All-Cloud Enterprise vs. deutsche Rechtssprechung

Nico —  8.09.2011

Bei der BBC gibt es ein interessantes Interview mit John Engates, dem Chief Technology Officer (CTO) von Rackspace, einem der führenden Hosting-Anbieter weltweit. Engates wurde u.a. gefragt, was denn das nächste große Ding, the next big thing, sei:

I think the next big thing is moving all applications to the cloud.

We are looking forward to an era where people don’t necessarily have to have on-premises computing anymore.

They don’t need to have their own data centres, and they can really consume applications and consume IT services from the internet or from the cloud. That’s a big shift, it’s a lot of work to move applications.

We have this concept here at Rackspace that we call the all-cloud enterprise.

Someone who has every application in the cloud. Today only small companies have that, I think long-term the ambition would be for any company of any size to have that all-cloud approach to their IT infrastructure

Das ist ein sehr spannendes Statement, denn es zeigt deutlich, wie sehr die Cloud mittlerweile dazu führt, daß Business-Strukturen überdacht werden und für die Cloud modifiziert werden. Ich bin ein großer Befürworter der Cloud-Nutzung, weil es viele Dinge vereinfacht und in aller Regel die Kosten für Unternehmen massiv senkt. Allerdings gibt es da insbesondere in Deutschland noch ein Problem, und das ist die geltende Rechtslage, wie Jürgen Stüber in dem Artikel Juristen warnen Firmen vor Cloud Computing erläutert.

Cloud Computing ist rechtlich „Auftragsdatenverarbeitung“. Ein Auftraggeber (das Unternehmen in Deutschland) speichert Daten auf dem Server des Auftragnehmers (dem Cloud-Anbieter). Wie das abzulaufen hat, regelt §11 des Bundesdatenschutzgesetzes.

Dieser Paragraph fordert einen schriftlichen Vertrag über die Modalitäten der Datenverarbeitung. Ferner müsse sich der Auftraggeber „vor Beginn der Datenverarbeitung und sodann regelmäßig von der Einhaltung der beim Auftragnehmer getroffenen technischen und organisatorischen Maßnahmen“ überzeugen. Versäumt das der gewerbliche Cloud-Nutzer, droht ein Bußgeld von bis zu 50.000 Euro.

Mal ganz abgesehen davon, daß immer noch viele Menschen und Entscheider meinen, ihre Daten seien sicherer, wenn sie auf dem eigenen Server liegen, sieht die Rechtslage auch noch nicht so förderlich für eine zügige Verbreitung des Cloud Computing aus. Stüber fasst es so zusammen:

Cloud Computing und das deutsche Datenschutzrecht bewegen sich in zwei Welten. Es scheint, als stamme das Gesetz aus einer Zeit, als Daten auf Magnetbändern von Rechenzentrum zu Rechenzentrum getragen wurden. Das deutsche Datenschutzrecht sei den Anforderungen des Internetzeitalters nicht gewachsen, sagen Juristen. Das zeigt auch die aktuelle Diskussion.

Anders ausgedrückt:
Rackspace, Amazon, Google & Co so: alles in die Cloud!
Deutschland so: haha.

8 responses to All-Cloud Enterprise vs. deutsche Rechtssprechung

  1. Lumma: Eure Daten sind sicher in der Cloud!

    Ich so: haha.

    Sorry, aber zu behaupten Daten seien sicherer, nur weil sie „in einer Cloud“ liegen (hier hinkt schon die Definition „der Cloud“ ohnehin) ist kompletter Unsinn und wurde durch die jüngsten Amazon Cloud Probleme bewiesen.

    Ein Unternehmen welches seine Daten redundant (z.B. auf eigenen Servern in zwei Rechenzentren verteilt) sichert, ist min. so sicher wie „in der Cloud“. Macht die Augen auf und glaubt nicht immer dem ganzen Marketing Schnack der großen Cloud Anbieter.

  2. Lumma: Eure Daten sind sicher in der Cloud!

    Ich so: haha.

    Sorry, aber zu behaupten Daten seien sicherer, nur weil sie „in einer Cloud“ liegen (hier hinkt schon die Definition „der Cloud“ ohnehin) ist kompletter Unsinn und wurde durch die jüngsten Amazon Cloud Probleme bewiesen.

    Ein Unternehmen welches seine Daten redundant (z.B. auf eigenen Servern in zwei Rechenzentren verteilt) sichert, ist min. so sicher wie „in der Cloud“. Macht die Augen auf und glaubt nicht immer dem ganzen Marketing Schnack der großen Cloud Anbieter.

  3. NicoLumma 8.09.2011 at 16:18

    @aleks eigene server bedeuten aber auch eigene admins, etc. – oder? und eine eigene, verteile infrastruktur. das wirkt sehr teuer. und ist auch nur eine cloud mit anderen mitteln. :)

  4. ChristianSchmitz 8.09.2011 at 18:15

    @NicoLumma die von dir aufgelisteten Cloudprovider sind alle U.S. Firmen.

    Kann sich das „Weltmarktführer Mittelstand“ Land Deutschland wirklich leisten das unternehmenskritische Daten in Fremdclouds in Drittländer ausgelagert werden?

    Die funktionalen Vorteile einer Cloud lassen sich problemlos In-House(oder managed) kostengünstig realisieren, inklusive „verteilt und ausfallsicher“.

  5. joern.seemann 8.09.2011 at 21:33

    „Die Cloud“ erinnert mich immer an „papierloses Büro“ – das sind tolle große Ideen, die aber an vielen kleinen Dingen scheitern und wenn es Menschen sind, die auf ihr Fax-Gerät nicht verzichten möchten.

  6. joern.seemann 8.09.2011 at 21:38

    @NicoLumma Admins haben ein Feature, das Clouds kaum bieten können: Vertrauen. Man weiss, dass er Deine Email lesen könnte, es aber nicht macht. Ob die AGBs einer Cloud dieses Vertrauen geben können wird sich zeigen.

  7. joern.seemann 8.09.2011 at 21:38

    @NicoLumma Admins haben ein Feature, das Clouds kaum bieten können: Vertrauen. Man weiss, dass er Deine Email lesen könnte, es aber nicht macht. Ob die AGBs einer Cloud dieses Vertrauen geben können wird sich zeigen.

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  1. Aktuelles 12. September 2011 - 12.09.2011

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