Bist Du eher LEGO oder Playmobil?

Die Frage mag jetzt etwas seltsam klingen, aber ich glaube, da ist etwas dran.

Wer als Kind gerne mit Playmobil gespielt hat, der mag es, wenn es einen festen Rahmen gibt für das Spiel, wenn alles irgendwie zusammenpasst und man sofort loslegen kann. Man akzpetiert viele Dinge, weil man sie nicht ändern kann und fokussiert eher darauf, was man mit den Figuren, Gebäuden oder Fahrzeugen anstellen kann. Wer als Kind gerne, oder auch als Erwachsener, gerne mit LEGO spielt, der kann mit einer Tabula rasa umgehen, für ihn fängt das Spiel damit an, daß man sich erst einmal überlegen muß, was man spielen will. Bei LEGO muß nichts so sein, wie es auf der Packung aussieht, man kann seiner Kreativität freien Lauf lassen, was natürlich auch eine Herausforderung sein kann. Natürlich gibt es in den letzten Jahren vermehrt irgendwelche Themenpackungen, die das Bauen mit LEGO eher in den Hintergrund schieben, aber dennoch bleibt das Gundprinzip erhalten. Allein schon die Kiste mit hunderten von LEGO-Steinen führt dazu, daß man sein Hirn erst einmal sortieren muß, bevor man loslegen kann. Playmobil ermöglicht einen Frühstart ins Spiel herein, das Bauen und die damit verbundene kreative Phase ist eher kurz. Bei LEGO kann es natürlich sein, daß man sich so sehr auf den kreativen Prozeß versteift und ihn als den Hauptteil des Spiels ansieht, daß man gar nicht mehr dazu kommt, mit dem Erschaffenen auch zu spielen. Oder man wird nie fertig, auch das gibt es, weil man doch nicht alle geeigneten Steine finden konnte. Bei LEGO und Playmobil wird Spiel unterschiedlich definiert.

Ich stelle bei Vorstellungsgesprächen gerne die Frage „Bist Du eher LEGO oder Playmobil“ – Vorstellungsgespräche mit mir sind sowieso eher anders als in den Büchern – und stelle ganz oft fest, daß mein Gegenüber sofort weiß, was ich damit meine. Ich habe auch noch nie gehört, daß jemand meinte, mit LEGO und Playmobil gleich viel gespielt zu haben, es gibt immer eine Festlegung. Entweder man ist LEGO oder man ist Playmobil.

Catarina Fake hat kürzlich über Make Things gebloggt und darüber geschrieben, daß sie gar nicht so sehr weiß, wer sie inspiriert, sondern eher was:

People ask me who inspires me. This question often stumps me because I have been inspired in my work by stuff that people make.

Wenn man nach Deutschland guckt und sich die CopyCat-Diskussion ansieht, dann sehe ich dort Horden von Playmobil-Kids, die einfach schneller ins Spiel wollen und damit auch akzeptieren, daß der kreative Prozeß zu Beginn eines Startups einfach zu kurz kommt. Es kann natürlich sein, daß sie damit irre erfolgreich sind, weil sie eine Stufe überspringen und die richtigen Mitspieler finden. Ich präferiere immer noch den LEGO-Approach. Was habe ich rumliegen? Was kann ich damit machen? Was gab es noch nicht? Manchmal fehlen einige Steine, aber das macht den Reiz doch aus, oder?

Bist Du eher LEGO oder Playmobil?

38 Antworten auf „Bist Du eher LEGO oder Playmobil?“

  1. Sehr cooler Ansatz. Ich bin 100% Lego. Was ich an vielen verschiedenen Merkmalen aus anderen Bereichen belegen könnte. Wenn ich z.B. ein WordPress-Theme habe, ändere ich als erstes Farben, Schriftgrößen und Spaltenbreiten. Als ich vielen Jahren zum ersten Mal mit einem CMS gearbeitet habe, habe ich als erstes gelernt, mit welchen HTML-Befehlen man das Vorgegebene aushebeln kann. Aus dem als Feedreader gedachten netvibes habe ich als erstes einen SMNR gebaut. Ich wandle jedes Kochrezept ab. Was fest ist, sich nicht abwandeln und nicht umfunktionieren lässt, kann mich dagegen meist nicht lange fesseln.

  2. @cuxdu Juhu! Bin Mi abend – Sa früh in HH, mal ein Tässchen oder Gläschen zusammen nehmen?

  3. @db_uebersee och menno! Bin Mi-Fr in Berlin und Sa in Lüneburg…. :(

  4. ich bin lego, hab aber immer auch gerne bei freunden mit playmobil gespielt :-) @jenshoffmann @nico

  5. LEGO. Eindeutig. Es gab nur weisse und rote Steine. Grau war die Platte. Rote Dachziegel, Türen und durchsichtige Fenster. Heute noch begleite ich meinen jüngsten in den wunderbaren LEGO Laden in der Spitalerstrasse, Hamburg.

    Playmobil gab’s zu meiner grossen Zeit nicht. Fischertechnik und Stabilo waren auch nicht mein Fall.

  6. Schade, dass ich damals kein Vorstellungsgespräch bei dir hatte. Meine Antwort wäre natürlich LEGO gewesen! Lustigerweise hat mich meine Freundin vor drei Tagen das Gleiche gefragt. :)

  7. Sehr interessanter Beitrag. Der Vorteil von Lego: Du kannst während des „Bauprozesses“ jederzeit korrigieren, Feedback einholen und im Endeffekt eventuell etwas ganz anderes bauen als ursprünglich geplant. Der Internetunternehmer muss also ein Lego-Bauer gewesen sein :)

  8. Hm. Ich hatte Fischer-Technik, Lego und Playmobil. Und habe alles zu gleichen Teilen geliebt. Ingenieurstrieb, Konstruktivismus und Storytelling. Braucht man doch alles. Ach ja, und Barbiepuppen. Die mochte ich auch…

  9. Ich finde die Frage sehr interessant, aber Ihre Schlussfolgerungen nicht richtig. Es ist ja auch beim Playmobilspielen nicht so, dass man sich seine Szenen so aufbaut, wie sie auf der Verpackung dargestellt werden. Tatsächlich hat man doch eine große Auswahl von Figuren, die man immer neu zu verschiedensten Szenen kombinieren kann. So kann man Pferd und Reiter, die eigentlich als Cowboy gedacht waren, ebenso als Ritter eine Burg verteidigen lassen, als einsamer Reiter durch die Savanne schicken, als Bauer sein Feld bestellen lassen oder als Reitschüler einsetzen. Jeder, der sich als Playmobilspieler bezeichnet, würde vermutlich diese Art zu spielen bestätigen. Auch hier zeigt sich also eine gewisse Kreativität. Und ebenso wie beim Legospielen hat man die zwei Varianten: erst überlegen, was man spielen möchte und sich die nötigen Figuren zusammenstellen, oder die vorhandenen Figuren nehmen und sich überlegen, welche Szenerie man damit aufbauen kann. Es stimmt gewiss, dass dem Playmobilspiel die konstruktive Kreativität fehlt, jedoch bietet es eine visionäre Kreativität. Welche nun in einem Vorstellungsgespräch gewünscht wird, kommt auf die spätere Aufgabe an. Dass Sie den Playmobilspielern die Kreativität absprechen möchten, liegt vermutlich daran, dass Sie ein Legospieler sind und das wirklich Spiel mit Playmobil nicht kennen. Natürlich gibt es Menschen, die nicht in der Lage sind, die Playmobilfiguren aus ihren vorgegebenen Rollen zu lösen, aber ebenso gibt es Menschen, die mit Lego nur Türme bauen können. Ist es nicht viel wichtiger, dass man überhaupt in der Lage ist zu spielen? Vielleicht fragen Sie in Zukunft noch dazu, was man denn am liebsten mit Lego/Playmobil gespielt hat.

  10. Ja, das ist ein netter Ansatz. Mir fehlt in der Betrachtung nur ein bisschen das Thema „Effizienz“: der sich ständig selbst hinterfragende und endlos korrigierbare Lego-Ansatz ist deutlich zeit- und ressourcenintensiver als der Quick’n’Dirty-Ansatz von Playmobil – bei dem man sehr schnell ins Spiel kommt und dann die Kreativität dort einsetzt, wo die statischen Elemente „mal eben“ mit einer anderen Bedeutung belegt werden, damit es weitergehen kann. Idealerweise arbeiten also im wirklichen Leben ein Lego- und ein Playmobil-Mensch zusammen. :-)

  11. Meine Welt habe ich mir aus Lego gebaut. Belebt habe ich sie mit Playmobil.

  12. @PR_Doktor Mache ich alles ganz genauso. Und ich war/bin 90% Playmobil-Typ. ;)

  13. Ich war der Plaspi-Typ. Plaspi, der kleine Großblockbaumeister war die ostdeutsche Variante. Man konnte Häuser verschiedenen Typs bauen. Es gab eine zusätzliche Schwierigkeit. Die Kreativität bzw. der Baudrang kam immer wieder zum Erliegen und musste bis zur nächsten Materiallieferung überbrückt werden. Aber das bildete die Realität auf ostdeutschen Baustellen getreu wieder. Vor wenigen Jahren habe ich – wesentlich liquider als früher – einzelne Packungen des kleinen Großblockbaumeisters ersteigert. Mit jeder neu entdeckten Packung auf Flohmärkten oder bei ebay wuchs mein Plattenbau. Heute ziert er, ergänzt um Leuchtdioden, meine Wand hinterm Schreibtisch und darf als teuerste Wandbeleuchtung meines Lebens gelten. Aber so individuell. hach!

  14. Ich war der Plaspi-Typ. Plaspi, der kleine Großblockbaumeister war die ostdeutsche Variante. Man konnte Häuser verschiedenen Typs bauen. Es gab eine zusätzliche Schwierigkeit. Die Kreativität bzw. der Baudrang kam immer wieder zum Erliegen und musste bis zur nächsten Materiallieferung überbrückt werden. Aber das bildete die Realität auf ostdeutschen Baustellen getreu wieder. Vor wenigen Jahren habe ich – wesentlich liquider als früher – einzelne Packungen des kleinen Großblockbaumeisters ersteigert. Mit jeder neu entdeckten Packung auf Flohmärkten oder bei ebay wuchs mein Plattenbau. Heute ziert er, ergänzt um Leuchtdioden, meine Wand hinterm Schreibtisch und darf als teuerste Wandbeleuchtung meines Lebens gelten. Aber so individuell. hach!

  15. Kleiner Hinweis: LEGO hat sich verändert und ist deutlich „konkreter“/“figürlicher“ geworden, wenn auch nicht so detailgetreu wie playmobil; es ist also Vorsicht bei der Interpretation geboten. Ganz praktisch: LEGO kann man festklmmen, Playmobilfiguren fallen leicht um ;-)

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