Monokulturen, das Internet und der Idealismus

Nico —  23.09.2011

Eben gerade habe ich den Kommentar von Johannes Kuhn Neuerungen beim sozialen Netzwerk – Wie die Monokulturen das Web schädigen gelesen, der vehement beklagt, daß Facebook und Google zu groß werden und damit das Web schädigen. Ultimativ sieht er Facebook in seinen Bestrebungen, global alle Nutzer und ihre sozialen Interaktionen einfachen zu wollen, zum Scheitern verdammt. Das kann man so sehen, oder einfach den Ökosystem-Gedanken verfolgen und sehen, daß Facebook und Google mit den geschaffenen Strukturen sehr viele Möglichkeiten zur Entfaltung bieten können. Ich tue mich auf schwer damit, von Monokulturen zu sprechen, eher von konkurrierenden Ökosystemen, die ihrerseits unterschiedliche Ausprägungen von Vielfalt zulassen, aber eben keine Monokultur darstellen.

Aber, das Beste an diesem Artikel ist diese wunderbare pathetische Fazit:

Das Schöne ist: Wir, die Internetnutzer, haben die Wahl. Auf der einen Seite liegt der bequeme Weg über die Identitätsmonopolisten, der unser digitales Ökosystem nachhaltig schädigen könnte. Der andere Weg ist nicht ganz so komfortabel: Bei ihm verteilen wir unsere Daten auf verschiedene Dienste oder speichern und verwalten sie sogar selber über unseren eigenen Server in der heimischen Wohnung.

Wenn wir wollen, dass das Internet so offen und vielfältig wie bisher bleibt, sollten wir uns für die beschwerlichere Route entscheiden.

Ja. Die Menschen sind faul und folgen dem Herdentrieb, also wieso sollten sie den schwierigen Weg wählen? Schön, daß es bei der Süddeutschen noch idealistische Utopisten gibt. Aber mit der Realität hat diese Einschätzung mal gar nichts zu tun, vor allem wenn man sich anguckt, was wieso im Web funktioniert. Theoretisch könnte man das alles über APIs lösen, praktisch ist es aber immer komplizierter als das Nutzen eines einzigen Dienstes und für den Großteil der Nutzer ist die ideelle Meta-Ebene völlig egal, da soll es nur einfach sein und funktionieren.

2 responses to Monokulturen, das Internet und der Idealismus

  1. FriedrichB 23.09.2011 at 13:33

    Mal ganz konkret:

    Wieviele konkurrierende Ökosystemen haben wir noch im Netz? Im Prinzip doch nur noch 2.

    Aber vielleicht ist das ja was wir Lemminge wollen :-)

    Tim Berners-Lee warnte doch schon vor längerer Zeit vor den bunker-sites.

    Everybody who runs a Web site knows we’re not assured of compatibility, and we could end up with a split.

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  1. Facebook Timeline – Tagebuch der Moderne? | Notizbuchblog.de - 28.09.2011

    […] der Timeline und Facebook auseinander. Der Idealismus, der im Artikel durchscheint, wird dann aber von der digitalen Bohème verhöhnt: […] Ja. Die Menschen sind faul und folgen dem Herdentrieb, also wieso sollten sie den […]