7 Antworten zum Datenschutz: Christian Sauer

Nico —  5.09.2011 — 1 Comment

Christian SauerDie kleine Interview-Reihe 7 Fragen zum Datenschutz geht in die nächste Runde – heute antwortet Christian Sauer, Geschäftsführer der Webtrekk GmbH.

Was ist problematisch an Widgets, Tracking-Pixeln und eingebundenen Werbeplätzen?

Grundsätzlich denke ich, dass die ganze Diskussion zu dem Thema derzeit zu aufgeheizt ist und leider mit sehr viel mit diffuser Angst argumentiert wird. Das Problematischste an dem Thema ist sicherlich, dass man nicht genügend darüber informiert wird, was über mich auf meinem Rechner gespeichert wird. Hier sehe ich den größten Nachholbedarf und ein branchenverbindlicher Standard wäre wünschenswert. Nicht nur für Opt-outs, sondern auch über die Information zur Profilbildung.

Was ist so schlimm am Like-Button?

Hier kann ich die Datenschutzbehörde ausnahmsweise mal verstehen. Ich bin ja ständig bei Facebook eingeloggt und somit kann Facebook alle Seiten, die ich besuche und die mit einem Like-Button versehen sind, zu meiner Profilbildung heranziehen. Selbst wenn ich nicht auf den Like-Button klicke. D.h. Facebook weiß, wenn ich mir auf Bildde das Oben-ohne Mädchen angucke. Das ist den meisten Internetnutzern einfach nicht bewusst. Angeblich entwickelt Facebook ja auch einen Adserver, auf dem man dann außerhalb des Netzwerks personalisierte Werbung schalten kann.

Was passiert, wenn Unternehmen tracken können, was ich als Nutzer online mache?

In den allermeisten Fällen passiert rein gar nichts. Die wenigsten Unternehmen nutzen die Daten in irgendeiner Form zur Profilbildung, d.h. individualisieren den Content innerhalb einer Seite. In Werbenetzwerken allerdings werden immer häufiger solche Profile gebildet, die sich aus der Nutzung des Internet über verschiedene Seiten zusammen setzen. Hier sollten auf jeden Fall klare Informationspflichten und Opt-out Möglichkeiten geboten werden.

Warum tracken Unternehmen eigentlich, was die Nutzer im Web alles machen?

In erster Linie tracken die Unternehmen, um das Erlebnis des Nutzers auf der Seite zu optimieren. Wie könnte ich denn die Nutzerfreundlichkeit meiner Webseite erhöhen, wenn ich nicht weiß, wie viele Nutzer auf der Seite welche Angebote nutzen. Ich finde auch, dass sich z.B. die Checkouts in Online-Shops dramatisch verbessert haben, auch wenn es hier und da noch Optimierungspotenzial gibt. Man stelle sich nur mal vor, wie das aussehen würde, wenn man Abbruchquoten nicht messen dürfte.

Haben die jetzt wirklich meinen Namen, Adresse, Bankverbindung, Hobbies, Freunde und Anzahl plus Namen der Haustiere? Und wie machen die Unternehmen damit jetzt Geld?

Facebook hat das theoretisch schon. Aber natürlich haben die Unternehmen, bei denen ich mich nicht selbst angemeldet habe, das nicht. D.h. man sollte selbst entscheiden, wem man welche Daten gibt. Generell ist die Datenschutzmeinung, dass Cookies personenbeziehbare Informationen enthalten, für mich auch kaum nachvollziehbar. In 99.9% der Fällen werden diese Daten nie mit persönlichen Daten zusammengeführt, wegen der restlichen 0,1% und der theoretischen Zusammenführbarkeit wird das Thema von den Datenschützern aber so kritisch gesehen.

Es gibt doch das Safe-Harbour-Abkommen mit den USA, also ist doch alles halb so wild, oder?

Ich kenne das Abkommen nicht in der Tiefe, aber prinzipiell scheinen mir die amerikanischen Datenschutzbestimmungen doch weniger scharf zu sein, als die deutschen. Von daher kann ich grundsätzliche Bedenken verstehen, wenn personenbezogene Daten in die USA versendet werden. Alleine der Bezug von Google und 23andme gibt mir zu denken.

Was sollte passieren, um Datenschutz zu gewährleisten, ohne den Unternehmen die Möglichkeit zu nehmen, die Nutzerdaten zu monetarisieren? Die wollen ja auch irgendwie Geld verdienen mit kostenlosen Diensten, oder?

Ich würde den OBA-Anbietern empfehlen, möglichst transparent mit den Daten umzugehen. Man braucht eine Opt-out Möglichkeit und eine Information, was über mich in meinem Profil gespeichert wurde. Am besten noch mit einer Erklärung, wie eine Profilbildung entstanden ist.
Webanalysedienste sehe ich weniger kritisch, weil hier keine personalisierte Werbung ausgespielt wird. Aber auch in der Webanalyse sollte größtmögliche Transparenz angestrebt werden, damit das Vertrauen der Nutzer nicht hintergangen wird.

Generell kann man sagen, dass das Thema leider häufig emotional und nicht sachlich diskutiert wird. Es gibt kaum ein Worst-Case-Szenario, vor dem ich selbst als Nutzer Angst hätte. Ich persönlich lasse alle Cookies zu und mir hat es bisher noch nicht geschadet. Wenn ich dann mal auf mich bezogene Werbung sehe, ist das für mich eher ein Nutzen als ein Schaden.

Vielen Dank!

Neben den von mir gestellten 7 Fragen zum Datenschutz sind bislang außerdem 7 Antworten zum Datenschutz: Christoph Kappes, 7 Antworten zum Datenschutz: fukami, 7 Antworten zum Datenschutz: Martina Pickhardt, 7 Antworten zum Datenschutz: Uli Hegge und 7 Antworten zum Datenschutz: Christian Bennefeld in der kleinen Interview-Reihe erschienen.

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  1. Tipp: 7 Fragen zum Datenschutz ❘ HappyBuddha - 15.09.2011

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