VZ ist irgendwie tragisch, aber verdient

Nico —  22.07.2011

Laut einer Vorabmeldung des Manager Magazins hat der Verkauf der VZ Netzwerke nicht geklappt. Das verwundert jetzt nicht wirklich, denn wer will angesichts der Dominanz von Facebook jetzt noch wirklich in ein deutsches soziales Netzwerk investieren? Und überhaupt, was machen eigentlich wer-kennt-wen.de und Lokalisten.de heutzutage so?

Ich finde es allerdings trotz aller Häme tragisch, daß keines der deutschen sozialen Netzwerke heutzutage noch relevant ist. Ich finde es generell besser, wenn es Konkurrenz gibt und an dem plötzlichen Erscheinen von Google+ in der Szene kann man deutlich erkennen, wieviel Innovationspotential im Bereich soziale Netzwerke noch vorhanden ist. Es würde mich einfach freuen, wenn auch aus Deutschland in diesem Bereich mal Innovation käme und es wäre auch gut für den deutschen Markt. Nun kann man sicherlich durchaus behaupten, daß StudiVZ schon keine originäre deutsche Idee war, aber die rasante Marktdurchdringung in Deutschland war schon bemerkenswert. StudiVZ hatte wirklich Potential.

Um so mehr nervt mich die seit Jahren gepflegte Litanei an, daß es am deutschen Datenschutz liege, daß StudiVZ nicht weiter kommt:

Ein Holtzbrinck-Manager wird mit den Worten zitiert: „Es kann niemandem recht sein, wenn der Markt durch Facebook monopolisiert wird, das beim Datenschutz keine Rücksichtnahmen kennt.“

Das ist eine faule Ausrede – das Problem ist die mangelnde Innovationsfreude und der fehlende Anspruch der VZ Netzwerke. Nach dem großen Erfolg des Gruschelns kam nichts mehr nach, kein Versuch, Online-Kommunikation neu zu definieren. Es gab immer nur einen billigen Abklatsch von funktionierenden Ideen, die halbherzig umgesetzt wurden. Anstatt ein Ökosystem zu schaffen, von dem alle profitieren, wurde die Vermarktung in den Vordergrund gerückt und versucht, alles zu kontrollieren und zu monetarisieren.

Der Niedergang der VZ Netzwerke ist tragisch, aber er ist auch verdient. Soziale Netzwerke verändern die Art und Weise wie wir online kommunizieren nachhaltig – soziale Netzwerke leben von Innovation und von dem Verfügbarmachen von Technologien für die breite Masse, um Kommunikation weiter zu vereinfachen. Wer sich hier dem Thema Innovation verschließt, wird einfach nicht vom Fleck kommen, sondern durch die immer kürzer und schneller werden Innovationszyklen sehr schnell unattraktiv werden und vom Markt verdrängt.

4 responses to VZ ist irgendwie tragisch, aber verdient

  1. Ich denke, nicht nur die Innovationsfreude hat den VZ-Netzwerken gefehlt. Was ich viel mehr erlebt habe, ist die Content-Feindlichkeit.

    Wenn ich meinen Twitter-Account mit VZ verbunden habe, war ich zeitweise der einzige in der Timeline meiner Freunde, wenn ich am Tag vielleicht 3-8 Tweets gepostet habe. Sonst hat dort kaum jemand Inhalte verlinkt, es gab keinen Stream, wie bei FB. Der Content, der eigentlich den täglichen Klick zu FB für mich zumindest rechtfertigt, fehlt bei den VZ-Netzwerken. Alles ist auf die eigene, langweilige Seite fixiert oder auf Nachrichten etc. Es entsteht durch das tägliche Content Posting oder Statusmeldungen allerdings eine zusätzliche Kommunikation, die in den VZ-Netzwerken einfach nicht so möglich ist, weil der „Buschfunk“ so stiefmütterlich behandelt wurde. Er war immer eine Randbemerkung, doch dadurch liefen dann viele hinterher zu FB über:

    Dort hat man nämlich gleichzeitig die normale Kommunikation per Nachrichten, Chat etc. und dazu den Content (wenn man ihn denn braucht). Wenn man den Content nicht braucht, ging man trotzdem rüber, weil dort eine Vielzahl der herkömmlichen Kommunikation über Nachrichten etc. auch stattfand. „Alle sind schon da“, hieß es dann, was das Herdenverhalten rechtffertigte.

  2. Meine Meinung: es war nicht (nur) Innovationsfreude und Content-Feindlichkeit (?), sondern die fehlende Möglichkeit, auch mit seinen Freunden und Kollegen im Ausland verbunden zu sein.

    FB war einfach cooler und internationaler.

    Und hier gilt „Winner takes it all“

    Vielleicht ergänzt durch „only Google or Apple could play in the same league“

  3. Viele haben internationale Kontakte. Da funktioniert nur ein international anerkanntes Netzwerk.

  4. Viele haben internationale Kontakte. Da funktioniert nur ein international anerkanntes Netzwerk.