Techcrunch macht ohne Arrington weiter

Nico —  12.09.2011

Techcrunch berichtet gerade kommentarlos, daß AOL folgendes Statement veröffentlicht hat:

“The TechCrunch acquisition has been a success for AOL and for our shareholders, and we are very excited about its future. Michael Arrington, the founder of TechCrunch has decided to move on from TechCrunch and AOL to his newly formed venture fund. Michael is a world-class entrepreneur and we look forward to supporting his new endeavor through our investment in his venture fund. Erick Schonfeld has been named the editor of TechCrunch. TechCrunch will be expanding its editorial leadership in the coming months.”

Wir erinnern uns, Arrington kündigte vor kurzem an, daß er als VC tätig werden würde und den Crunchfund aufgelegt hat. An dem Investmentvehikel ist u.a. AOL beteiligt, aber auch einige andere bekannte Investment-Größen des Silicon Valley findet man auf der Liste der Investoren des mit 20 Millionen Dollar doch eher mickrigen Fonds.

Danach entbrannte eine Debatte in den amerikanischen Blogs und den Techmedien, ob und wenn ja, wie, die redaktionelle Unabhängigkeit von Techcrunch zu gewährleisten sei, wenn Arrington als Investor tätig werden würde. Die Autoren von Techcrunch waren auf dem Standpunkt, daß sie eh machen was sie wollen, da wäre es auch egal, was Michael Arrington tun würde – das Lager der Journalisten war eher schockiert, weil sie natürlich einen massiven Interessenkonflikt sehen.

Heute nun wurde erst einmal ein Schlußstrich unter die Angelegenheit gezogen, aber es wurden in der Vergangenheit auch Vermutungen laut, daß Arrington die Band wieder zusammenbringen könnte, aber dann unter einem anderen Namen. AOL steht eher doof dar, schließlich verlieren sie eines ihrer Aushängeschilder und das alles für den Preis einer Beteiligung an einem VC-Fond. Den Machtkampf mit Arianna Huffington hat erst einmal die Techcrunch-Redaktion gewonnen, denn mit Erick Schonfeld wurde einer der profilierten Blogger aus der Techcrunch-Redaktion zum Chefredakteur ernannt.

Ich vermute mal, daß dieses Thema noch nicht durch ist, spätestens wenn Techcrunch über das erste Investment des Crunchfund berichtet, wird die Debatte um das journalistisches Ethos und die Macht der Blogs in der amerikanischen Medienlandschaft wieder aufflammen.

Interessanterweise hat sich bei deutsche-startups.de noch nie jemand wirklich darüber aufgeregt, daß sowohl der European Founders Fund der Samwers als auch Holtzbrinck Ventures an dem Blog beteiligt sind. Entweder spielt deutsche-startups.de keine Rolle, oder das Team um Alexander Hüsing schafft es, keinen Zweifel an seiner Integrität trotz Blog-Format aufkommen zu lassen. Wenn er das schafft, warum gibt es dann bei Techcrunch eine derartige Debatte?