß Google akzeptieren!“
Und dann gibt es noch Haufenweise AGB-Interpreten, Netz-Freischärler, Paranoide, Trolle und Sprücheklopfer, die sich dieses Themas annehmen. Da darf ich natürlich nicht fehlen.

Ich sehe das so: Google zahlt die Party und legt daher die Rahmenbedingungen fest. Google will wissen, wer die Nutzer sind, um die Profile anzureichern und um Werbung auszuliefern. Je enger wir mit Google verknüpft sind, desto besser für Google. Das Profil von Google+ kann man nur eingeschränkt aus der Netz-Öffentlichkeit verbergen – es soll zum Dreh- und Angelpunkt der Person im Netz werden. Google sieht zwar den Punkt „Nicknames“ für das Profil vor, aber man kann diese nicht zum Default machen. Für die Nutzung mit Pseudonymen ist Google+ ungeeignet. Genauso wie Facebook übrigens auch.

Das wird für 99,9% der Nutzer völlig egal sein. Warum? Weil man mit Menschen befreundet ist und deren Klarnamen kennt. Das Theorem „Im Internet weiß niemand, daß Du ein Hund bist.“ hat sich spätestens seit dem Aufkommen von StudiVZ und Facebook überlebt. Irgendwelche Kampfnamen gibt es nur noch bei MMORPG und Twitter. Und mal ehrlich, kommt einem das nicht etwas spackig vor, wenn man sich in Real Life trifft und dann irgendwelche kindischen Codenamen benutzt?

Auf der anderen Seite kann ich das Argument gut nachvollziehen, daß nicht alle Leute mit dem Klarnamen im Internet stehen wollen, Gründe gibt es genug (Job, politische oder religiöse Einstellungen, Auffindbarkeit) – aber dann frage ich mich, ob ein soziales Netzwerk wirklich der beste Ort für Netzaktivitäten ist, denn durch die Verknüpfung mit anderen ist man üblicherweise transparenter als man denkt, selbst wenn man die Inhalte nicht öffentlich verteilt.

Getreu dem alten Motto „Jeder soll nach seiner Façon selig werden“ würde es mich freuen, wenn man bei Google+ sein Nicknamen zum Default machen kann, aber ich finde es grundsätzlich besser, mit Menschen verknüpft zu sein, die mir auch ihren Klarnamen zeigen. Das wirkt irgendwie authentischer und hat nicht so einen Geheime-Kommandosache-Charme.

Aber eigentlich ist mir die Pseudonymdebatte bei Google+ herzlich egal, es macht die anderen Inhalte bei Google+ weder besser noch schlechter, lädt aber zum Ausprobieren des Mute-Buttons ein. Und ja, ich bin mir sicher, daß mir die eigentliche Tragweite der Pseudonymdebatte auf Google+ gar nicht klar ist, aber das liegt sicherlich an meiner Ignoranz gepaart mit ADHS.

7 Antworten auf „Anmerkungen zur Pseudonymdebatte auf Google+“

  1. mir ist es auch egal, wichtig ist mir meine tägliche Dosis an Methylphenidat :-)

    In Bezug auf die Transparenz seiner persönlichen Daten einfach sich dieser Initiative anschließen:

    http://quantifiedself.com/

    Friedrich Bolle

  2. Och Nicco!

    Natürlich ist die Möglichkeit, ein echtes Pseudonym verwenden zu können, etwas, was 99% (oder vielleicht nur 98%) der Anwender nicht interessiert. Die bevorzugen es selbstverständlich, wenn jeder Gesprächspartner ein Namensschildchen tragen. Aber es gibt schon einige Lebenslagen, wo diese Möglichlichkeit sehr wichtig werden kann. Und vielleicht begegnen die sogar mehr als 1 oder 2% der Leutchen. Und selbst, wenn es nur die 2% sind, wäre das immer noch wichtig. In einer Demokratie zählt ja nicht allein der Wille der Mehrheit …

    Ja, auch außerhalb von Libyen kann das wichtig sein. Ich habe nur ein paar wenige davon in meinem Pöstchen zu dem Thema zusammengetragen: http://notizen.steingrau.de/2011/07/16/die-fakten-zum-pseudonym-verbot-auf-google/ Du nennst sie ja auch.

    Dass das nicht alles nur um Kokolores geht, zeigt die Tatsache, dass das Pseudonymitäts-Optionen sogar im Telemediengesetz vorkommen – wo Deutsche Gesetze ansonsten nicht immer durch Ausdruck von bürgerlichen Freiheitsrechten glänzen. Dass das da so steht, soll für mich kein Totschlagargument sein, sondern nur ein Indikator, dass es hierbei ganz offensichtlich um mehr geht, als um Rumtrollen, Spam-Vermeidung und „mit offenem Visier reden“

    Warum Google derzeit auf seinen – schrecklich vagen – Regeln so beharrt, bzw. welcher Schaden dem Unternehmen entstehen würde, wenn ich mit einem Nickname antreten kann (wie Du ja selbst vorschlägst) ist mir schleierhaft – und wird auch nicht von den Unternehmenssprechern begründet. Die meisten Leute würden doch eh ihre Realnamen nutzen …

    Vielleicht ist es das, was mir die Nackenhaar hochstehen lässt.

  3. @markus.breuer och Markkus. nur weil es in einem Gesetz steht, ist es doch noch lange nicht relevant. :)

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