7 Antworten zum Datenschutz: Martina Pickhardt

Nico —  27.08.2011 — Leave a comment

Martina PickhardtKürzlich hatte ich 7 Fragen zum Datenschutz gestellt – heute antwortet Martina Pickhardt.Martina Pickhardt ist Senior Management Consultant und seit 2004 als freie Strategieberaterin in den Bereichen Personalisierung und neue Medien tätig. Sie bloggt zu selten auf themenriff.de und twittert als @pickihh

Was ist problematisch an Widgets, Tracking-Pixeln und eingebundenen Werbeplätzen?

“Problematisch” ist da eine Frage der Perspektive. Für manche ist es ein Know-How Problem diese Dinge auf ihren Websites richtig einzubauen, einige wissen nicht, was bei diesen “Einbauten” eigentlich im Hintergrund passiert – nämlich sogenannte “Bewegungsdaten” aufzuzeichen, d.h. wohin klicke ich auf einer Website (wobei “ich” im Regelfall eine IP-Adresse ist, und die dritte Gruppe weiß manchmal nicht, wie sie die diese Daten intelligent verwerten soll.

Ein ernsthaftes Problem sehen einige darin, das das “Ich” der IP-Adresse unter Umständen mit anderen personenbezogenen Daten der Website (zum Beispiel, wenn ich meinen Namen und meine Adresse hinterlassen habe) kombiniert werden und es zu mißbräuchlicher Nutzung kommen könnte.

Was ist so schlimm am Like-Button?

Wenn ein Benutzer zu dem Zeitpunkt, an dem der den Like-Button klickt, bei Facebook eingeloggt ist, ist dieser Klick seinem persönlichen Facebook-Konto zuzuordnen. Im Fall, das er es nicht ist, wird die IP-Adresse übertragen. Datenschutzrechtlich ist momentan jedoch vorgesehen, das ein User über die Übertragung solcher “personenbezogenen” Daten BEVOR er den Like-Button klickt, informiert wird.

Oberflächlich gesehen ist der Like-Button überhaupt nicht schlimm, denn zumindest als Facebook-Nutzer ist es ja auch exakt der Zweck des Klicks auf den Button, das dieses “Like” meinem Konto zugeordnet wird und andere sehen können, was ich gut finde.

Viele finden es kritisch, das Facebook technisch in der Lage ist, auf Personenebene Interessensprofile und Bewegungsmuster zu erkennen und zu analysieren. Noch kritischer ist, das Facebook als amerikanisches Unternehmen nicht ohne weiteres über das deutsche oder europäische Datenschutzrecht zu fassen ist.

Was passiert, wenn Unternehmen tracken können, was ich als Nutzer online mache?

Unternehmen können Bewegungsprofile anlegen um Zielgruppen zu bilden und diese für Werbezwecke anderen Unternehmen zur Verfügung stellen. Solange diese Zielgruppen anonymisiert und pseudonymisiert sind, ist alles in Ordnung.

Warum tracken Unternehmen eigentlich, was die Nutzer im Web alles machen?

Damit sie erfahren, was die Nutzer interessiert. Je genauer ein Unternehmen dies weiß, umso präziser können sie im Internet Werbung für ihre Produkte platzieren. Davon versprechen sie sich höhere Umsatzzahlen und bessere, weil interessiertere und damit langfristigere Kunden.

Haben die jetzt wirklich meinen Namen, Adresse, Bankverbindung, Hobbies, Freunde und Anzahl plus Namen der Haustiere? Und wie machen die Unternehmen damit jetzt Geld?

Namen, Adresse, Bankverbindung und Namen der Haustiere erhalten die Unternehmen erst in dem Moment, in dem ich diese Daten in einem Formular eintrage (zum Beispiel, wenn ich etwas im Internet kaufe). Die Bankverbindung wird bei vielen eCommerce-Anbietern überhaupt nicht beim Unternehmen direkt gespeichert, sondern bei einem dritten Dienstleister, der den Zahlungsprozess regelt.

Ob ein Unternehmen diese Daten anderen Unternehmen zu Werbezwecken zur Verfügung stellt, hängt davon ab, welche Einwilligung ich zur Nutzung der Daten gebe. Diese Einwillung wird meistens am Ende eines Bestellvorgangs über eine sogenannte Checkbox abgefragt und muss aktiv gegeben werden. Das heißt der User soll sich über dieses Einverständnis im Klaren sein und er darf nicht dazu gezwungen werden, sondern gibt sein Einverständnis stets freiwillig. Bankverbindungsdaten dürfen übrigens nicht zu Werbezwecken weitergegeben werden.

Alle anderen Daten werden pseudonymisiert und anonymisiert zu Zielgruppen zusammengefasst. Diese Zielgruppen werden anderen Unternehmen für Werbezwecke zur Verfügung gestellt. Dummerweise gibt es hier sehr viele Varianten, wie das genau geschieht und es gibt immer wieder schwarze Schafe.

Transparenz für den User gibt es derzeit nicht, einen erkennbaren Schaden allerdings auch nicht.

Es gibt doch das Safe-Harbour-Abkommen mit den USA, also ist doch alles halb so wild, oder?

Ja, es wäre sicher sehr spannend eine Überprüfung auf Einhaltung des Safe Harbour Abkommens der beigetretenen Unternehmen durchzuführen. Vorausgesetzt man findet den entsprechenden Ansprechpartner in den Unternehmen. <- Zynismus

Was sollte passieren, um Datenschutz zu gewährleisten, ohne den Unternehmen die Möglichkeit zu nehmen, die Nutzerdaten zu monetarisieren? Die wollen ja auch irgendwie Geld verdienen mit kostenlosen Diensten, oder?

Transparenz, Transparenz, Transparenz. Und bei der Nutzung von Webdiensten die Wahlfreiheit lassen, zwischen kostenlos und werbefinanziert auf Basis meiner Daten auf der einen Seite und Abogebühr und Werbefrei auf der anderen Seite.

Vielen Dank!

Neben den von mir gestellten 7 Fragen zum Datenschutz sind bislang außerdem 7 Antworten zum Datenschutz: Christoph Kappes und 7 Antworten zum Datenschutz: fukami in der kleinen Interview-Reihe erschienen.

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