Google+: Celebrities first, Nutzer später

Nico —  21.08.2011

Google+ wächst weiter beachtlich in den Nutzerzahlen, aber die demographischen Daten verändern sich kaum, es sind überwiegend männlichte Studenten auf Google+ – aber das soll sich ändern, findet Google.

Also müssen Celebreties her, ähnlich wie Justin Bieber, Lady Gaga und Ashton Kutcher bei Twitter. Justin Bieber und Lady Gaga haben jeweils über 12 Millionen Follower auf Twitter, Ashton Kutcher hat knapp 8 Millionen. Insbesondere bei Justin Bieber dürfte es sich vor allem nicht um männliche Studenten handeln.

Google+ hat jetzt die Zertifizierung von Berühmtheiten eingeführt, damit Fans sicher sein können, daß sie einem echten Star folgen. Nun frage ich mich ja durchaus, wieso dies nicht von Anfang an ein Feature war, schließlich hätte man da von Twitter lernen können, aber gut, man kann auch seine eigenen Erfahrungen mit der Plattform machen und dann nach und nach die Features nachschieben, die andere aus guten Gründen schon länger haben.

Olaf Kolbrück, zertifiziert.

Dolly Parton, zertifiziert.

Während es mich für Fans von Dolly Parton und Olaf Kolbrück freut, daß hier die Zertifizierung stattgefunden hat, so frage ich mich aus Sicht eines Nutzers: „was soll das?“

Google+ hat so viele offene Baustellen, aber stattdessen wird ein Häkchen am Profil als Neuerung verkauft? Google tut gerade so, als ob die Stars Google+ massenhaft nutzen würden und ein Verification Badge das dringlichste Feature von allen sei. It’s the users, stupid! Wenn die Nutzer, die jetzt als Early Adopter früh dabei sind und den Dienst mit Kontakten und Inhalten vollpumpen, nicht auf ihre Kosten kommen, dann wird es schwer werden mit einem Celebrity-Network, denn dann wird die Basis wegbrechen. Ich habe bereits Anfang Juli über Google+ – was fehlt? geschrieben und kann nicht feststellen, daß da irgendetwas passiert ist. Sparks ist immer noch getrennt von Google Reader und irgendwie sinnlos, Huddle ist aus mir unerfindlichen Gründen weder mit GoogleTalk noch mit Hangouts verknüpft, warum man nur ein Bild und nicht Bild plus Video, oder Bild plus Links sharen kann, verstehe ich ebenfalls nicht, es gibt noch nicht mal eine Suchbox für Inhalte auf Google+ und die mobile App für Google+ erlaubt kein Sharing und kein +1 bei Kommentaren, +1 und Sharing ist immer noch nicht verknüpft, d.h. Nutzer können nicht einfach mal eben Inhalte in Google+ reinschieben und und und. Aber jetzt dürfen die Fans kommen, denn Stars haben ein Häkchen am Profil.

Das Signal, das Google hier aussendet, könnte schlimmer nicht sein. Die Early Adopter fühlen sich so halbwegs bei Google+ zuhause, aber anstatt jetzt mal den Rohbau zu vollenden, wird lieber versucht, den Glamour-Faktor zu steigern, indem die Fassade nett mit Häkchen versehen wird. Google+ hat einiges an Potential, mit Verification Badges alleine wird es aber nicht gehoben werden.

8 responses to Google+: Celebrities first, Nutzer später

  1. markus.breuer 21.08.2011 at 10:39

    Lieber Nico,

    Verzeih mir, wenn ich dir hier ausnahmsweise einmal widersprechen muss, aber für Google ist das ein extrem wichtiges Feature.

    Lass mich das mal kurz erklären, dann wird es vll. klarer:

    Nur mal angenommen, wir beide wollten eine Datenbank aufbauen, die Email-Adressen mit physischen Identitäten verknüpft (Perso-Name, Adresse etc.) und die entsprechenden User idealerweise über Cookies jederzeit identifizierbar macht. Ich hielte so etwas für eine gute Idee. Da kann man bestimmt ein paar Euro mit machen. 

    Die Herausforderung: wie bringen wir die Leute dazu, uns diese Daten zu geben und uns die Verwendung zu erlauben? Insbesondere in einer Situation, da sie selbst ja keine erkennbaren Vorteile davon haben?

    Gut, dass Du als Marketeer im Team bist. Denn du kennst einen lange bewahrten Kniff, wie man das macht?! Richtig: man macht aus der „Verifikation“ (ich gebe dir meine persönlichen Daten) ein Statussymbol. Wir machen es erst einmal knapp und geben es „Celebrities“ zum Vorzeigen. 

    Als nächstes „öffnen“ wir dann das Programm großzügig für die Massen. Anders als bei den Celebrities verlangen wir von denen aber „Beweise“ dafür, wer sie wirklich sind. Warum sollten wir denen das denn sonst glauben??

    Schwupps! Zwei Jahre später haben wir ein paar hundert Millionen Accounts mit Email, Adresse, Geschlecht, Geburtsdatum, Cookies für die Online-Erkennung etc.

    Gute Idee? :)

  2. @markus.breuer 08/15 idee. sowas hätte beim start der plattform implementiert sein sollen. ich warte auf die features, die mir als kurator helfen, interessante inhalte zu sharen.

  3. @markus.breuer 08/15 idee. sowas hätte beim start der plattform implementiert sein sollen. ich warte auf die features, die mir als kurator helfen, interessante inhalte zu sharen.

  4. dietmarschoder 21.08.2011 at 12:29

    @NicoLumma@markus.breuer Lieber Nico, ich glaube, hier geht es nicht darum ob die Idee alt oder neu ist, und auch nicht um die Features, die du dir als einzelner wünschst. Sondern da geht es um das Geschäft, das sich Google verspricht. Und in das Google ja auch viel Power und Geld investiert (hat).

  5. JulianSetzer 21.08.2011 at 17:04

    @NicoLumma Das Häkchen am Name ist der neue Invite. Denn wer bekommt es? Stars und Online-Berühmtheiten die in vielen Circles hängen. So hat es die nette Googleine im Vid ja gesagt. Ich sehe das ähnlich wie markus.breuer. Mache einen Hype daraus und lasse ein paar Stars vorneweggehen. Was kommt dann? Schlangen durch halb Hamburg vor dem Google Büro? Alle mit gezückten Ausweisen zu Verifikation? Googles Traum wird wahr…

  6. OlafKolbrueck 21.08.2011 at 20:02

    es ist in der tat sinnvoll, zumindest bei celebrities, und es gibt in der tat ebenso wichtigeres. und natürlich hat markus ebenso recht wie du. Aber Dolly Parton in einem satz mit mir: das macht mich irgendwie zum John Denver der Medienwelt.

  7. OlafKolbrueck 21.08.2011 at 20:02

    es ist in der tat sinnvoll, zumindest bei celebrities, und es gibt in der tat ebenso wichtigeres. und natürlich hat markus ebenso recht wie du. Aber Dolly Parton in einem satz mit mir: das macht mich irgendwie zum John Denver der Medienwelt.

  8. @OlafKolbrueck wenn eine von Google zertifizierte Celebrity auf meinem Blog kommentiert, steigt dann mein PageRank?