20 Jahre Linux – ein persönlicher Rückblick

Nico —  17.08.2011

Wow, 20 Jahre? An den Betriebssytemen sieht man, das man älter wird. Ich fing 1996 an, Linux zu nutzen, was heißt hier nutzen, ich versuchte, damit klarzukommen. Ich war MacOS 7.x gewöhnt, was ok aussah, aber ehrlich gesagt nicht viel konnte. Aber es hatte vor allem eine ordentliche GUI und keine Shell. Linux war eine riesige Umgewöhnugn für mich, sie fing mit dem 2.0er Kernel an und bald mußte ich unbedingt immer die AC-Kernelvarianten vor mich hinkompilieren, wegen irgendwelcher Cutting-Edge Treiber, die ich natürlich brauchte.

Linux war eine riesige Spielwiese damals Ende der 90er, Freshmeat.net bot täglich eine Fülle von Updates freier Software, die ich ebenfalls frühlich vor mich hinkompilieren konnte. Es gab lauter Glaubenskriege, sei es Emacs vs. vi (vi!), oder fvwm2 vs. KDE vs. Gnome vs. Enlightenment (Enlightenment, weil es total cool war, aber niemand es nutzte, ich aber mit dem Developer aus Australien mal in Stuttgart ein Bier getrunken hatte), oder SuSE vs. RedHat vs. Debian (SuSE, wegen emoenke, wir waren schließlich in Göttingen), und so weiter.

Irgendwann haben wir dann in Göttingen mal einen Infostand gemacht und Linux-CDs verteilt, wir haben Linux-Installationsparties veranstaltet und eine Usergroup gegründet, der ich den gut zu merkenden Namen Göttinger Unix/Linux Anwendergruppe (GULAG) verpasst hatte, was durchaus zu Diskussionen führte. Ich erinnere mich auch noch gut an eine CeBIT, bei der ich zusammen mit Jon „Maddog“ Hall am Stand von Linux International CDs mit Debian verteilt haben. Für die damalige Community-Website linux.com war ich zuständig für eine Hardware-Datenbank und die Jobs-Section – wir haben weltweit mit dutzenden von Entwicklern an der Website gebastelt und ich habe massiv viel gelernt. Dann wurde irgendwann Embedded Linux hip, wer hätte damals geahnt, wie stark die Verbreitung von Android mal sein würde. Die Entwicklung von Linux war vor allem immer rasant, ist es immer noch.

Ich habe durch Linux viele gute Freunde gefunden, ich habe als IT-Leiter viele Linux-Systeme genutzt und Serverfarmen konzipiert, habe stets Hilfe durch die Community und meine Freunde bekommen, wenn ich mal mit meinen Admin-Fähigkeiten nicht weiterkam und ich fühle mich auch heute noch Linux und der Open Source Bewegung eng verbunden. Sie hat in großen Teilen mein Denken beeinflußt. „Release early, release often“ praktiziere ich auch heute noch, wenn es um das Entwickeln von Ideen geht. Die Hacker Ethik hinter Linux sehe ich als Grundlage für Innovation im Internet an und den Essay In the Beginning…was the Command Line von Neal Stephenson habe ich damals verschlungen, genau so wie The Cathedral and the Bazaar.

Linux war damals irgendwie total aufregend für mich. 20 Jahre Linux – wow, da kommen so viele Erinnerungen hoch. Mittlerweile ist Linux etabliert. Linus Thorvalds hat etwas ziemlich Cooles ins Rollen gebracht damals.

Linux then and now

[ via: 20 years of Linux [Infographic] — Tech News and Analysis ]

3 responses to 20 Jahre Linux – ein persönlicher Rückblick

  1. oswaldprucker 18.08.2011 at 5:18

    Meine Linuxzeit läuft nun seit vier Jahren. Ein Nachbar (Hero of the command line) und Windows Vista haben mich zu Ubuntu getrieben. Ich bin kein command line freak oder nerd. Ich bin einfach User. So wie bei Windows. Und ich bin es unglaublich gerne. Selbst Ubuntu Unity finde ich nutzbar und von der Idee her gut. Alles in allem: Es ist die Abwechslung, die ich schätze. Und, genau wie du, die Foren, in denen einem eigentlich immer und gut weitergeholfen wird.

  2. Aber 2012 wird das Jahr des Linux Desktops!

  3. Aber 2012 wird das Jahr des Linux Desktops!