Kann eine WG ein virtuelles Projekt sein?

Nico —  18.08.2011 — 4 Comments

Hamburg-WG AussenansichtDas Hamburger Abendblatt berichtete unlängst davon, daß die Stadt sich aus der Finanzierung des Projektes #hh_wg zurückzieht: Stadt stoppt Hamburg-WG nach Kritik an den Kosten. Das finde ich einerseits schade, weil ich die grundsätzliche Idee einer Hamburg-WG ganz cool finde, aber andererseits auch nachvollziehbar, weil Projektkosten von über 500.000 € doch deutlich zu happig sind und vor allem das Konzept eher noch bislang unausgeschöpftes Potential bietet, um es mit zurückhaltend ausdrücken. Ich glaube, man kann im Rahmen des Stadtmarketings eine Wohngemeinschaft in Hamburg ganz wunderbar nutzen, um die Facetten der Stadt, ihrer Einwohner und der hier ansässigen Firmen abzubilden.

Also, die Kritik und der Stopp der Gelder beim konkreten Projekt Hamburg-WG ist nachvollziehbar, aber die grundsätzliche Idee hat viel Potential.

Was ich aber nicht nachvollziehen kann an der Kritik am Projekt #hh_wg ist das folgende Statement vom CDU-Bürgerschaftsabgeordneten Andreas Wankum. Wankum sprach laut Abendblatt von einem

virtuellen Projekt, das an der realen Welt vorbeigeht

Bitte was? In welcher Welt lebt denn bitte Herr Wankum? Wie will er bitte junge Menschen erreichen, um diese nach Hamburg zu locken? Selten habe ich ein deratig absurdes Statement lesen dürfen. Wir reden hier über Stadtmarketing für die Metropolregion Hamburg, vom Kampf um die talentiertesten jungen Leute – und Herr Wankum meint, dies sei ein virtuelles Projekt? Was meint er denn, wie junge Leute erfahren, wie toll Hamburg ist? Weil sie die Anzeige in einer Tageszeitung sehen? Die Möglichkeit, direkt mit Hamburgern in Kontakt zu treten, einen Snapshot aus dem realen Leben zu erhalten – das ist es doch, was das Projekt Hamburg-WG ausmacht. Es geht hier mitnichten um Big Brother, wie es gerne in der Mopo dargestellt wird, sondern um das Berichten vom Leben in einer Hamburger Wohngemeinschaft, von jungen Leuten für junge Leute.

Nur weil Herr Wankum ein anderes Mediennutzungsverhalten hat als die Zielgruppe, muß es noch lange nicht bedeuten, daß die Hamburg-WG ein virtuelles Projekt ist. Ich finde es absurd, so zu argumentieren und es trägt auch nicht gerade dazu bei, daß junge Leute ein besseres Bild von der Politik bekommen.

4 responses to Kann eine WG ein virtuelles Projekt sein?

  1. FriedrichB 18.08.2011 at 22:21

    eine tolle Idee die virtuelle WG.

    Wenn wir etwas mehr opendata hätten, wäre es interessant zu erfahren, wo nach Abzug von ca. 36.000 € Warmmiete die anderen Kosten herrühren?

    Oder erhalten die Mieter auch noch ein monatliches Gehalt??

    Was Herrn Wankum betrifft, jetzt wissen wir endlich warum die Kreativen von HH nach B abwandern :-)

    In dem Zusammenhang:

    http://www.acwankum.de/

    ” Gute Kommunikation kostet Geld ” O-Ton AC Wankum

    Dass Wankum als medienpolitischer Sprecher der CDU Schwierigkeiten mit den Medien hat:

    http://mobil.abendblatt.de/hamburg/article1990046/Abschiedstrinken-Exzesse-nach-Facebook-Aufruf-befuerchtet.html

    >”Ich finde so etwas als Politiker und als Vater unverantwortlich”, sagt Wankum. “Das ist die unsoziale Seite des sozialen Netzwerks.” Aber das sei noch gar nicht das Schlimmste. “Ich finde es unmöglich, dass da sogar welche von der Jungen Union mitmachen.”

    Unter den fast 3000 Menschen, die bereits “Nehme teil” geklickt haben, sind auch einige Mitglieder des Parteinachwuchses. “Man klickt ja schnell mal irgendwohin”, sagt JU-Vorsitzender Carsten Ovens beschwichtigend. Das sei so üblich und bedeute nicht zwangsläufig, dass man an der Veranstaltung auch wirklich teilnimmt. Und: “Wir rufen nicht dazu auf, mitzumachen.” Trotzdem werden andere über das Profil der Person auf die Party aufmerksam. Und auch Ovens sieht die Gefahr der Eskalation: “Das ist grundsätzlich so, wenn betrunkene Menschenmassen unkoordiniert zusammentreffen.” Er hoffe aber, dass es nicht soweit kommt und weniger Menschen erscheinen als zugesagt haben. Die JU plane derzeit eine eigene Aktion an dem Tag, da sie das Verbot grundlegend ablehne.<

  2. Bestimmt lebt das Projekt in “Second Life” wieder auf. Ich hab gehoert, das wuppt jetzt wieder.

  3. Danke Nico.Allerdings ist die Zahl 500k auch wieder irreführend, da knapp die Hälfte der Summe von den Patenunternehmen kommt. Was die mit ihren Budgets machen ist deren Sache.Die Verlässlichkeit der der Stadt Hamburg ist durch dieses Einknicken vor den Schundblättern stark in Frage gestellt. Wer will mit so einer Stadt und der momentanen SPD-Regierung in Zukunft denn ein Projekt machen?(die Budgets waren seit 1 Jahr bekannt)Der Handschlag war hier mal was wert. Olaf Scholz und die Genossen bekommen ihn von mir nicht mehr.

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  1. Das hat Hamburg gerade noch gefehlt. Social Media Kampagne “HH-WG” abgebrochen. | Werbeblogger – Weblog über Marketing, Werbung und PR » Blog Archiv - 2.09.2011

    […] frühzeitig tötet durch fehlendes kommunikatives Fingerspitzengefühl der Initiatoren, aberwitzige Budgetierungsdimensionen und diverse handwerkliche Fehler bei der Kampagne […]

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