Bekenntnisse eines Süchtigen

Nico —  27.09.2011

Ich weiß gar nicht mehr genau, wie es eigentlich damit anfing. Ich kann mich noch dunkel an einige seltsame Gestalten erinnern, die in einer Straße wohnten und die über ziemlich viele spannende Dinge sprachen, u.a. war öfter von nah und fern, aber auch laut und leise die Rede. Später kamen abends öfter zwei Männer in Anzügen vorbei, der eine eher rundlich, der andere ein ziemlicher Schlaks. Die beiden waren oft da, fast immer pünktlich. Es wurde viel gelacht.

Schon früh wurde ich mit den üblichen Barbituraten konfrontiert, die gemeinsam im Kreise der Familie immer um 20 Uhr eingenommen wurden. Die Darreichung der Drogen wechselte nach genau 15 Minuten und wurde dann nicht selten moderiert verabreicht. Oftmals mußte ich mit ansehen, wie mein Vater nach einer Weile einfach dabei einschlief.

Schlimm wurde es allerdings, das gebe ich gerne zu, als sowohl Lehrer als auch Eltern mich auf die Modedroge meiner Jugendzeit aufmerksam machten. Künftig benötigte ich jeden Morgen meine Droge, oftmals begleitet von Kaffee und Brötchen. Ich wurde zunehmend apathisch, die Familie beklagte Phasen der Nichtansprechbarkeit. Nach dem Konsum der Droge wurde bei mir eine gesteigerte Diskussionsbereitschaft bemerkt. Die Langzeit-Wirkung dieser Einstiegsdroge sollte für mich verheerend sein.

Richtig wild wurde mein Drogenkonsum in der Mitte der 80er Jahre. Die Darreichung der Drogen wurde immer farbenfroher, bereits am frühen Nachmittag wurden sie genommen und stellenweise mit Musik beigemischt. Wenn schlechtes Wetter war, habe ich teilweise eine statische Testdroge konsumiert.

Ich bin mittlerweile seit über 30 Jahren süchtig. Aber ich kann gut von meiner Sucht leben. Ich fixe andere an, pushe ihnen dann Drogen rüber und behalte immer auch ein Teil davon für mich. Bei Elternabend werde ich deswegen oft mit strengen Blicken taxiert, aber als Süchtiger verdrängt man derartige Erfahrungen leicht. Meine Kinder profitieren von der Sucht, wir haben stets neues Besteck zuhause und Drogen in seiner reinsten Form ohne jegliche Beimischungen.

Ich habe festgestellt, daß die Modedroge, mit der mich Eltern und Lehrer angefixt hatten, für mich immer weniger Reiz darstellt. Meine aktuelle Lieblingsdroge ist viel direkter, wirkt schneller und man kann sie auch gut mobil einnehmen.

An staatlich geförderten Ausstiegsprogrammen bin ich nicht interessiert.